netzeitung.de«Ich fühle mich unschuldig wie ein Lamm»

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Insiderhandel bei Air Berlin? (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Insiderhandel bei Air Berlin?
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«Kein schlechtes Gewissen» hat der Aufsichtsratschef von Air Berlin. Zurnieden will - ebenso wie Vorstandschef Hunold - von Insiderhandel nichts wissen. Die Börse sieht das jedoch anders.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat am Dienstagmorgen die Berliner Zentrale der Fluggesellschaft Air Berlin wegen Verdachts auf Insiderhandel durchsucht. Wie Unternehmenssprecher Peter Hauptvogel bestätigte, wurden Protokolle von Aufsichtsrats- und Vorstandssitzungen eingesehen. Er wies den Vorwurf des Insiderhandels aber zurück.

Ein Vorstands- und ein Aufsichtsratsmitglied sowie drei Abteilungsleiter stehen in Verdacht ihr Insiderwissen genutzt und Air Berlin-Aktien vor dem Kauf des Konkurrenten DBA im August 2006 gekauft zu haben. Die Durchsuchungen erfolgten auch an den Wohnorten der Mitarbeiter. Bundesweit wurden am Dienstag zehn Gebäude untersucht. Hauptvogel bezeichnete die Aktion als «absurd».

Der Aufsichtsratschef von Air Berlin, Johannes Zurnieden, wies ebenfalls alle Vorwürfe zurück. «Ich habe kein schlechtes Gewissen. Ich fühle mich unschuldig wie ein Lamm», sagte er dem «Handelsblatt». Alle Aktienkäufe seien ordentlich veröffentlicht worden. «Ich glaube an den Erfolg des Unternehmens Air Berlin. Ein Sachzusammenhang mit der Übernahme der DBA bestand bei den Aktienkäufen nicht.»

Auch Airline-Chef Joachim Hunold will von Insiderhandel nichts wissen: «Ob und in welchem Umfang der Börsenkurs von Air Berlin nach Bekanntgabe der DBA-Übernahme steigen würde, war mehr als ungewiss», ließ er über seine Pressestelle verkünden. Er habe seine Aktienkäufe «ordnungsgemäß der Finanzaufsicht gemeldet und im Internet veröffentlicht». Die Finanzaufsicht habe die Käufe bereits im Frühherbst 2006 untersucht und nicht weiter beanstandet. «Und weil ich bisher keine Aktien verkauft habe, konnte ich auch keinen Kursgewinn realisieren», fügte Hunold an.

Insiderwissen über DBA-Kauf genutzt?
Das Gesamtvolumen der verdächtigen Transaktionen soll 1,5 Millionen Euro betragen haben. Der Kauf sei erfolgt, noch ehe eine Ad-hoc-Mitteilung über den Kauf der Münchener Fluglinie veröffentlicht worden sei, hieß es. Allein der Vorstand und der Aufsichtsratsvorsitzende hätten dabei Aktien im Wert von 1,47 Millionen Euro erworben, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit.

«Wir bestreiten, dass zum Zeitpunkt des Kaufs der Aktien der DBA-Kauf schon beschlossen war», betonte der Unternehmenssprecher. Er wisse nicht, was der «wahre Hintergrund der Geschichte» sei. Air Berlin werde jetzt seine Anwälte einschalten. An der Börse schlugen die Nachrichten jedoch ein wie eine Bombe: Der Aktienkurs von Air Berlin verlor zeitweise mehr als sechs Prozent.

Durchsuchung vor allem in Berlin
Der Schwerpunkt der Durchsuchungsaktion, an der sich rund 50 Polizisten und Mitarbeiter der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) beteiligten, lag laut Staatsanwaltschaft in Berlin, wo die Beamten drei Wohnungen und die Firmenräume der Fluglinie unter die Lupe nahmen.

Außerdem seien Privatwohnungen und Firmenräume in Stuttgart, München, Düsseldorf, Bonn und Langenfeld durchsucht worden. Dabei sei umfangreiches Beweismaterial, vor allem Geschäftsunterlagen, sichergestellt worden. Die Auswertungen der Unterlagen und weitere Ermittlungen würden noch längere Zeit in Anspruch nehmen. (nz)