netzeitung.deMehr Schwarzgeld in Siemens-Kassen vermutet

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Lupe Mehr Schwarzgeld in Siemens-Kassen vermutet

Schmiergeldzahlungen scheinen bei Siemens seit langem üblich, glaubt man einem Pressebericht. Demzufolge wurde mehr als eine Milliarde Euro für illegale Zahlungen zurückgelegt. Thema: Schwarze Kassen bei Siemens Neue Durchsuchungen bei Siemens ...

Im Skandal um Schwarze Kassen und Korruption beim Siemens-Konzern scheinen größere Summen für Korruption beiseite geschafft worden zu sein als bislang bekannt. Die vom Unternehmen mit internen Ermittlungen beauftragte Anwaltskanzlei habe inzwischen dubiose Zahlungen von weit mehr als einer Milliarde Euro ausgemacht, berichtete die «Süddeutsche Zeitung» unter Berufung auf Quellen aus dem Konzern. Neben der Telekommunikations- sei die Kraftwerkssparte offenbar ein Zentrum der Korruption gewesen.

Das wäre kaum überraschend – waren doch erst jüngst zwei frühere Leitende Angestellte der in Erlangen ansässigen Kraftwerkssparte wegen Schmiergeldzahlungen an einen Kunden, den italienischen Energieversorger Enel, verurteilt worden. Nun hätten Experten der Kanzlei Debevoise & Plimpton mutmaßliche Schwarze Kassen im Volumen von 250 bis 300 Millionen Euro ausgemacht, berichtete das Blatt. Die Transfers sollen bis in die 90er Jahre zurückreichen. Viele davon seien daher wohl verjährt.

Seit den 90er Jahren geschmiert?
Ein Unternehmenssprecher wollte der «Süddeutschen» keinen Kommentar geben. Er verwies auf die Berichte des Konzerns zu den eigenen Korruptionsermittlungen, die mit den Quartalsberichten veröffentlicht würden; darüber hinaus äußere sich Siemens nicht. Ein Sprecher ließ demnach auch offen, ob und wer aus dem Vorstand bereits in den 90er Jahren über die inzwischen wahrscheinlich verjährten Vorgänge informiert gewesen war.

Das Unternehmen sprach bislang von ungeklärten Mitteln im Volumen von 420 Millionen Euro. Siemens wies aber stets darauf hin, dass weitere Summen auftauchen könnten. Nun geht es offenbar um «riesige Summen», wie sie «Süddeutsche» eine nicht näher genannte Quelle aus der Konzernspitze wiedergibt. Die jüngsten Erkenntnisse seien «schockierend».

Über Liechtenstein und Abu Dhabi
Die Affäre um Schwarze Kassen hatte bereits den früheren Konzernchef Heinrich von Pierer, der zuletzt dem Aufsichtsrat vorsaß, das Amt gekostet. Auch sein Nachfolger, Klaus Kleinfeld, musste gehen und wurde durch den Österreicher Peter Löscher ersetzt. An die Spitze des Aufsichtsrats wurde der als Experte für Gute Unternehmensführung bekannte Gerhard Cromme gewählt.

Die illegal gesammelten Mittel seien über Konten und Scheingesellschaften im Ausland mehrfach transferiert worden, hieß es weiter. Sie seien sowohl über Liechtenstein als auch über arabische Staaten wie Abu Dhabi gelaufen. Auf diese Art verschleiert, nutzten Siemens-Manager sie, um Kunden zu bestechen und so Aufträge aus dem Ausland an Land zu ziehen. (nz)