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Lupe Internetfirmen schrecken ProSieben-Chef

Wenn Google oder Yahoo massiv in ein eigenes Internet-Programm investieren, wird es für die TV-Sender eng, warnt Guillaume de Posch. Der ProSiebenSat1-Chef glaubt aber, die Antwort zu kennen: Qualität.

Der Vorstandsvorsitzende der ProSiebenSat1 Media AG, Guillaume de Posch, rechnet mit einer weiteren Konsolidierung im internationalen Fernsehgeschäft. «Die Frage ist, wer die handelnden Personen sein werden», sagte de Posch am Montagabend in Hamburg. ProSiebenSat1 hatte im Sommer die SBS Broadcasting Group für 3,3 Milliarden Euro übernommen und diesen Kauf kreditfinanziert. Hinter dem Geschäft stecken die Finanzinvestor Permira und KKR, die vor der Zusammenlegung Mehrheitseigner beiden Fernsehgesellschaften waren.

«Unsere Internationalisierung ist die richtige Lösung gewesen», sagte de Posch. Er verwies darauf, dass der neue TV-Konzern 200 Millionen Fernsehzuschauer in 13 Ländern Europas erreiche. SBS ist vor allem in Skandinavien, Benelux und Osteuropa stark vertreten. Beide Unternehmen erzielen zusammen rund drei Milliarden Euro Umsatz und beschäftigen etwa 6000 Mitarbeiter. Nach der Übernahme hatte sich die Senderkette ein Sparprogramm mit Stellenabbau verordnet.

Angst vor Internetfirmen
Die Integration von SBS wird nach Angaben des Managers etwa ein- bis eineinhalb Jahre dauern. Von 2010 an sollen Synergieeffekte von bis zu 90 Millionen Euro jährlich «voll wirksam werden». Sogenannte Skaleneffekte seien wichtig, um gegenüber US-Riesen wie Time Warner, Google oder Yahoo bestehen zu können. Die Internetanbieter verschärften die Konkurrenz nicht nur im Werbemarkt. Sie könnten auch mit eigens konzipierten Internet-Serien in ihr eigenes Programm investieren, warnte de Posch - der zugleich für die Zukunft Übernahmen von Sendern durch Internetfirmen nicht ausschloss. «Die können massive Ressourcen mobilisieren.»

Im laufenden Jahr investiert ProSiebenSat1 laut de Posch 1,6 Milliarden Euro ins Programm. In Deutschland werden rund 650 Millionen Euro für eigene Produktionen ausgegeben, für 450 Millionen Euro werden Lizenzen und Filmrechte eingekauft. Der Sender werde aber nicht einige hundert Millionen Euro in Bundesliga-Rechte investieren, weil sie sich im frei empfangbaren Fernsehen nicht refinanzieren ließen, kündigte der Vorstandschef an.

«Qualität ist Quote»
Es sollten insbesondere Formate entwickelt werden, die sich leicht in andere Länder übertragen lassen, gab der Vorstandschef die inhaltliche Richtung vor. «Ein Drehbuch, ein Filmset. Das spart nicht nur Kosten, wir sind auch schneller am Markt», sagte er. Die angestrebte Rendite von 25 bis 30 Prozent lässt sich nach seinen Worten mit Synergieeffekten, aber auch mit der Programmausrichtung schaffen: «Qualität ist für uns Quote. Wenn Qualität keine Quote bringt, ist für uns das Spiel vorbei.» (nz/dpa)