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Lupe Siemens-Affäre erreicht Deutsche Telekom

Die Telekom muss derzeit eine Hiobsbotschaft nach der anderen verkraften: Vorstand Pauly tritt mit sofortiger Wirkung zurück - er soll in die Siemens-Affäre verstrickt sein.

Der Skandal um Schwarze Kassen bei Siemens erreicht auch die Führungsetage der Deutschen Telekom. Wie der Konzern am Donnerstag in Bonn mitteilte, hat Telekom-Vorstand Lothar Pauly «den Aufsichtsrat der Deutschen Telekom gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden». Das Kontroll-Gremium will das Angebot annehmen.

Pauly, der früher Manager bei der Siemens-Sparte Com war, soll Medienberichten zufolge in den Korruptionsskandal beim Münchener Konzern verwickelt sein. Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick soll die Aufgaben Paulys bei der Telekom kommissarisch übernehmen, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Mehrere Schmiergeld-Affären
Zwar soll es keine neuen Vorwürfe gegen Pauly geben, der seit Herbst 2005 bei der Telekom die Geschäftskunden- Sparte T-Systems leitet. Dies habe auch eine interne Untersuchung der Telekom ergeben, hieß es. Allerdings wolle Pauly mit seinem Rückzug Schaden von der Telekom fern halten. Die Ablösung sei daher keine «Vorverurteilung». Die Telekom steht wegen des seit knapp drei Wochen laufenden Streiks und des Doping-Skandals im Radsportteams ohnehin massiv unter Druck.

Berichten zufolge ermittelt die Münchener Staatsanwaltschaft seit geraumer Zeit gegen Pauly, allerdings wollten die Behörden dies am Donnerstag nicht bestätigen. Schon seit Wochen kursieren Gerüchte über eine mögliche Verstrickung Paulys in die Siemens-Affäre. Der 48-Jährige hatte die Vorwürfe indes stets zurückgewiesen.

Siemens steckt derzeit tief in der Krise und wird von mehreren Schmiergeld-Affären erschüttert. Um Aufträge im Ausland zu ergattern, wurden über konzerninterne Schwarze Kassen mehrere hundert Millionen Euro Bestechungsgelder gezahlt. Das Unternehmen selbst spricht derzeit von rund 420 Millionen Euro. Außerdem wird dem Konzern vorgeworfen, Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) gekauft zu haben.

Der Rückzug von Pauly kommt auch für die Telekom zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da der Konzern auf der Suche nach einem Partner für T-Systems ist. Der von Pauly geleitete Auswahlprozess soll im Sommer abgeschlossen werden. Derzeit laufen Gespräche mit möglichen Partnern, die bis Mitte Juni abgeschlossen werden sollen.

Außerdem gibt es massiven Widerstand gegen die Sparpläne des Unternehmens. Seit mehr als zwei Wochen streiken die Mitarbeiter gegen die geplante Ausgliederung von 50.000 Beschäftigten in drei neue Service-Gesellschaften. Dort sollen sie für weniger Geld länger arbeiten. (dpa/nz)