Deutsche Bank wegen Fehlberatung unter Druck
20. Aug 2007 17:13
 |  Der Deutschen Bank drohen Kundenklagen wegen angeblich fehlerhafter Beratung. | Foto: dpa |
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Kommunen und Mittelständler fühlen sich von der Deutschen Bank fehlberaten: Angeblich wurden riskante Finanzprodukte als Zinsanlage empfohlen. Die Bank meint, umfassend aufgeklärt zu haben.
Wegen der Vermittlung riskanter Zinsgeschäft droht der Deutschen Bank neues Ungemach: Weil Kunden bei so genannten Swaps Millionen verloren, fordern nach mehreren Kommunen nun auch etliche Mittelständler Schadenersatz von der größten deutschen Bank und anderen Instituten.Die Münchner Kanzlei Rössner geht davon aus, dass es etwa 700 Betroffene gibt, wie Anwalt Julian Roberts am Montag sagte. Der Frankfurter Anwalt Klaus Nieding sprach von «fehlerhafter Beratung über die Risiken dieser Geschäfte» und betonte: «Die Klagen sind vorbereitet.» Die Deutsche Bank beteuerte erneut, sie habe umfassend beraten und über Risiken aufgeklärt.
Spekulationsprodukt als Zinsanlage empfohlen?
Bei so genannten Swaps (englisch: «tauschen») werden feste Zinssätze für Kredite gegen variable getauscht oder langfristige gegen kurzfristige. So können Investoren Geld gewinnen oder verlieren, je nachdem wie sich das Verhältnis der Zinshöhe bei kurzfristigen und langfristigen Anleihen entwickelt. Die Anwälte werfen den Banken vor, diese Geschäfte als Zinsanlage empfohlen zu haben, obwohl es rein spekulative Produkte seien.Die Deutsche Bank wies den Vorwurf der Fehlberatung erneut zurück. Die Kunden seien stets umfassend beraten und über mögliche Risiken und Chancen aufgeklärt worden, betonte ein Sprecher. Branchenkenner schätzen, dass eine zweistellige Zahl von Kommunen bei der Deutschen Bank ein solches Zinsswapprodukt eingekauft haben.
Klage aus Würzburg bereits anhängig
Die Münchner Kanzlei vertritt laut Roberts derzeit vier Kommunen und zwölf Unternehmen, die verschiedenen Großbanken falsche Beratung vorwerfen. Mit gut 20 weiteren Betroffenen gebe es Gespräche. Die Schäden bei den Mandanten lägen zwischen einer und bis zu sechs Millionen Euro. Der Frankfurter Anwalt Nieding vertritt mit seinem Partner Andreas Tilp ein weiteres Dutzend Geschädigte. Die Verluste pro Mandant schätzt Nieding auf 700.000 Euro.Wie die «Wirtschaftswoche» berichtet, muss sich die Deutsche Bank auf eine Vielzahl von Klagen einstellen. Bereits anhängig ist die Forderung der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) nach 2,6 Millionen Euro Schadenersatz von der Deutschen Bank. Anfang Juli war der Versuch gescheitert, in diesem Fall ein langwieriges Gerichtsverfahren durch einen Vergleich abzuwenden. Voraussichtlich Ende dieses Jahres werden sich die Parteien wieder vor Gericht treffen.
Manche Kommunen scheuten sich, eine Klage einzureichen, sagte Anwalt Roberts: Die Verantwortlichen hätten Angst, dass dies in den Stadtparlamenten vom jeweiligen politischen Gegner ausgenutzt werden könnte.
Im Eigenhandel verspekuliert
Zudem soll die Deutsche Bank im vergangenen Monat rund 100 Millionen Euro im Eigenhandel verloren haben. Das «Wall Street Journal» berichtete unter Berufung auf eine mit der Situation vertraute Person, es gehe dabei um Verluste beim Handel mit Anleihen im europäischen Kreditmarkt. Aufgrund dessen seien einige Handelsaktivitäten ausgesetzt worden und Mitarbeiter hätten innerhalb des Teams ihre Position wechseln müssen.Die Deutsche Bank wollte die Darstellung nicht kommentieren. Der Betrag wäre für die Deutsche Bank allerdings nicht besonders schwerwiegend: Das Institut verdiente im zweiten Quartal unter dem Strich knapp 1,8 Milliarden Euro. (nz/dpa-AFX)