Jurk attackiert Ex-Vorstand der SachsenLB
Noch am 16. Juli sei eingeschätzt worden, dass aus dem US-Immobilienmarkt keine Probleme zu befürchten seien. Er selbst sei von Finanzminister Horst Metz (CDU) am vergangenen Donnerstag gegen 17 Uhr über die Notlage informiert worden, sagte Jurk.
SachsenLB-Chef Herbert Süß gibt den Vorstandsvorsitz bei der in schwere Turbulenzen geratenen Landesbank zum 15. September auf. Sein Nachfolger wird der Chef der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, Joachim Hoof, wie die SachsenLB am Donnerstag mitteilte. Außerdem habe die Anteilseignerversammlung der Bank die beiden Vorstandsmitglieder Yvette Bellavite-Hövermann und Werner Eckert mit sofortiger Wirkung abberufen.
In einer Pressemitteilung erklärte die Bank, Vorstandschef Süß werde sein Amt auf eigenen Wunsch an Hoof übergeben. «Diese Maßnahme dient insbesondere der Wahrung der Interessen des Freistaates Sachsen und der sächsischen Kommunen», hieß es. Der 49-jährige Hoof werde die Aufgabe bis zum Abschluss der Bewertung wahrnehmen und sein Amt als Vorstandschef der Ostsächsischen Sparkasse Dresden bis dahin ruhen lassen. Wolf-Dieter Ihle, der bisher bei der Landesbank Baden-Württemberg tätig war, wurde als Verantwortlicher für das Kapitalmarktgeschäft in den Vorstand bestellt.
Vergangenen Sonntag hatte die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die schwer angeschlagene SachsenLB quasi in letzter Minute vor dem Aus gerettet. Die LBBW übernahm die Leipziger Bank und zahlte als Sofortmaßnahme 250 Millionen Euro an das Institut. Die Sparkassen-Finanzgruppe hatte bereits Mitte August die SachsenLB mit einer Kreditlinie über mehr als 17 Milliarden Euro aus einer schweren Liquiditätskrise befreien müssen, da eine Tochter durch das Geschäft mit Hypothekenanleihen von der Krise auf dem US-Immobilienmarkt erfasst worden war.
Das Finanzministerium wies unterdessen Berichte zurück, wonach Ressortchef Metz und der Vorstand der Landesbank den Verwaltungsratsmitgliedern absichtlich brisante Informationen etwa über ein Gutachten der Finanzaufsicht Bafin über die Geschäfte der Dubliner Banken-Tochter vorenthalten haben sollen. Das entspreche nicht der Wahrheit. Der Verwaltungsrat sei zudem auch regelmäßig über die Abstellung von Mängeln informiert worden, die in dem Bafin-Gutachten aufgelistet waren. Darin war den Geschäften der von der irischen Tochter gemanagte Fonds Ormond Quay unter anderem mangelnde Transparenz bescheinigt worden.
Nolle hatte zuvor erklärt: «Wenn diese Berichte zutreffen, dann wird Herr Metz noch ganz andere Probleme bekommen.» Dann werde wohl die Staatsanwaltschaft von Amts wegen gegen den Minister ermitteln müssen. Die Staatsanwaltschaft Leipzig prüft derzeit, ob sie wegen der Vorgänge bei der SachsenLB tätig werden muss. (AP)

