netzeitung.deTelekom-Chef droht mit Zerschlagung

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René Obermann (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

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Im festgefahrenen Streit bei der Deutschen Telekom will die Gewerkschaft Verdi die Gespräche wieder aufnehmen. Telekom-Chef Obermann befürchtet ohne Einigung drastische Konsequenzen.

Nach fast fünfwöchigem Streik bei der Telekom kehrt die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi an den Verhandlungstisch zurück. Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder sagte nach einer Sitzung der Tarifkommission in Bonn: «Nachdem erkennbar ist, dass sich die Telekom nach wochenlangem Streik auf Verdi zubewegt, sind wir bereit, uns an den Verhandlungstisch zu setzen.»

Verhandlungen ab Mittwoch
Die Verhandlungen über die Auslagerung von rund 50.000 Stellen in neue Service-Gesellschaften sollen laut Schröder schon am morgigen Mittwoch beginnen und bis nächste Woche abgeschlossen sein. Verhandlungsort ist Bad Neuenahr. Bei der Telekom habe «der fast fünfwöchige Erzwingungsstreik neue Offenheit bewirkt», sagte Schröder vor Journalisten. Er sehe eine realistische Chance, jetzt weiterzukommen und eine bessere Absicherung der Beschäftigten zu erreichen.

Telekom-Sprecher Andreas Middel sagte: «Wir begrüßen grundsätzlich die Rückkehr an den Verhandlungstisch.» Das Unternehmen habe immer betont, dass zwar das Gesamtkonzept der Service-Gesellschaften alternativlos sei, man aber verhandlungsbereit sei über Komponenten des Konzepts. Die Zeit für eine Lösung vor der geplanten Ausgliederung ist knapp. Die Telekom will den Konzernumbau am 1. Juli vollziehen. Telekom-Chef René Obermann sieht eine Einigung mit Verdi als entscheidend für die Zukunft des Unternehmens an. «Die Kapitalmärkte würden es als Reformunfähigkeit der Deutschen Telekom verstehen, wenn wir den Umbau nicht hinkriegen», sagte er dem «Handelsblatt». Ohne den Umbau drohe dem Konzern womöglich eine Zerschlagung.

Schröder sagte, größter Knackpunkt der Verhandlungen seien die geplanten Gehaltskürzungen. Die Einkommen müssten gegebenenfalls unter Berücksichtigung zukünftiger Tarifrunden gesichert werden. Die Gewerkschaft fordere zudem eine Ausdehnung des bisher bis 2011 vorgesehenen Kündigungsschutzes bis Ende 2013. Bis zum gleichen Jahr müsse auch ein Verkauf der Servicegesellschaften ausgeschlossen sein. Sollte eine Verhandlungslösung scheitern, wird der Streik laut Schröder in den neuen Gesellschaften weitergehen.

Nach Angaben von Verdi-Streikleiter Ado Wilhelm sind die durch den Streik bisher aufgelaufenen Rückstände bei Neuanschlüssen, Entstörung und Infrastrukturarbeiten inzwischen so groß, dass ihre Aufarbeitung zwölf bis 14 Wochen dauern dürfte.

Lockerung in Aussicht
In den Service-Gesellschaften soll nach den bisherigen Vorstellung der Telekom ein neun Prozent niedrigeres Grundgehalt gezahlt werden; zugleich soll die Wochenarbeitszeit um vier auf 38 Stunden pro Woche steigen. Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger hatte kürzlich aber einen Erfolgsbonus vorgeschlagen, mit dem 2011 die bis dahin vollzogene Senkung der Grundgehälter eventuell ausgeglichen werden könnte. Außerdem hatte er vertraglich garantierte Qualifizierungsangebote und neue Laufbahnchancen in Aussicht gestellt.

Die Telekom will mit der Auslagerung des Festnetzservices die Kosten um 500 Millionen bis 900 Millionen Euro senken. Sie kann ihre Pläne auch gegen den Willen der Gewerkschaft umsetzen. Für den Fall des Scheiterns der Verhandlungen hat Sattelberger bereits angekündigt, dass das Unternehmen in den T-Service-Einheiten Tarifverträge anwenden werde, die es bereits früher mit Verdi für die T-Mobile- Callcenter beziehungsweise für die Beschäftigungsgesellschaft Vivento vereinbart hat.

Schröder kündigte die Bereitschaft Verdis an, «für die Dauer der Verhandlungen die Arbeitskampfmaßnahmen stufenweise deutlich zu reduzieren», falls die Telekom bereit sei, das angekündigte Informationsschreiben zum Betriebsübergang zurückzustellen. (AP)