netzeitung.de«Plan B» für Yahoo

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Nicht mehr so strahlend wie zu Anfang: Yahoo (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nicht mehr so strahlend wie zu Anfang: Yahoo
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Alle sprechen über den Internet-Boom aber niemand über Yahoo. Via Youtube ruft ein Aktionär zum Umsturz auf - und bekommt Unterstützung von Analysten und Ex-Managern.

Das Internet bietet viele Möglichkeiten, sich gekonnt zu präsentieren. Yahoo-Aktionär Eric Jackson versucht über die Videoplattform Youtube, seinem Ärger über die schwache Entwicklung des Aktienkurses Luft zu machen und Mitstreiter für seinen «Plan B» zu finden.

Viel Erfolg wird er mit seiner Strategie auf der Hauptversammlung am Dienstag nicht haben. Zu gering ist das Interesse an seinen Vorstellungen: Nur 1678 Nutzer haben sich sein im Januar veröffentlichtes Video über die Zukunft von Yahoo angesehen - wie viele davon Journalisten waren ist nicht zu ermitteln. Auch einen Blog hat er eröffnet, um die «Wikiasation» von Yahoo voranzutreiben.

Jacksons Kritik wird von Experten in einigen Punkten jedoch geteilt – wenn sie auch nicht gleich den sofortigen Rauswurf von Vorstands-Chef Terry Semel fordern. Alle Welt spricht über Google, Microsoft oder über Apple. Aber was macht eigentlich Yahoo?

Die Aktien des Unternehmens haben sich in einem ansonsten sehr positiven Marktumfeld schwach entwickelt. Im Juni 2006 standen die Papiere knapp über 27 Dollar - von dieser Marke haben sie sich in den vergangenen zwölf Monaten kaum entfernt.

Manager fliehen
Der Wettbewerb nimmt zu, und gleichzeitig verlassen die Manager in Scharen das Unternehmen. Auch bei den Übernahmen der vergangenen Monate war Yahoo nur Zuschauer. Youtube, Myspace und Facebook fanden andere Käufer. Und ob die Portal-Strategie auch künftig noch Erfolg versprechend bleibt, ist umstritten.

Vorstandschef Semel hat das Unternehmen im Dezember in drei Säulen umstrukturiert – viel geholfen hat es bisher nicht: Zweien davon fehlt ein Leiter. Technologie-Chef Farzad Nazem, seit elf Jahren treuer Yahoo-Manager, verließ das Unternehmen im vergangenen Monat. Er soll - wie viele andere seiner Kollegen - im Unfrieden gegangen sein. Seit Dezember haben nach einem Bericht der «New York Times» (NYT) 17 Führungskräfte den Konzern verlassen: Das Internet boomt, und die Angebot andere Unternehmen sind lukrativer.

Ehemalige Manager geben an, dass Yahoo ein Motivations-Problem habe. «Es gibt eine Menge frustrierter Mitarbeiter», zitiert die «NYT» einen von ihnen. «Wenn das richtige Angebot kommt, werden auch sie gehen.»

Zu viel Zeit für «Panama»
Zu viel Zeit und Arbeitskraft sei auf das Geheimprojekt «Panama» verwandt worden, monieren die Kritiker. Andere Vorhaben hätten darunter massiv zu leiden gehabt. Mit «Panama», das im Frühjahr an den Start gegangen ist, will Yahoo stärker zu Google in Konkurrenz treten. Es handelt sich um eine komplett neue Software, die die gesponserten Suchergebnisse nach der Relevanz sortiert, und nicht nach dem für die Werbung gezahlten Preis.

Seinen Höhepunkt erreichte die Kritik an der internen Organisation und an Terry Semel im November vergangenen Jahres: Ein internes Memo des Yahoo-Managers Brad Garlinghouse gelangte an die Öffentlichkeit. Darin kritisierte er, dass sich Yahoo zu dünn aufgestellt habe - wie Erdnussbutter auf einem Brot: Das Unternehmen sei zu bürokratisch und brauche ein umfassenden Umbau, monierte Garlinghouse und schaffte es damit auf Seite 1 des «Wall Street Journal».

Und zu den massiven internen Problemen kommt noch die gönnerhafte Vergütung für Semel. Offiziell hat er im vergangenen Jahr 39,8 Millionen Dollar erhalten. Berechnungen von Außenstehenden haben jedoch ergeben, dass das wahre Gehalt von Semel bei 107 Millionen Dollar liegt. Hintergrund sind andere Berechnungsmethoden bei Aktien-Optionen.

Yahoo-Kritiker Eric Jackson wird wohl auch das auf dem Aktionärstreffen ansprechen. Dann wird sich auch zeigen, wie viele Mitstreiter er gefunden hat. In Anlehnung an ein Werbe-Plakat der amerikanischen Armee während des Ersten Weltkrieges («We want You») wirbt er – ebenfalls auf Youtube - bis zur letzten Minute um Mitstreiter. (nz)