Vattenfall gerät wegen Krümmel unter Druck
04.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Am Dienstag hatte die Kieler Reaktorsicherheitsbehörde mitgeteilt, dass der Störfall vom vergangenen Donnerstag weitaus schwerwiegender war als bisher bekannt. Vattenfall selbst hatte die Bürger nicht über eine Kette zusätzlicher Probleme aufgeklärt. Demnach kam es nach dem Brand eines Transformators zum unplanmäßigen «Öffnen von zwei Sicherheits- und Entlastungsventilen» und zum «unplanmäßigen Ausfall einer von mehreren Reaktorspeisewasserpumpen».
Vattenfall räumte am Mittwoch ein, dass die Firma nur die Behörde, aber nicht die Bürger über diese zusätzlichen Probleme informiert hatte. «Das waren Randerscheinungen, die keine sicherheitstechnischen Auswirkungen hatten», sagte Sprecher Ivo Banek zur Begründung. Die Aufsichtsbehörde sei jedoch informiert worden. BUND-Energieexperte Thorben Becker erklärte jetzt: «Vattenfall ist unglaubwürdig geworden.»
Das Öl sei erforderlich, um die Hauptkühlmittelpumpen zu schmieren, die den Primärkreislauf der Atomkraftwerke umwälzen. Die Anordnung dieser Ölinventare innerhalb des Containments ist nach Auffassung der Gesellschaft für Reaktorsicherheit aus brandschutztechnischer Sicht nachteilig. «Es handelt sich hierbei um eine gefährliche konzeptionelle Fehlkonstruktion dieser von Siemens errichteten Anlagen, weil es aufgrund der großen Ölinventare zu gefährlichen Bränden und letztlich zum Super-GAU kommen kann», sagte Henrik Paulitz, Atomexperte der IPPNW am Mittwoch.
«Auch der Umstand, dass jetzt im Atomkraftwerk Krümmel ein Transformator tagelang brannte, zeigt, dass diese Technik nicht beherrschbar ist», sagte Paulitz. «Wir müssen zügig die Atomkraftwerke abschalten und aus diesem gefährlichen Abenteuer endlich aussteigen. Schon morgen kann es in Europa zu einem zweiten Tschernobyl kommen.» (nz/AP/dpa)

