02.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Zwar hat Skype immer mehr Kunden, Umsatz macht der Internet-Telefondienst damit aber kaum. Das kostet den Mutterkonzern Ebay 1,4 Milliarden Dollar - und Firmen-Mitgründer Zennström seinen Manager-Job.
Die Übernahme des Internet-Telefoniedienstes Skype durch Ebay kostet den Mutterkonzern weitere 1,4 Milliarden Dollar. Diese Summe werde angesichts der schlechten Geschäftsentwicklung bei Skype in diesem Quartal auf das Tochterunternehmen abgeschrieben, teilte Ebay am Montagabend (Ortszeit) in San Jose im US-Bundesstaat Kalifornien mit. Zugleich wurde Niklas Zennström, Mitgründe von Skype, von seinen Aufgaben als Vorstandschef von Skype entbunden; er bleibt aber im Verwaltungsrat des Unternehmens.
Als Ebay Skype vor zwei Jahren für 2,6 Milliarden Dollar übernommen hatte, hatten Wall-Street-Analysten schon gewarnt: Der Preis sei zu hoch, das Geschäftsmodell werfe keine Umsätze ab, argumentierten sie. Dennoch zog Ebay-Chefin Meg Whitman den Kauf durch sie hatte erkannt, dass auch Ebay langsam, aber sicher an die Grenzen des eigenen Wachstums stößt und setzte daher auf neue Geschäftsfelder.
Beide hatten rechtBeide hatte recht: Ebay berichtete im abgelaufenen Quartal erstmals in der Firmengeschichte, dass weniger Artikel auf den Internetseiten des Konzerns zum Verkauf angeboten wurden. Dabei erwirtschaftete Skype einen Umsatz von 90 Millionen Dollar bei einem Konzernumsatz von insgesamt 1,83 Milliarden Dollar. Und das, obwohl Skype seit 2005 die Zahl der registrierten Nutzer von 75 auf 220 Millionen gesteigert hatte.
Skype und Ebay versuchen seit längerem, Umsätze durch neue Dienste zu erwirtschaften. Der Mutterkonzern kaufte dafür weitere Portale zu, etwa eine Seite für den Onlinekauf von Tickets oder für Preisvergleiche im Internet. Skype versuchte es mit bezahlten Diensten wie Conference-Calls also Geschäftsgesprächen mit mehreren Teilnehmern oder einen Dienst, der eine Internet-Telefonverbindung zwischen Käufer und Verkäufer auf Ebay herstellt.
Zennström fällt der Abschied nicht schwerDer erhoffte Erfolg blieb indes weitgehend aus. Und so fiel Mitgründer Zennström der Abschied von der Spitze seines Unternehmens offensichtlich auch nicht allzu schwer: Er habe immer gesagt, Skype irgendwann zu verlassen, meinte Zennström. Er sehe sich mehr in der Rolle des Unternehmers als in der eines Managers und werde sich künftig mehr seinem Video-Angebot Joost zuwenden, das er 2006 mit seinem Skype-Partner Janus Friis ins Leben gerufen hatte. Über die Plattform können Nutzer nach dem Peer-to-peer-Prinzip digital aufgezeichnete TV-Sendungen austauschen.
Bislang hatte sich die Konzernmutter bei dem Internet-Telefonierdienst nie eingemischt, wie Zennström stets betont hatte. Das wird nun anders: Bis ein neuer Vorstandschef gefunden ist, wird Ebay-Strategievorstand Michael van Swaaij die Tochter leiten. Der 41-jährige Mitgründer Zennström wird das Unternehmen als Aufsichtsrat überwachen.
«Schwierig, damit Geld zu machen»Dass das Geschäftsmodell von Internet-Telefonanbietern prekär ist, wird mit der Milliarden-Abschreibung durch Ebay immer deutlicher. Zuletzt hatte Skype Schlagzeilen gemacht, als der Dienst im August über zwei Tage nicht zu erreichen war was wohl vielen Nutzern klar gemacht hat, dass das Angebot höchstens eine Ergänzung zur herkömmlichen Telefonleitung sein kann.
Dass es «schwierig ist, damit Geld zu machen» räumt selbst Zennström ein. Er kennt wahrscheinlich die Entwicklung beim Konkurrenten Vonagen: Der ging vor nicht einmal eineinhalb Jahren an die Börse, die Aktien wurden auf 17 Dollar gehypt. Firmenchef Jeffrey Citron hatte getönt, eines Tages werde sein Unternehmen die alteingesessenen Telefongesellschaften weit hinter sich lassen. Inzwischen ist das Papier für weniger als einen Dollar zu haben. Kein Wunder: Für das zurückliegende Quartal steht erneut ein Verlust von 34 Millionen Dollar in den Büchern. (nz)