Bahnhöfe und Strecken könnten stillgelegt werden
09.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Damit bestätigen sich die Befürchtungen der Kritiker eines Börsengangs der Bahn in der derzeit diskutierten Fassung: Die Länder sollen gezwungen werden, im Regionalverkehr nur noch Strecken zu bestellen, die dem Unternehmen eine angemessene Rendite sichern.
Grundsätzlich ist diese Argumentation richtig täuscht aber über einen wichtigen Umstand hinweg: Wird in eine bestimmte Strecke wie es jetzt die LuFV vorsieht - nicht mehr investiert, nimmt die Zahl der Reisenden ab, und die Strecke wird irgendwann stilllegungsreif.
Das Eisenbahnbundesamt hat dann keine Wahl mehr und muss die Strecke stilllegen. Die Kriterien für den Investitionsstopp für bestimmte Strecken hat laut «FTD» Tiefensee von der Bahn selbst. Schon jetzt gibt es im Regionalverkehr viele so genannte Langsamfahrstrecken, die aufgrund mangelnder Investitionen ins Netz entstanden sind.
«Tiefensees Pläne sind für die Länder völlig indiskutabel», kritisiert Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU). Nach den Kriterien von Tiefensee müsste sein Land 53 Prozent aller Bahnhöfe schließen. Die Länderminister und Tiefensee diskutieren am Dienstag auf ihrer Konferenz in Merseburg über die Privatisierung.
Der Bürger hat bereits am vergangenen Wochenende einen kleinen Einblick in das Verhältnis von Tiefensee und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn bekommen: Seit an Seit am Sonntag trennte sie nur die ARD-Moderatorin Anne Will kämpfen sie für eine Teilprivatisierung der Deutschen Bahn in der von ihnen favorisierten Form.
Sie sieht vor, dass das Schienennetz formell im Eigentum des Bundes bleibt, aber von der Bahn bewirtschaftet und bilanziert werden darf. Eine große Mehrheit der befragten Verfassungsrechtler halten das dafür notwendige juristische Konstrukt für verfassungswidrig. Auch von den Bundesländern, der Monopolkommission und den Gewerkschaften kommt massive Kritik. (nz)

