10.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Kraftwerk Krümmel von Pannenserie betroffen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Pannenserie im Atomkraftwerk Krümmel erregt die Bundesregierung: Kanzlerin Merkel verlangte rasche Aufklärung. Jüngstes Ärgernis: Dübel in einem Gebäude mit Notstromaggregaten.
Am Dienstag meldete der Stromkonzern Vattenfall der Aufsichtsbehörde in Kiel neue Probleme. Er hatte im Pannen-Atomkraftwerk Krümmel fehlerhafte Dübel entdeckt. Der Meiler, der seit einem Trafo-Brand am 28. Juni still steht, werde «bis zur Klärung aller offenen Fragen und Maßnahmen» nicht wieder ans Netz gehen, sagte der Vorstandschef von Vattenfall Europe, Klaus Rauscher.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verlangte im Fernsehsender RTL: «Das muss aufgeklärt werden. Und zwar striktissimi, sonst können wir im Alltag die Sicherheit, auch als Überwachungs-, Bewachungs- und Kontrollbehörden, nicht sicherstellen.» In der Energiewirtschaft und gerade auch bei den Kernkraftwerken gebe es sehr anspruchsvolle Vorschriften. «Mit Recht. Und mich ärgert es schon, das habe ich auch als Umweltministerin erfahren müssen, wenn solche Vorschriften im Alltag dann doch nicht so eingehalten werden.»
Nach Angaben von Vattenfall wurden in Krümmel in einem Gebäude mit zwei Notstrom-Dieselgeneratoren zwei Dübel gefunden, die nicht den Anforderungen entsprechen. Von 630 verbauten Dübeln, an denen Wartungs- und Montagebühnen befestigt sind, seien 14 auffällig. Für die Stabilität der Bühnen gelten besondere Anforderungen. Sie müssen etwa erdbebensicher sein, weil die Kühler für den Betrieb der Diesel notwendig sind und diese für einen Notfall in der Stromversorgung des Kraftwerks zur Verfügung stehen müssen, erläutert das Unternehmen.
Pannen und UngereimtheitenVattenfall will nun eine für den 5. August geplante Überprüfung der Anlage vorziehen. Zunächst hatte der Konzern erwogen, Krümmel so rasch wie möglich mit halber Leistung wieder hochzufahren. In Brunsbüttel sei kein Problem bei den 25 bis 30 Zentimeter langen Dübeln aufgefallen.
Vattenfall gibt den Verlust durch den Stillstand von Krümmel mit täglich 500.000 Euro an. Am Tag des Transformator-Brandes fiel auch das Vattenfall-AKW Brunsbüttel nach einem Kurzschluss aus. Anschließend wurden in beiden Fällen nach und nach mehrere Pannen und Ungereimtheiten bekannt.
Vattenfall-Vorstand Rauscher räumte Informationspannen ein. Dies rechtfertige aber nicht eine «Kampagne» von Atomkraftgegnern und «politische Angriffe», um die Zuverlässigkeit und Sachkunde von Vattenfall in Frage zu stellen. Vattenfall wolle künftig die Öffentlichkeit schneller informieren und für mehr Transparenz sorgen.
Nicht akzeptabelUmweltminister Sigmar Gabriel Vattenfall rügte wegen mangelnder Mithilfe bei der Aufklärung. Der SPD-Politiker forderte zugleich im «Tagesspiegel» alle Energiekonzerne auf, die Lehren aus den Zwischenfällen in Krümmel und Brunsbüttel zu ziehen und ältere Kernkraftwerke schnell vom Netz zu nehmen. Ihre Laufzeiten sollten auf jüngere Kraftwerke übertragen werden. Die Betreiber täten dies nur nicht, weil sie mit den alten Meilern täglich eine Million Euro Gewinn machten, kritisierte Gabriel. Er forderte die Kraftwerksbetreiber auf, die ihnen aus dem vereinbarten Atomkonsens zustehenden Restlaufzeiten älterer Meiler endlich auf modernere Kraftwerke zu übertragen.
«Wenn Vattenfall eine direkte Befragung von Mitarbeitern durch die Atomaufsicht verhindern will, dann behindert das Unternehmen eine lückenlose Aufklärung. Das wäre nicht akzeptabel», sagte Gabriel. In Krümmel sei es in der Dienst habenden Schicht «offenbar zu massiven Kommunikationsproblemen gekommen, die es in einem solchen Fall nicht geben darf». Vattenfall verwies auf einen geplanten Endbericht. Eine Befragung einzelner Mitarbeiter durch die Behörden mache keinen Sinn.
Keine GefahrGrünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte den Lizenzentzug für Vattenfall. Auch SPD-Energieexperte Hermann Scheer hält dies für denkbar und verlangte zudem ein Eingreifen der Staatsanwaltschaft.
Vattenfall-Chef Rauscher sagte, fest stehe, dass man die Atomaufsicht in Kiel umfassend und schnell über die Zwischenfälle in Krümmel und Brunsbüttel informiert und dass zu keiner Zeit Gefahr für Menschen bestanden habe. Geschäftsführer Bruno Thomauske sagte, am 5. August hätte ohnehin die dreieinhalbwöchige Revision des Reaktors angestanden. Vorher werde er nicht mehr angefahren. (nz/dpa/AP)