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Vattenfall gerät wegen Krümmel unter Druck

04. Jul 2007 16:27
Feuerwehreinsatz beim Brand im AKW Krümmel
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Der BUND wirft Vattenfall wegen der Informationspolitik zum Störfall Krümmel Unglaubwürdigkeit vor. Auch vor gravierenden Konstruktionsmängeln in deutschen AKWs wird gewarnt.

Der Betreiber des Atomkraftwerks Krümmel in Geesthacht bei Hamburg ist wegen seiner zögerlichen Informationspolitik unter Druck geraten. Vattenfall Europe wirke unglaubwürdig, wenn erst jetzt zugegeben werde, dass der Zwischenfall schwerer gewesen sei als angenommen, erklärte die Umweltschutzorganisation BUND am Mittwoch. Der BUND forderte von Vattenfall volle Transparenz bei der Aufklärung der Brandursachen und möglicher Gefahren.

Am Dienstag hatte die Kieler Reaktorsicherheitsbehörde mitgeteilt, dass der Störfall vom vergangenen Donnerstag weitaus schwerwiegender war als bisher bekannt. Vattenfall selbst hatte die Bürger nicht über eine Kette zusätzlicher Probleme aufgeklärt. Demnach kam es nach dem Brand eines Transformators zum unplanmäßigen «Öffnen von zwei Sicherheits- und Entlastungsventilen» und zum «unplanmäßigen Ausfall einer von mehreren Reaktorspeisewasserpumpen».

«Keine sicherheitstechnische Auswirkung»

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Die Folge war ein schneller Druck- und Füllstandsabfall im Druckbehälter, wie ein Sprecher des für Reaktorsicherheit zuständige Sozialministeriums mitteilte. Es habe aber keine Gefahr bestanden.

Vattenfall räumte am Mittwoch ein, dass die Firma nur die Behörde, aber nicht die Bürger über diese zusätzlichen Probleme informiert hatte. «Das waren Randerscheinungen, die keine sicherheitstechnischen Auswirkungen hatten», sagte Sprecher Ivo Banek zur Begründung. Die Aufsichtsbehörde sei jedoch informiert worden. BUND-Energieexperte Thorben Becker erklärte jetzt: «Vattenfall ist unglaubwürdig geworden.»

Erhöhtes Brandrisiko

Am Donnerstag hatte ein Transformator in Krümmel nach einem Kurzschluss Feuer gefangen. Daraufhin wurde eine Schnellabschaltung ausgelöst. Vattenfall geht weiter davon aus, dass sich Öl als Kühlflüssigkeit entzündet hat. In diesem Zusammenhang hat die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW erneut darauf hingewiesen, dass in allen zwölf deutschen Atomkraftwerken ein erhöhtes Brandrisiko besteht, weil sich innerhalb der Sicherheitsbehälter große Ölmengen befinden.

Das Öl sei erforderlich, um die Hauptkühlmittelpumpen zu schmieren, die den Primärkreislauf der Atomkraftwerke umwälzen. Die Anordnung dieser Ölinventare innerhalb des Containments ist nach Auffassung der Gesellschaft für Reaktorsicherheit aus brandschutztechnischer Sicht nachteilig. «Es handelt sich hierbei um eine gefährliche konzeptionelle Fehlkonstruktion dieser von Siemens errichteten Anlagen, weil es aufgrund der großen Ölinventare zu gefährlichen Bränden und letztlich zum Super-GAU kommen kann», sagte Henrik Paulitz, Atomexperte der IPPNW am Mittwoch.

«Auch der Umstand, dass jetzt im Atomkraftwerk Krümmel ein Transformator tagelang brannte, zeigt, dass diese Technik nicht beherrschbar ist», sagte Paulitz. «Wir müssen zügig die Atomkraftwerke abschalten und aus diesem gefährlichen Abenteuer endlich aussteigen. Schon morgen kann es in Europa zu einem zweiten Tschernobyl kommen.» (nz/AP/dpa)

 
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