netzeitung.deMicrosoft kämpft im Verborgenen gegen Google

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Microsoft schickt im Kampf gegen Google eine PR-Firma vor. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Microsoft schickt im Kampf gegen Google eine PR-Firma vor.
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Microsoft sucht Unterstützung im Kampf gegen die Doubleclick-Übernahme durch Google. Die Kampagne hat allerdings den Ruch der unlauteren Beeinflussung.

In der Schlacht um die Vorherrschaft im hart umkämpften Internet-Werbemarkt kämpft der US-Konzern Microsoft gegen den Konkurrenten Google mit Methoden, die mehr als nur ein «G'schmäckle» haben: Wie das «Wall Street Journal» berichtete, beauftragte Microsoft eine PR-Firma damit, eine Website einzurichten, auf der Internet-Unternehmen eine Online-Petition für ein «transparentes und wettbewerblich ausgerichtetes Internet» unterzeichnen können.

Die PR-Firma Burson-Marsteller schrieb demnach Medien-Unternehmen und Internet-Firmen per E-Mail an, um sie auf die Gefahren der geplanten Übernahme des Online-Werbevermarktes Doubleclick durch Google hinzuweisen – der Suchmaschinenanbieter würde damit seine bereits starke Stellung bei Internet-Werbung deutlich ausbauen. Die Agentur habe dabei versucht, Internetfirmen zur Unterzeichnung der Online-Petition auf www.i-comp.org zu überreden – Burson habe neben der Internet-Adresse sogar Usernamen und Passwörter zur Verfügung gestellt, so das «WSJ».

Auftraggeber verheimlicht
Das Pikante dabei: Burson verriet in den E-Mails nicht, dass Microsoft als Auftraggeber hinter der Kampagne steckt. Der Softwarekonzern war nach früheren Presseberichten selbst auch an Doubleclick interessiert und galt sogar als möglicher Favorit, bis Google ins Rennen einstieg und mit einer Kaufsumme von 3,1 Milliarden Dollar die Konkurrenz – darunter dem Vernehmen nach auch AOL und Yahoo – ausstach.

So erhielt etwa in Großbritannien der Versicherer Esure Anfang September eine E-Mail von Burson. Darin wurde das Unternehmen um Unterstützung für eine Kampagne gebeten, mit der auf Wettbewerbsprobleme bei Internetsuche hingewiesen werden solle. Burson schrieb zwar, man vertrete eine «größere Industrie-Initiative», zitierte das «WSJ» aus dem Schreiben – die Beziehung zu Microsoft blieb indes unerwähnt.

Josh Gottheimer, ein Vize-Präsident von Burson, räumte in der Wirtschaftszeitung ein, dass seine Firma von Microsoft beauftragt wurde und mehr als 100 Firmen und Organisationen angeschrieben habe. Ein Microsoft-Sprecher bestätigte, dass Microsoft ein Burson-Kunde sei. Der Softwarekonzern sei ein «Gründungsmitglied» des Diskussionsforums auf i-comp.org.

Sorge um Wettbewerb «kein Geheimnis»
Den Ruch einer unlauteren Beeinflussung versuchte der Sprecher indes zu zerstreuen: Microsoft habe stets deutlich gemacht, dass man einen «Dialog» in der Industrie über Probleme im Online-Werbemarkt in Gang setzen wolle, sagte der Sprecher. «Es ist kein Geheimnis, dass Microsoft Bedenken über die Marktkonzentration hat, die sich aus der geplanten Google-Transaktion ergeben würde.»

Ein Google-Sprecher wollte die Kampagne nicht kommentieren. Er sagte lediglich, die Übernahme von Doubleclick sei «positiv für die User und Werbekunden» und fördere den Wettbewerb. Doubleclick bietet Software und Dienstleistungen für Online-Werbung und E-Mail-Marketing an. Die Übernahme soll zum Jahresende abgeschlossen werden.

Burson schrieb sogar die Wirtschaftszeitung selbst an, wie das Blatt weiter berichtete. Im Sommer habe das «WSJ» eine E-Mail von Burson erhalten. Darin wurde hingewiesen auf einen dubiosen Umgang von Google mit privaten Kundendaten. Wiederum ohne die Beziehung zu Microsoft offenzulegen, habe Burson in der Mail darauf hingewiesen, dass es eine sehr gute Dienstleistung für Konsumenten wäre, diesen Fragen mit «journalistischer Stärke» nachzugehen. Die Agentur habe sogar angeboten, Interviews mit Experten zu organisieren. (nz)