24.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Ein S-Bahn-Lokführer in Berlin im Ausstand
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
«Streiks machen Lokführer sympathischer», «Verständnis für Lokführer-Streik schwindet», «Unterstützung für Lokführer ungebrochen» - ja, was denn nun? Matthias Breitinger rät, Umfragen nicht allzu ernst zu nehmen.
Wie heißt es so schön: Trau keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast. Nun wollen wir den Meinungsforschungsinstituten keine Zahlenfälschung unterstellen bemerkenswert ist es aber dennoch: Am Dienstagnachmittag berichtete N24, eine Umfrage zeige, dass die Deutschen weiterhin mehrheitlich hinter den streikenden Lokführer stünden. Am Mittwochmorgen meldet das Magazin «Stern» dagegen: Nur noch 45 Prozent der Bürger befürworten den Ausstand der GDL.
Ein Stimmungsumschwung binnen weniger Stunden? Eher unwahrscheinlich. Denn ein ähnliches Bild zeichneten verschiedene Umfragen schon Ende vergangener Woche. Am Donnerstag ergab eine Umfrage, 55 Prozent der Bevölkerung hielten neue Arbeitsniederlegungen für nicht gerechtfertigt einen Tag später erklärten in einer anderen Erhebung rund 64 Prozent der Befragten, sie hätten Verständnis für die Streiks.
Auffällig dabei: Es ist stets das Meinungsforschungsinstitut Forsa, das zu den ablehnenden Mehrheiten kommt, am Donnerstag für den bahnfreundlichen Think-Tank Berlinpolis, nun für den «Stern». Die den Lokführern mehrheitlich sympathisch gegenüber stehenden Deutschen wurden dagegen von Infratest dimap (Freitag für die ARD) und von Emnid (Dienstag für N24) befragt.
Allerdings kommen sowohl Emnid als auch Forsa zu einem ähnlichen Ergebnis, wenn nach der Notwendigkeit eines eigenen Tarifvertrags gefragt wird. Bei Emnid fand sich eine deutliche Mehrheit von 64 Prozent, die es bei einem Tarifvertrag für alle Bahn-Bediensteten belassen würden, Forsa kam für Berlinpolis vorige Woche auf einen Wert von 73 Prozent. Die GDL will mit den Streiks einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer durchsetzen.
Je nach FragestellungDass die Bevölkerung wenig Verständnis für einen eigenen Tarifvertrag aufbringt, erscheint angesichts der übereinstimmenden Umfragen sicher. Dagegen lassen die sich widersprechenden Umfragen bei der grundsätzlichen Haltung gegenüber den Streiks einen anderen Schluss zu: Die Deutschen sind gespalten darin, ob sie für die kämpfenden Lokführer an sich Sympathie zeigen sollen was sich etwa bei der Frage zeigt, ob Bahnchef Hartmut Mehdorn einlenken solle.
Das finden in der jetzt von Forsa erstellten Umfrage nämlich 47 Prozent obwohl dieselben Befragten die Streiks überwiegend ablehnen. 45 Prozent sind der Ansicht, Mehdorn solle unnachgiebig bleiben. In der Infratest-Befragung machte zudem jeder Zweite das Bahn-Management dafür verantwortlich, dass es nochmals zu Streiks kommt, nur jeder Vierte gab der GDL die Schuld.
Eines machen die widersprüchlichen Umfragen in jedem Fall deutlich: Die Ergebnisse können je nach Fragestellung unterschiedlich ausfallen. Berlinpolis ließ nicht fragen, ob die Bahn einlenken solle, sondern ob sich die GDL mit dem vorliegenden Angebot des Konzerns zufrieden geben solle. Die Antwort auf letztere Frage lässt durchaus nicht Schlüsse auf das mögliche Ergebnis der ersteren zu. Damit bleibt letztlich nur eines: die Umfragen zu den Bahnstreiks nicht allzu ernst zu nehmen.