netzeitung.deEs gibt noch viel Arbeit bei der Telekom

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Die Einigung war erst der Anfang beim Umbau der Telekom (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Einigung war erst der Anfang beim Umbau der Telekom
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Die Telekom hat ihre Sparziele nur zum Teil erreicht - trotzdem bewerten Analysten den Tarif-Kompromiss positiv. Die kommenden Monate werden zeigen, wie gut sich der Konzern auf den Wettbewerb einstellt.

Mit einem Lächeln auf den Lippen haben am Mittwoch Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger und Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder den Kompromiss im Streit um die Sparpläne der Telekom präsentiert - von Müdigkeit keine Spur. Dabei wurde bis gegen vier Uhr morgens verhandelt - nur drei Stunden später saßen die Parteien schon wieder am Verhandlungstisch.

Erleichterung war beiden anzusehen: Eine Einigung zu erzielen, war für den Konzern von sehr großer Bedeutung. Mit dem Kompromiss endet ein sechs Wochen andauernder Arbeitskampf. Er steht zwar noch unter dem Vorbehalt einer Urabstimmung der Verdi-Mitglieder. Es ist aber unwahrscheinlich, dass die notwendige Mehrheit nicht zustande kommt. «Beide Seiten haben Federn gelassen», fasst Personalvorstand Sattelberger das zähe Ringen zusammen.

Auch wenn das Unternehmen nur einen Teil seiner ursprünglichen Sparziele umsetzen konnte - Experten sind zufrieden. «Das Management hat wahrscheinlich schon zu Beginn der Gespräche gewusst, dass sein Sparziel gegenüber Verdi nicht zu 100 Prozent durchzusetzen ist», sagte Jochen Reichert, Telekom-Experte bei SES Research, im Gespräch mit Netzeitung.de. «Angesichts der Verhandlungsmacht von Verdi ist das Ergebnis deshalb auch nicht schlecht.»

Ähnlich äußerte sich Frank Rothauge von Sal. Oppenheim: Beide Seiten könnten damit nicht wirklich zufrieden sein, dürften aber damit leben können, urteilt der Analyst. Das Thema Kosteneinsparungen werde das Unternehmen noch eine ganze Weile begleiten.

Wie schnell ist die Telekom?
Statt der ursprünglich anvisierten zwölf Prozent Lohn- und Gehaltskürzung bei den 50.000 Mitarbeitern, die in neue Service-Gesellschaften ausgelagert werden sollen, konnte der frühere Staatskonzern nur 6,5 Prozent durchsetzen. Auch beim Kündigungsschutz musste das Unternehmen noch ein Jahr draufpacken – bis Ende 2012 darf nicht betriebsbedingt entlassen werden. Das jährliche Einsparvolumen wird auf 650 und 750 Millionen Euro beziffert und liegt damit im Rahmen der Erwartungen des Telekom-Managements.

Für Analyst Reichert ist die Restrukturierung beim Personal nur ein Schritt von vielen. «Die Kernfrage für die kommenden Monate ist: Wie schnell kann die Deutsche Telekom die weiteren Maßnahmen wie Einführung der neuen Marke, Abstimmung der IT-Prozesse und den neuen Vertrieb umsetzen?», fragt sich Reichert.

Gemeint ist unter anderem die neue Dachmarke T-Home, für die die Telekom schon wirbt. Telekom-Handykunden wurden in den vergangenen Tagen per SMS darüber informiert, dass T-Com jetzt T-Home heißt. Plakate kleben schon seit einigen Wochen.

Aus Raider wird Twix
Im Gegensatz zu Raider und Twix ändert sich jedoch einiges. Mit dem neuen Namen will die Telekom endlich ihre Pläne umsetzen, alles aus einer Hand anzubieten. «T-Home bringt die ganze Welt der Kommunikation, Information und Unterhaltung direkt nach Hause», warb der Konzern Anfang Juni in einer Pressemitteilung. Viel später als die Konkurrenz bietet nun auch der Platzhirsch mittlerweile Kombi-Produkte aus einer Internet- Flatrate und kostenlosem Telefonieren ins Festnetz an.

Zu lange hatte das Management gezögert: Die Telekom sollte nicht zum «billigen Jakob» werden – erst sehr spät sah der Vorstand ein, dass sich das Unternehmen trotz der immer noch sehr hohen Marktanteile stärker über den Preis positionieren muss.

«Die Preissenkungen wurden relativ schnell und erfolgreich in Angriff genommen», urteilt Experte Reichert. Mit dem dadurch wieder gewachsenen Interesse an den Angeboten des Unternehmens treten aber neue Probleme auf: «Es zeigt sich, dass die Telekom derzeit nicht in der Lage ist, eine große Zahl an Neukunden mit den derzeitigen Systemen aufzufangen», beschreibt Reichert die Lage. «Dazu reicht das Back Office einfach nicht aus - daran muss der Konzern arbeiten, will er seine Kundenziele erreichen.»

Kundenschwund geht weiter
Im ersten Quartal 2007 gewann die Telekom 572.000 DSL-Kunden hinzu - 42 Prozent aller neuen Anschlüsse. Die Zahl kann aber den Kundenschwund im Festnetz nicht kompensieren: Experte Reichert rechnet für 2007 mit einem Verlust von 2,3 bis 2,4 Millionen Kunden im klassischen Kerngeschäft, die zudem sehr margenstark sind. «Und der Trend wird sich auch 2008 fortsetzen», ist er überzeugt.

Nicht jeder neue DSL-Kunde bei der Telekom ist zudem ein echter Neukunde. Viele bestehende Kunden nutzen einfach die Möglichkeit, ihren Anschluss aufzuwerten. Für die Telekom bleibt also nach der Einigung noch viel Arbeit auf dem deutschen Markt. Oder, in Worten Sattelbergers: Es komme jetzt darauf an, «dass wir durchstarten für den Kunden».


Für das Web ediert von Marcus Gatzke