13. Jun 2007 10:42
Im Telekom-Arbeitskampf scheint eine Lösung möglich. Sie wäre aber lediglich ein Kompromiss auf Zeit - einen neuen, vielleicht noch härteren Arbeitskampf, fürchtet
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Bei der Telekom herrscht seit Wochen ein erbitterter Arbeitskampf – täglich bleiben mehrere tausend Beschäftigte der Arbeit fern. Sie gehen statt dessen auf die Straße und protestieren gegen die geplante Ausgliederung von 50.000 Beschäftigten in neue Service-Gesellschaften. Sie sollen dort für weniger Geld länger arbeiten. So will der Konzern dem äußerst harten Wettbewerb in Deutschland begegnen. Die Telekom verliert Woche für Woche insbesondere im Festnetz tausende Kunden an die meist deutlich günstigere Konkurrenz. Verdi will die geplante Kürzung bei den Löhnen und Gehältern nicht hinnehmen.
Mehrfach droht Telekom mit einem kompletten Verkauf der Service-Sparte und mit Kündigung der betroffenen Mitarbeiter, sollte Verdi sich nicht endlich bewegen. Die Gewerkschaft wiederum versucht mit aller Macht (Stichwort: «Lügen haben kurze Beine») das Argument des Konzerns auszuhebeln, die betroffenen Mitarbeiter verdienten schon jetzt deutlich mehr als bei der Konkurrenz. Zudem sollen der Öffentlichkeit die «Sorgen und Nöte» der Beschäftigen näher gebracht werden.Das Kräfteverhältnis hat sich mit jedem weiteren Streiktag scheinbar zu Gunsten von Verdi verschoben. Schon frühzeitig hat sich das Telekom-Management von seiner Forderung nach massiven Lohnkürzungen verabschiedet und deutlich moderatere Vorschläge gemacht. Damit hat die Unternehmensführung geschickt von ihrer wahrscheinlichen mittelfristigen Strategie abgelenkt.
Der Konzern ist laut Vorstandsvorsitzendem René Obermann in «allen Punkten gesprächsbereit» - nur am Grundkonzept der neuen Service-Gesellschaft will die Führung festhalten. «Die Kapitalmärkte würden es als Reformunfähigkeit der Deutschen Telekom verstehen, wenn wir den Umbau nicht hinkriegen», argumentiert Obermann, wohl auch mit Blick auf die eigene berufliche Zukunft.Das Grundkonzept einer Ausgliederung der Beschäftigten in neue Gesellschaften ist für die Telekom entscheidend. Die Lohnhöhe und die Arbeitszeit sind dabei fast schon zweitrangig. Die mittelfristige Zukunft der Sparte ist viel wichtiger - und die wird im laufenden Streit nur am Rande berührt.
Mit einer Einigung in den jetzt vereinbarten Gesprächen wäre deshalb das Etappenziel des Managements erreicht - für Verdi wäre es aber ein Phyrrhussieg: Ein mittelfristiger Verkauf der neuen Service-Gesellschaften ist aus Sicht der Telekom eine logische Konsequenz aus der derzeitigen Wettbewerbs- und Kostensituation. Mitte April bot die Telekom an, zumindest bis 2010 auf einen Verkauf zu verzichten.
Zumindest in diesem einen Punkt sind die Drohungen der Konzernführung keine leeren mehr. Ein neuer harter Arbeitskampf in ein paar Jahren ist so sicher wie das Amen in der Kirche.