netzeitung.deLokführer wollen gesamten Freitag streiken

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Streik der Lokführer am Freitag (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Streik der Lokführer am Freitag
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das Spitzengespräch zwischen Bahn und Lokführern hat ergeben, dass weiter verhandelt wird. Die GDL hat aber schon beschlossen, am Freitag den Nah- und Regionalverkehr in Deutschland lahm zu legen.

Die Lokführergewerkschaft GDL macht mit ihrer Streikdrohung ernst: An diesem Freitag soll der Regionalverkehr der Bahn erstmals ganztägig lahmgelegt werden. Millionen von Pendlern und Reisenden in Regiozügen und S-Bahnen müssen sich auf massive Verzögerungen und Ausfälle einstellen. Indirekt könnte auch der Fernverkehr von dem Arbeitskampf in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn Strecken blockiert werden. ICE- und IC-Züge darf die GDL nach einem Gerichtsbeschluss nicht bestreiken.

Die Gewerkschaft rief zu der Aktion auf, obwohl für den späten Nachmittag noch ein Spitzentreffen geplant war. Dazu hatte der Bahn- Aufsichtsratschef Werner Müller eingeladen. An dem Treffen haben GDL-Chef Manfred Schell und Bahnchef Hartmut Mehdorn teilgenommen. Schell und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee betonten, dass es sich lediglich um ein Informationsgespräch handele. «Wir brauchen sachliche Verhandlungen. Deshalb ist es gut, dass das Präsidium sich von beiden Tarifpartnern detailliert über deren Positionen informieren lässt», sagte der Minister. Beschlossen wurde, dass weiter verhandelt werde und die Bahn bis Montag ein Angebot vorlegen wird.

Die GDL bekräftigte ihre Forderung nach Verbesserungen beim Entgelt und den Arbeitszeiten sowie einem eigenständigen Tarifvertrag für das fahrende Personal. Allerdings zeigte sie sich zu Kompromissen bereit. «Die 31-Prozent-Forderung wäre sofort vom Tisch, wenn die Bahn mit uns über einen eigenen Tarifvertrag verhandeln würde», unterstrich Schell in einer Mitteilung. Während solcher Verhandlungen würden «selbstverständlich» keine Streiks stattfinden. Auch an Wochenenden will die Gewerkschaft nicht streiken.

Die Gewerkschaft will an diesem Freitag von 2 Uhr bis 24 Uhr Regionalzüge und S-Bahnen bestreiken. Für den Fern- und Güterverkehr gilt ein Streikverbot des Arbeitsgerichts Chemnitz. Die Bahn dürfte allerdings versuchen, wie bei bisherigen Streiks einen Teil des Fahrbetriebs mit verbeamteten Lokführern, die nicht streiken dürfen, fortzusetzen. Für einen umfangreichen Notfallplan - wie bei einem dreistündigen GDL-Streik am vergangenen Freitag - dürfte die Streikankündigung der GDL allerdings zu kurzfristig gekommen sein.

Schell sagte der «Bild»-Zeitung: «Wir gehen davon aus, dass die Arbeitskampfmaßnahmen Erfolg haben und dass so wenig wie möglich fährt.» Der stellvertretende GDL-Vorsitzende Günter Kinscher sagte im rbb- Inforadio, Mehdorn müsse endlich das umsetzen, was er im Moderationspapier unterschrieben habe, nämlich, «dass er mit uns über einen eigenständigen Tarifvertrag verhandelt. Dazu hat er sich verpflichtet und das soll er auch endlich tun... Was letztendlich in dem Vertrag drinsteht, ist etwas ganz anderes. Darüber müssen wir verhandeln», sagte Kinscher.

Der Vorsitzende der mit der GDL konkurrierenden Bahn-Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, forderte von der Bahn, die übrigen Beschäftigten im Tarifstreit mit der GDL nicht zu benachteiligen. Er hoffe, dass das Treffen wieder Bewegung in den festgefahrenen Konflikt bringt: «Ich habe doch zumindest die Hoffnung, dass nach diesem Gespräch zwischen der Bahn AG und der GDL wieder eine Verhandlungssituation geschaffen werden kann, mit der weitere Streiks zu Lasten der Kunden vermieden werden», sagte Hansen dem Nachrichtensender n-tv.

Die GDL verlangt für Lokführer und Zugbegleiter einen eigenständigen Tarifvertrag und eine Erhöhung der Löhne um bis zu 31 Prozent. Die Bahn hatte mehrfach klar gemacht, dass ein neues Angebot nicht infragekomme. Zuletzt hatte sie Einkommenserhöhungen von 4,5 Prozent angeboten, wie mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA vereinbart. Mit Mehrarbeit könnten die Lokführer netto auf etwa zehn Prozent mehr Geld kommen, erklärt die Bahn. Mehdorn hatte am Mittwoch an die GDL appelliert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Bahn sei dazu bereit. (dpa)