netzeitung.deHypothekenkrise schwappt nach England über

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Auch britische Unternehmen haben sich verspekuliert (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Auch britische Unternehmen haben sich verspekuliert
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Auch in Großbritannien hat die US-Immobilienkrise Unternehmen hart getroffen. Die britische Zentralbank musste einen Hypothekenfinanzierer vor der Pleite bewahren.

Die US-Hypothekenkrise sorgt an den weltweiten Finanzmärkten weiter für Wirbel. Die Turbulenzen haben mittlerweile auch Großbritannien erreicht, wo der fünfgrößte Hypothekenfinanzierer Northern Rock in Schieflage geraten ist und von der Bank of England (BoE) am Freitag finanziell gestützt werden musste. Der Kurs der Aktie brach an der Londoner Börse um rund ein Fünftel ein. Deutsche Finanzwerte gerieten ebenfalls unter Abgabedruck und zogen den Dax ins Minus.

Der deutsche Börsenleitindex fiel am Freitag um 0,5 Prozent auf 7498 Punkte und damit wieder unter die 7500er Marke. «Das nährt Spekulationen, dass die Krise am US-Immobilienmarkt nun auch Blasen an den europäischen Märkten zum Platzen bringen könnte», sagte ein Händler. Alle Dax-Finanzwerte büßten zum Wochenschluss ein: Commerzbank verloren 4,1 Prozent, Deutsche Postbank und Hypo Real Estate jeweils 1,9 Prozent, Deutsche Bank 1,3, Allianz 0,7 Prozent und Münchener Rück 0,6 Prozent.

Das Minus bei Northern Rock fiel mit etwa 25 Prozent deutlicher aus. Das Unternehmen hatte eine Gewinnwarnung ausgesprochen und mitgeteilt, wenn die Störung am Kreditmarkt wie erwartet bis zum Jahresende anhalte, werde sich das auf das Wachstum des Geschäfts und damit auch auf den Gewinn negativ auswirken. So dürfte der Vorsteuergewinn mit 500 Millionen bis 540 Millionen Britischen Pfund (730 Millionen bis 790 Millionen Euro) deutlich unter dem des Vorjahres von 588 Millionen Britischen Pfund bleiben.

Die Bank of England griff daraufhin ein und stellt dem Hypothekenfinanzierer mit Sitz in Newcastle upon Tyne sogenannte Liquiditätslinien zur Finanzierung seines Geschäfts bereit, nachdem der Konzern seine Refinanzierung am Markt nicht mehr zu auskömmlichen Konditionen sicher stellen kann. Beide Seiten und das britische Schatzamt bestätigten am Freitag eine entsprechende Vereinbarung. Gegen angemessene Sicherheit und Zinsaufschlag dürfe die Bank of England der Bank Liquiditätshilfen geben, heißt es darin.

Erstes prominentes Opfer der US-Immobilienkrise war die größte US-Hypothekenbank Countrywide. Das kalifornische Unternehmen gab mittlerweile bekannt, mit bis zu 12 000 Mitarbeitern nahezu ein Fünftel seiner Belegschaft zu entlassen. Innerhalb rund eines Monats musste man zudem zwei Kreditlinien von insgesamt 23,5 Milliarden Dollar (fast 17 Milliarden Euro) in Anspruch nehmen, um liquide zu bleiben und eine Insolvenz zu verhindern. Analysten zufolge ist Northern Rock nun ein Übernahmeziel.

In Deutschland gerieten die IKB und die Sachsen LB aufgrund der Verwicklung von Zweckgesellschaften in die US-Krise in finanzielle Schwierigkeiten. Der gesamte Bankensektor beziehungsweise die Sparkassen griffen jeweils mit Milliarden-Euro-Hilfen unter die Arme. Die Sachsen LB wurde zudem an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verkauft.

Marktteilnehmer blicken bereits mit Spannung auf die kommende Woche. Dann legen eine ganze Reihe von US-Investmentbanken die Zahlen für das abgelaufene Quartal vor. Händlern zufolge, könnten aus diesen Zahlen weitere Rückschlüsse über die Ausmaße der Krise gezogen werden. (ddp)