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Verdi fordert Motivationsarbeit von der Telekom

21. Jun 2007 11:57
Noch viel Arbeit für die Telekom
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Das Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Vorstand ist «tief zerrüttet», sagt Telekom-Aufsichtsratsvize Schröder. Marcus Gatzke sprach mit ihm über den Kompromiss und den Unmut der Mitarbeiter.

Die Deutsche Telekom und die Gewerkschaft Verdi haben sich am Mittwoch in Bad Neuenahr auf einen Kompromiss über die Auslagerung von 50.000 Stellen geeinigt. Danach sinkt das Einkommensniveau in den neuen T-Service-Gesellschaften um 6,5 Prozent, die Arbeitszeit steigt um vier auf 38 Wochenstunden.

Im Gegenzug wird der Kündigungsschutz um vier Jahre bis Ende 2012 verlängert. Die Lohn-Kürzungen werden jedoch über 42 Wochen bis Ende 2010 stufenweise abgefedert. Netzeitung.de sprach mit Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder über die Einigung, die Motivation der Mitarbeiter und die Verantwortung des Telekom-Vorstands.

Netzeitung.de: Herr Schröder, an der Basis wird Unmut über die Einigung mit der Telekom geäußert. Was antworten Sie einem Verdi-Mitglied auf die Frage: Warum haben wir überhaupt gestreikt?

Lothar Schröder
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Lothar Schröder: Die Streikenden haben mit dem Arbeitskampf einen Griff ins Portemonnaie verhindert und sie haben gleichzeitig einen verlängerten Kündigungsschutz erhalten. Man muss sich das Tarifergebnis genau anschauen. Die Medien transportieren lediglich: Die Arbeitszeit steigt und die Löhne sinken. Das ist falsch. Die Einkommen sinken nicht – dazu gibt es zahlreiche Sicherungen. Nur das Einkommensniveau im Verhältnis zur Arbeitszeit wird in den neuen Betrieben niedriger sein. Wir müssen das den Beschäftigten in den kommenden Tagen erläutern.

Netzeitung.de: Für die Urabstimmung besteht also keine Gefahr?

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Schröder: Wir müssen noch Überzeugungsarbeit leisten. Das Tarifergebnis muss in allen Einzelheiten vorgestellt werden. Die Einigung hat 70 Seiten. Die können nicht in fünf Minuten gelesen und verstanden werden.

Neben der Gehaltssicherung und müssen gerade die Sicherheiten beim Übergang in die neuen Gesellschaften erläutert werden. Unsere Große Tarifkommission hat insofern nicht leichtfertig gehandelt, als sie am Mittwoch mit überwältigender Mehrheit dem Kompromiss zugestimmt hat.

Netzeitung.de: Wenn man Ihnen zuhört, möchte man meinen, die Telekom hat nichts gespart und nichts gewonnen ...

Schröder: Doch! Die Telekom hat längere Arbeitszeiten und flachere Einkommenszuwächse in der Zukunft durchgesetzt. Das sind die negativen Elemente, die ein Problem darstellen. Sie sind dann zu rechtfertigen, wenn man sich das Gesamtpaket – gleichbleibendes Gehalt und Kündigungsschutz bis 2012 – anschaut. Um es den Mitarbeitern zu erklären, muss man sehr ins Detail gehen.

Netzeitung.de: Die Telekom hat nur einen Teil ihrer ursprünglichen Sparpläne durchsetzen können. Ist nicht zu erwarten, dass Sie in zwei Jahren die gleichen Gespräche noch mal führen müssen?

Schröder: Ich hoffe nicht. Ich hoffe, dass das Management der Telekom begriffen hat, dass ein guter Service von den Menschen abhängig ist. Die waren beim Streik im Betrieb nicht mehr vorhanden - die Streikenden haben Bewegung in die Verhandlungen gebracht. Das sollte dem Management für die Zukunft eine Lehre sein.

Netzeitung.de: Personalvorstand Thomas Sattelberger fordert, die Telekom müsse «durchstarten für den Kunden». Wie motiviert ist die Belegschaft nach sechs Wochen Streik?

Mitarbeiter geben ihr letztes Hemd für die Telekom
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Schröder: Die Motivation ist ziemlich am Boden - nicht allein wegen des Streiks, sondern wegen des Umgangstons innerhalb der Telekom. Warum sind die Leute auf die Barrikaden gegangen? Sie sind über den Kurs des Managements unzufrieden. Der Vorstand muss sich noch einiges einfallen lassen, um die Menschen wieder zu motivieren. Das Verhältnis ist tief zerrüttet und muss wieder belebt werden.

Netzeitung.de: Was heißt das konkret?

Schröder: Ich glaube, dass der Vorstand aufhören muss, die Beschäftigten ständig unter Druck zu setzen. Es muss damit aufgehört werden, Menschen wie Waren einfach zu disponieren. Die Beschäftigten müssen ernst genommen werden – das tut das Management nicht. Es muss Schluss sein mit den ewigen Umstrukturierungen und mit dem ständigen Umbau des Unternehmens. In den neuen T-Service-Gesellschaften muss den Menschen Sicherheit vermittelt werden. Die wollten nicht ausgelagert werden.

Wenn jetzt noch mit weiteren Drohungen oben aufgesetzt wird, hat man die Köpfe endgültig verloren. Der Vorstand spielt immer noch mit dem Gedanken, Callcenter-Standorte zu optimieren. Das sollte er ganz schnell beiseite legen und es mit den Rationalisierungen nicht auf die Spitze treiben.

Netzeitung.de: Gerettet ist der Konzern mit der Einigung noch lange nicht. Experten rechnen damit, dass der Kundenschwund auch 2008 anhalten wird.

Schröder: Die Telekom hat kein Kostenproblem, sondern ein Umsatz- und ein Kundenproblem. Der Konzern muss sich viel mehr anstrengen, an der Schnittstelle zum Kunden besser zu werden. In den vergangenen Jahren wurden an dieser Stelle 60.000 Arbeitsplätze gestrichen - darunter hat der Service extrem gelitten. Da gibt es noch viel aufzuholen.

Wir haben jetzt vereinbart, dass der Personalabbau nur noch über ein freiwilliges Ausscheiden greift. Zudem werden 4150 Auszubildende eingestellt. Das bringt wieder mehr Menschen an die Kundenfront. Ich hoffe, dass das Wirkungen zeigen wird.

Im Vertrieb werden Kunden gewonnen und nicht im Wolkenkuckucksheim. Ein Beispiel: Im vergangenen Jahr wurde während der Fußball-WM für Glasfaser-Verkabelung in die Wohnzimmer geworben, ohne die notwendigen Voraussetzungen zu haben. Derartige Flops darf sich die Telekom in Zukunft nicht mehr leisten.

Netzeitung.de: Experten monieren eine fehlende Wachstumsstrategie bei der Telekom.

Schröder: Mit T-Home und der Verbindung von Internet und Fernsehen kann eine Wachstumsgeschichte aufgebaut werden. Die Telekom muss aber entschlossen agieren und darf sich in einer solchen Situation keine heftigen Auseinandersetzungen mit der Belegschaft leisten. Wenn Sie in neue Märkte gehen, müssen die Mitarbeiter motiviert sein. Dann könnte die Telekom auch einen großen Schritt nach vorne machen.

Netzeitung.de: Was machen Sie, wenn die Telekom T-Service komplett verkaufen will? Personalchef Sattelberger schließt diese Möglichkeit nicht aus.

Schröder: Mit diesem Schritt hat die Telekom immer wieder gedroht. Ich halte ihn aber für unwahrscheinlich. Wir haben trotzdem einen Verkaufsschutz in unseren Verträgen. Die Telekom kann es sich nicht leisten, in einem ersten Schritt den Service als ein Kernelement der neuen Strategie aufzubauen und dann in einem zweiten Schritt dieses Kernelement zu verkaufen. Man müsste sich an den Kopf fassen, würde eine solche Strategie verfolgt.

Lothar Schröder ist stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Telekom. Er sitzt im Vorstand von Verdi und war Verhandlungsführer für die Gewerkschaft in den Gesprächen mit der Deutschen Telekom. Mit ihm sprach Marcus Gatzke.

 
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