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Lupe EADS-Topmanager unter Insider-Verdacht

Die Pariser Finanzaufsicht hat den Staatsanwälten Unterlagen überlassen, die offenbar Hinweise über verbotenen Insider-Handel bei EADS in großem Stil geben. Im Visier: über 20 Top-Manager, darunter der Deutsche Enders.

Der Verdacht auf massive Insiderdelikte an der Spitze des Airbus-Mutterkonzerns EADS erhärtet sich. Die französische Finanzaufsicht AMF habe der Pariser Staatsanwaltschaft Unterlagen zukommen lassen, in denen 21 Mitglieder des EADS- und Airbus-Managements beschuldigt werden, berichtete die Zeitung «Le Figaro». Ein Justizsprecher bestätigte, dass die AMF dem Ermittlungsrichter einen entsprechenden vorläufigen Bericht übergeben habe. In den kommenden Monaten könnten formelle Verfahren gegen die Verdächtigen eingeleitet werden, sagte er.

Dem Zeitungsbericht zufolge wird den Managern vorgeworfen, sie hätten zwischen November 2005 und März 2006 Aktien verkauft, bevor sie Produktionsschwierigkeiten bei Airbus bekannt gaben und damit einen Kurssturz auslösten. Die Öffentlichkeit wurde erst im Juni 2006 über die A380-Probleme informiert. Danach brach der Aktienkurs von EADS um 26 Prozent ein. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit vergangenem November gegen Unbekannt.

Zu den Beschuldigten gehören laut «Figaro» die damaligen EADS-Chefs Noel Forgeard und Thomas Enders, der heute Airbus leitet, sowie Manfred Bischoff von DaimlerChrysler und Arnaud Lagardère von der Lagardère-Gruppe. Nach Ansicht der Finanzbehörde waren sowohl die beiden Großaktionäre als auch der französische Staat eingeweiht gewesen.

Bereits im Juni 2005 sei der EADS-Verwaltungsrat über Probleme bei den Langstrecken- bzw. Großraum-Maschinen vom Typ A350 und A380 informiert gewesen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf die Ermittler. Finanzdirektor Hans Peter Ring habe damals betont, dass die erhöhten Kosten für Forschung und Entwicklung zu einem Kursverlust von vier bis fünf Euro pro Aktie führen könnten, wenn sie bekannt würden.

Im Dezember 2005 sei der französische Finanzminister Thierry Breton informiert worden, dass schlechte Zeiten bevorstünden und es für den französischen Staat (der 15 Prozent der Aktien hielt), angebracht sei, sich von einem Teil seiner Aktien zu trennen.

«Das Bewusstsein der bevorstehenden Verschlechterung des Ergebnisses war für die Manager und Aktionäre von Airbus und EADS der entscheidende Beweggrund für den Verkauf der Aktien», resümieren die Ermittler. EADS-Chef Louis Gallois verwies am Mittwoch darauf, dass es sich um einen vorläufigen Bericht handle, und lehnte jede Stellungnahme ab.

Erstmals im November 2005 nutzten dutzende Top-Manager ihre Aktienoptionen. Der damalige EADS-Chef Enders verkaufte 50.000 Aktien zum Kurs von 30,54 Euro mit einem Gewinn von 700.000 Euro. Die zweite Verkaufswelle kam im März 2006, nachdem auf einer weiteren Verwaltungsratssitzung abermals auf die Lieferverzögerungen hingewiesen wurde.

Der damalige EADS-Co-Chef neben Enders, Forgeard, erzielte mit seinen Kindern zusammen einen Erlös von 2,5 Millionen Euro. Auch DaimlerChrysler und Lagardère gaben im April 2006 bekannt, sich von je 7,5 Prozent ihrer Anteile zu trennen. Insgesamt sollen 1200 Eingeweihte zehn Millionen Aktien verkauft haben, bevor die Öffentlichkeit am 13. Juni 2006 über die Schwierigkeiten beim A380 und A350 erfuhr.

Für Airbus und EADS wäre die Bestätigung des Verdachts ein weiterer herber Rückschlag nach zwei von Krisen und Turbulenzen geprägten Jahren. Die AMF könnte unabhängig von der Justiz bis zu zwei Jahre Haft für die Manager fordern. (dpa/AP)