Microsoft schnappt Google Facebook weg
25.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Es ist zwar nur eine 1,6-prozentige Beteiligung an der Online-Community. Aber Microsoft hat den Fuß in der Tür von Facebook - und nicht Google.
Im Rennen um die Werbemillionen im Internet hat Microsoft einen wichtigen Erfolg erzielt: Der Software-Konzern erwarb für 240 Millionen Dollar (168,6 Millionen Euro) eine 1,6-prozentige Beteiligung an der Internet-Community Facebook, die von mehr als 47 Millionen Menschen für die persönliche Präsentation und Kommunikation genutzt wird. Facebook gab Microsoft damit den Vorzug vor einem ähnlichen Angebot von Google.
Die am Mittwoch bekanntgegebene Vereinbarung sieht vor, dass Microsoft Internet-Werbung bei Facebook verkauft. Außerdem wolle Microsoft auch in anderen Bereichen mit Facebook zusammenarbeiten, sagte der für Online-Plattformen zuständige Manager Kevin Johnson während einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Offenbar ist Microsoft interessiert an der erfolgreichen Entwicklung sogenannter Widgets - das sind kleine Internet-Anwendungen, die sich in die persönlichen Seiten bei Facebook integrieren lassen. Bislang haben freie Entwickler rund 8000 solcher Widgets programmiert.
Google nur in Südamerika gefragtDie Investition bei Facebook bedeutet für Microsoft einen wichtigen Erfolg im Wettbewerb mit Google. Bei früheren Bieterwettkämpfen wie bei der Videoplattform Youtube und dem Werbeunternehmen Doubleclick musste Microsoft Google den Vortritt lassen. Facebook-Manager Owen Van Natta sagte, es habe Gespräche mit anderen Interessenten gegeben, nannte aber keine Namen. Google hat ein eigenes soziales Netzwerk namens Orkut gegründet, das aber außerhalb von Südamerika bislang nur auf geringe Resonanz stößt.
Der Preis für die Microsoft-Beteiligung bedeutet, dass Facebook mit insgesamt 15 Milliarden Dollar (10,5 Milliarden Euro) bewertet wird - ein erstaunlicher Betrag für ein Unternehmen, das vor weniger als vier Jahren im Wohnheim der Harvard University gegründet wurde. Im vergangenen Jahr hatte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ein Kaufangebot von Yahoo zu einem Preis von einer Milliarde Dollar abgelehnt.
Murdoch war der ersteDas größte soziale Netzwerk ist zwar weiter in Myspace als Tochter des Medienkonzerns News Corp. von Rupert Murdoch. Facebook, das zunächst vor allem in akademischen Kreisen genutzt wurde, weist aber die höheren Zuwachsraten auf. Microsoft hat in diesem Markt die «Windows Live Spaces» eingeführt, die in den USA bislang von 9,8 Millionen Menschen genutzt werden. (AP)