21.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
So genannte Ego-Shooter sind vor allem bei Jugendlichen beliebt.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Innenminister der Länder sind für ein Herstellungsverbot brutaler Videospiele. Der größte deutsche Entwickler droht mit Wegzug ins Ausland - und wüsste schon, wohin.
Der größte deutsche Videospiele-Entwickler Crytek droht mit dem Weggang ins Ausland, sollte es zu einem Herstellungsverbot von so genannten Killerspielen kommen. «Wir würden Deutschland verlassen», sagte Firmenmitgründer Avni Yerli der «Welt» vor Beginn der Leipziger Branchenmesse «Games Convention», die am Donnerstag beginnt. Die Innenministerkonferenz (IMK) der Länder hatte sich Ende Mai erstmals einstimmig für ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot gewalttätiger Computerspiele ausgesprochen.
Das federführende Bundesfamilienministerium arbeitet derzeit allerdings an einem weniger drastischen Jugendschutz-Gesetzentwurf. Statt wie bislang «gewaltverherrlichende» Spiele sollen künftig auch «gewaltbeherrschte» Spiele durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert werden. Diese dürften dann nicht mehr beworben und an Jugendliche verkauft werden.
«Budapest ist eine schöne Stadt»Crytek hat bereits konkrete Ausweichpläne. «Budapest ist eine schöne Stadt. Dort haben wir schon eine Niederlassung», so Yerli. Zudem würden regelmäßig Wirtschaftsministerien aus anderen Ländern anklopfen. «Vor allem England, Schottland, Österreich und Singapur sind sehr aktiv».
Videospiele gelten als wichtige Zukunftsbranche. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PWC wird der Markt von 31,6 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf 48,9 Milliarden Dollar bis 2011 wachsen. Vor allem England und Frankreich hatten einheimische Unternehmen deswegen zuletzt stark gefördert. Durch einen Wegzug von Crytek würde Deutschland den Anschluss an die Weltspitze verlieren, da es derzeit kein weiteres, international wettbewerbsfähiges Spielestudio gibt.
130 MitarbeiterBekannt geworden war Crytek durch den so genannten Ego-Shooter «Far Cry», in dem feindliche Söldner getötet werden müssen. Davon verkaufte das Unternehmen 2,5 Millionen Exemplare zu je rund 45 Euro. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hatte die erste Version von «Far Cry» auf ihre Schwarze Liste gesetzt. Crytek entschärfte das Spiel daraufhin.
Auf der «Games Convention» wird Crytek diese Woche seinen neuen Ego-Shooter «Crysis» vorstellen. Das Entwicklungsbudget wird mit mehr als 16 Millionen Euro angegeben. Das Frankfurter Unternehmen beschäftigt rund 130 Mitarbeiter aus 27 Ländern. (dpa)