26.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
«Bis zum letzten Atemzug Unternehmer» - der 81-jährige Leo Kirch hat sich erneut an einem Medienunternehmen beteiligt. Und fast alles scheint wie vor der Pleite seines Konzerns.
Kurz vor seinem 81. Geburtstag meldet sich der gescheiterte Medienmogul Leo Kirch zurück. Lange hatte der Unternehmer von seinem Stadtbüro in der Kardinal-Faulhaber-Straße im Herzen von München aus im verborgenen gearbeitet. Am Mittwoch nun wagte sich Kirch mit dem Einstieg bei der Medienfirma EM.Sport Media AG aus der Deckung. «Leo war nie weg. Er ist bis zu seinem letzten Atemzug Unternehmer», sagt ein Vertrauter zu dem überraschenden Comeback.
In der Branche wurde schon seit langem gemunkelt, dass Kirch sich nicht mehr mit seinem juristischen Dauerfeldzug gegen die Deutsche Bank begnügen will, die er für den Zusammenbruch seines Medienimperiums verantwortlich macht. Nun also die offizielle Rückkehr in die deutsche Medienbranche. Den Streit mit der Deutschen Bank - in der mal die eine, mal die andere Seite Erfolge vor Gericht erzielt - will Kirch aber fortsetzen.
Der Schrecken der Deutschen BankDabei hat er nun auch seine Ressourcen weiter verstärkt: Im Zuge des Einstiegs bei EM.Sport fließen ihm mehr als 120 Millionen Euro zu. «Sehr zum Schrecken der Deutschen Bank ist die wirtschaftliche Potenz von Leo Kirch sehr hoch», heißt es in seinem Umfeld. Allerdings nagte der fränkische Winzersohn trotz seiner Milliardenpleite ohnehin nicht am Hungertuch. Kirch verfügt über Immobilienbesitz, auch unternehmerisch dürfte er im verborgenen aktiv geblieben sein.
Der Einstieg bei EM.Sport sieht nun nach einem typischen Kirch-Deal aus. Verdeckt hatte sich der Unternehmer gut 36 Prozent der Anteile an der Schweizer Highlight Communications gesichert. Die Beteiligung liegt bei einer Gesellschaft namens KF 15 GmbH Co. KG, deren Name nun auch an der Tür seines Stadtbüros steht. Gesellschafter sind seine Frau Ruth und sein engster Vertrauter Dieter Hahn.
Für Außenstehende undurchschaubarDie KF 15 tauscht nun die Highlight Communications gegen eine 11,5-Prozent-Beteiligung an EM.Sport und bekommt zusätzlich die satte Zuzahlung von gut 120 Millionen Euro. Solche verschachtelten Konstruktionen hatte Kirch schon immer bevorzugt. Sein Beteiligungsgeflecht - zu dem einst der Pay-TV-Sender Premiere, Deutschlands größter TV-Konzern ProSiebenSat1, seine berühmte Filmbibliothek und eine Beteiligung an der Formel 1 gehörten war lange Zeit für Außenstehende undurchschaubar.
In der Branche wird das Comeback Kirchs, der aus dem Nichts eines der weltweit größten Medien-Imperien aufgebaut hatte, mit gemischten Gefühlen gesehen. «Ich glaube nicht, dass Kirch noch einmal das ganz große Rad drehen wird», sagt der Manager eines großen Medienkonzerns. Die Zeiten hätten sich geändert. Mit dem Zwischenhandel von Sport- und Filmrechten lasse sich nicht mehr soviel Geld verdienen. Zudem glauben manche in der Branche, dass der Gesellschafter Kirch für EM.Sport bei weiteren Geschäften eher ein Hindernis sein könnte. Noch immer ist Kirch vielen in der Branche suspekt.
Klatten kein Strohmann?«Ich kann solche negative Reaktionen nicht ausschließen», sagte EM.Sport-Chef Werner Klatten. Er hat den Kontakt zu Leo Kirch nie abreißen lassen. Die beiden schätzen sich, auch, wenn im Umfeld betont wird, dass Klatten im Gegensatz zu vielen Spekulationen mit seinem Engagement bei der einstigen EM.TV nie ein Strohmann Kirchs gewesen sei. Klatten preist Kirch als visionären Unternehmer. «Er versteht etwas von dem, was wir tun.» EM.Sport wolle ein eigenständiges, mittelständisches Unternehmen bleiben. Da helfe ein langfristig engagierter Großaktionär.
Was Kirch nun mit seiner Beteiligung und dem erlösten Geld vorhat, ob er die Beteiligung an EM.Sport aufstockt oder mit seiner KF 15 gemeinsam mit EM.Sport für Sportrechte bieten könnte, bleibt im verborgenen. Der Medienmogul meidet traditionell die Öffentlichkeit. Daher wird er wohl auch bei seinem 81. Geburtstag am 21. Oktober wieder auf öffentliche Feiern verzichten. (dpa)