26. Jun 2007 12:59
Schon bald könnte es bei der Bahn zu Warnstreiks kommen. Zwar hat das Unternehmen in der Tarifrunde jetzt ein Angebot vorlegt - doch Transnet lehnte es postwendend ab.
In der Tarifrunde für gut 134.000 Beschäftigte hat die Deutsche Bahn am Dienstag ein erstes Angebot vorgelegt. Es sehe Einkommenserhöhungen von rund zwei Prozent für 30 Monate sowie eine Einmalzahlung von 300 Euro vor, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Transnet nach der zweiten Runde in Frankfurt. Dies sei «nicht einigungsfähig». Die Gewerkschaften Transnet und GDBA fordern sieben Prozent mehr Geld für zwölf Monate. Ein neuer Verhandlungstermin wurde nicht vereinbart. Die Friedenspflicht endet am 30. Juni. «Wir hoffen, dass der Arbeitgeber noch innerhalb der Friedenspflicht ein vernünftiges und verhandelbares Angebot macht», sagte der Transnet-Sprecher. Gewerkschaftschef Norbert Hansen hatte bereits am Wochenende Streiks nach Ablauf der Friedenspflicht angedroht.
Transnet erklärte, das Angebot sei mit «erheblichen Zugeständnissen» der Mitarbeiter verbunden. So soll die Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden angehoben werden. «Die Arbeitgeber provozieren geradezu Streit», sagten Transnet-Verhandlungsführer Alexander Kirchner und sein GDBA-Pendant Heinz Fuhrmann. «Solche Almosen verhöhnen die Beschäftigten.»
Bahn-Personalvorstand Margret Suckale sagte in Frankfurt, die Deutsche Bahn AG wolle die «am wirtschaftlichen Erfolg beteiligen». Nun müssten sich auch die Gewerkschaften bewegen. «Mit den bundesweit höchsten Forderungen in der laufenden Tarifrunde werden sonst Arbeitsplätze gefährdet», warnte Suckale. Deshalb setzt die Bahn auf eine moderate Steigerung der Löhne und Gehälter und will dabei über Elemente eines Lösungspakets wie Einmalzahlungen, Laufzeit und Mitarbeiterbeteiligung verhandeln.Die kleinere Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), die einen eigenen Tarifvertrag für das fahrende Personal mit Einkommenserhöhungen um bis zu 31 Prozent fordert, sitzt nicht mit am Verhandlungstisch. GDL-Chef Manfred Schell bekräftigte am Dienstag die Drohung, schon in der kommenden Woche mit Warnstreiks zu beginnen. «Der Streik ist praktisch nicht mehr abwendbar», sagte Schell im ARD-Morgenmagazin. Am Montag werde die Öffentlichkeit über Einzelheiten informiert.
Die Bahn lehnt einen eigenen Tarifvertrag für die Lokführer ab. «Die GDL will die Spaltung der Belegschaft herbeiführen», kritisierte Suckale. «Es ist unverantwortlich, eine Streikankündigung zu machen, bevor man sich an den Verhandlungstisch setzt.» (nz)