09. Jul 2007 10:15
Weil die Bancrofts Druck machen, spricht das Dow-Jones-Management nun doch noch mit weiteren Interessenten. Die Kaufverhandlungen mit Rupert Murdoch sind kompliziert – doch der Preis soll bald feststehen.
Möglicherweise findet das Management des US-Verlags Dow Jones doch noch einen anderen Kaufinteressenten als Rupert Murdoch: Wie das «Wall Street Journal» berichtete, werden sich am Dienstag Vertreter der Verlagsleitung mit dem Supermarkteigner Ron Burkle treffen, um über eine mögliche Übernahme zu sprechen. Das Treffen sei auf Druck der Bancroft-Familie zustande gekommen, hieß es unter Berufung auf Kreise. Die Familie, deren Mitglieder gut zwei Drittel der Stimmrechte am «WSJ»-Verlag halten, seien enttäuscht, dass sich das Management nicht intensiver um weitere Interessenten bemüht habe.Murdochs Medienkonzern News Corp. würde 60 Dollar je Aktie oder etwa fünf Milliarden Dollar für den Traditionsverlag zahlen. Angesichts des erheblichen Aufschlags auf die Aktie ist bislang kein weiterer Bieter in den Ring getreten. Murdoch macht deshalb auch keine Anstalten, den Widerstand gegen die Übernahme mit einem höheren Gebot zu minimieren – geht es dabei doch auch weniger um die finanzielle Seite als vielmehr um die redaktionelle Unabhängigkeit des renommierten «WSJ» sowie weiterer Publikationen.
Laut «Journal» – das im Zentrum der Übernahmestreitigkeiten steht und seit Wochen intensiv in eigener Sache berichtet – prüfen die möglichen Geschäftspartner bereits seit Tagen die Bücher und Geschäftspläne von Dow Jones im Rahmen einer so genannten Due Dilligence. Preislich seien die Vorstellungen nicht weit auseinander – «rasch» könne es bei diesem Thema zu einer Einigung kommen, berichtete das Wirtschaftsblatt.Dagegen tauchten bei der Prüfung bestehender Verträge offenbar unerwartete Probleme auf: So habe Dow Jones vertraglich mit dem zum Mischkonzern General Electric gehörenden Wirtschaftssender CNBC Verträge für die Lieferung von Inhalten, die bis 2012 reichten. Damit würden Murdochs Pläne durchkreuzt, beim Aufbau seines eigenen Wirtschafts-TV-Senders für die USA auf Namen und Renommée von Dow Jones oder «WSJ» zu setzen. Allerdings sei die Interpretation der Verträge schwierig, hieß es weiter.
Beim Treffen mit dem Supermarkt-Investor Burkle werde das Verlagsmanagement «jeden Stein umdrehen», um eine Alternative zum Murdoch-Angebot zu finden, berichtete das «WSJ» weiter. Einen offiziellen Kommentar der Beteiligten erhielt das Blatt indes nicht. Bislang habe der Milliardär Burkle kein Angebot auf den Tisch gelegt. Er habe vielmehr ein Treffen mit einem spontan gebildeten Ausschuss von Mitgliedern des Verwaltungsrats gefordert, um das Thema zu erörtern.Zu dem Treffen erscheinen demnach nicht nur Dow-Jones-Vorstandschef Richard Zannino sowie drei unabhängige Direktoren – vergleichbar den deutschen Aufsichtsräten -, sondern auch ein Mitglied der Bancroft-Familie als Vertreter der Stimmrechtsmehrheit. Es sei die letzte Chance, einen weiteren Interessenten aufzutun, hieß es weiter. (nz)