01. Okt 2007 16:28
Tausende Arbeitsplätze sehen Post-Konkurrenten wie Pin in Gefahr, wenn Lohn-Untergrenzen festgelegt werden. Das hindert die Tochter des Medienkonzerns Springer nicht an der Expansion im Briefgeschäft.
Entweder hofft der Brief-Zusteller Pin darauf, dass der Mindestlohn für die Branche doch noch irgendwie verhindert wird – oder die düsteren Prognosen von Konkurrenten der Deutschen Post über tausende bedrohte Arbeitsplätze sind reine Schwarzmalerei: Mit der Pin AG kündigte der größte Wettbewerber des Noch-Monopolisten Deutsche Post am Montag an, durch Zukauf zu wachsen. Das Unternehmen, mehrheitlich im Besitz des Medienkonzern Axel Springer, teilte mit, den baden-württembergischen Dienstleister Arriva übernommen zu haben. Allerdings müssten sich noch die Kartellbehörden mit dem Geschäft befassen.Damit setze Pin den Ausbau seines Zusteller-Netzes im Südwesten Deutschland fort, teilte das Unternehmen weiter mit. Die neu erworbene Gesellschaft Arriva allein erreiche bereits rund 40 Prozent der baden-württembergischen Haushalte, hieß es. Das Unternehmen war 2000 vom Badischen Verlag in Freiburg und vom Konstanzer Verlag des «Südkuriers» als Joint Venture gegründet worden. Arriva hat nach Angaben des neuen Eigners inzwischen mehr als 4000 Kunden für die Beförderung ihrer Post gewonnen, darunter Banken und Versicherungen, aber auch Industrie, Handel und Behörden.
Die Deutsche Post hat noch bis Jahresende das Monopol zur Beförderung so genannter Standardbriefe. Kaum anzunehmen ist, dass Konkurrenten des früheren Staatskonzerns nach der Liberalisierung in diesem Kerngeschäft angreifen werden – sie suchen vielmehr nach Firmenkunden, die haufenweise Briefpost oder Werbung verteilen lassen wollen.Erbitterter Streit besteht in der Branche über den möglichen Mindestlohn, den die Deutsche Post gemeinsam mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi quasi überfallartig durchdrücken wollte: Ein von der Post mit wenigen kleineren Konkurrenten gebildete Arbeitgeberverband hatte sich Verdi auf einen Tarifvertrag geeinigt, den Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz aufnehmen will. Dann würde die unterste vereinbarte Lohngruppe einen Mindestlohn darstellen, an den sich alle in der Branche halten müssten – auch wenn sie nicht dem Arbeitgeberverband angehören und daher an den Gesprächen nicht beteiligt waren. Verdi weigert sich zudem kategorisch, die Tarifvereinbarung neu zu verhandeln.