18. Jul 2007 14:16
Zügig will die AOK weitere Rabattverträge mit Herstellern von Arzneimitteln abschließen. Im Gegensatz zum ersten AOK-Vertrag hofft die Kasse, nun auch große Hersteller zu gewinnen.
Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) wollen durch weitere Rabattverträge mit Pharmaunternehmen in den kommenden zwei Jahren bis zu einer Milliarde Euro einsparen. Die neue Ausschreibung an die Industrie werde noch in diesem Monat veröffentlicht, kündigte AOK-Chefunterhändler Christopher Hermann am Mittwoch in Berlin an. Bis Mitte September sollten die Verträge abgeschlossen werden.Die neuen Vereinbarungen sollten zwei Jahre laufen und 82 Wirkstoffe mit einem Umsatzvolumen von 2,7 Milliarden Euro im Jahr 2006 umfassen. Die Versicherten sollten im Gegenzug im Umfang von mehr als 100 Millionen Euro von Zuzahlungen befreit werden. Der Vizechef der AOK Baden-Württemberg rechnet nach eigenen Worten damit, dass sich an der zweiten Rabattrunde auch die großen Generikahersteller beteiligen werden.
Rabattverträge zwischen Kassen und Arzneiherstellern sind seit 2003 möglich. Mit der zum 1. April in Kraft getretenen Gesundheitsreform müssen Apotheken für die in den Verträgen verabredeten Wirkstoffe das Medikament abgeben, über das die jeweilige Kasse des Patienten eine Rabattregelung getroffen hat. Die AOK hatte zunächst einen Rabattvertrag vor allem mit kleinen, bislang im Markt unbedeuteten Herstellern geschlossen, die nach Darstellung der Apothekerverbände schon kurz nach Start der Verträge Lieferschwierigkeiten hatten.Hermann wies allerdings Berichte über Lieferengpässe in großem Umfang und Nachteilen für die Versicherten zurück. Bereits im April hätten 70 Prozent der Patienten ihre Rabatt-Arznei sofort in der Apotheke erhalten, 20 Prozent nach einer kurzen Wartezeit, sagte der AOK-Manager.
Bereits kurz nach dem Start der Gesundheitsreform im April seien von den Apotheken zu mehr als 80 Prozent Rabattprodukte an AOK-Versicherte abgegeben worden. Dies habe zu großen Marktverschiebungen geführt. So hätten die Rabattpartner ihren Marktanteil von Januar bis Juni von 2,9 Prozent auf 12,6 Prozent gesteigert. Voraussetzung auch für die neuen Verträge werde neben dem Preis die Lieferfähigkeit des Unternehmens sein, sagte Hermann.
Schon Anfang Mai hatte Hermann in einem Gespräch mit Netzeitung.de angekündigt, zügig die Ausschreibung für den Folgevertrag zu beginnen. Dabei werde auch über Konventionalstrafen nachgedacht für den Fall von Lieferausfällen. Der Hessische Apothekerverband forderte die AOK dazu auf, «Rabattverträge mit leistungsfähigeren Herstellern» abzuschließen. Dabei wurde auf die Techniker Krankenkasse verwiesen, die für ihren Rabattvertrag auch den großen deutschen Generikahersteller Ratiopharm gewann. (nz/Reuters)