09.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Hohe Beteiligung bei der Urabstimmung
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Insgesamt 12.000 Mitarbeiter haben sich an den Warnstreiks bei der Telekom beteiligt. Sollte es zu einem echten Arbeitskampf kommen, würde nicht nur die Telekom in Mitleidenschaft gezogen.
Einen Tag vor dem Ende der Urabstimmung bei der Deutschen Telekom ist der Kampfeswille unter den Beschäftigen enorm. «Bundesweit nehmen erneut rund 12.000 Mitarbeiter an den Warnstreiks teil», sagte der Streikleiter von Verdi, Ado Wilhelm, am Mittwoch in Bonn. Der Betriebsablauf bei dem Bonner Unternehmen werde durch die Proteste umfangreich gestört.
Mit dem ersten Arbeitskampf seit der Umwandlung der Telekom in eine Aktiengesellschaft im Jahr 1995 will Verdi den geplanten Konzernumbau verhindern. Telekom-Chef René Obermann will unter anderem 50.000 Mitarbeiter in eine neue Gesellschaft unter dem Namen T-Service auslagern. Dort sollen sie für weniger Geld länger arbeiten.
«Die Beteiligung an der Urabstimmung war auch am zweiten Tag sehr hoch», sagte Wilhelm. So hätten in einigen Bereichen bereits 90 Prozent der Verdi-Mitglieder abgestimmt. Für die Ausweitung der Streiks benötigt die Gewerkschaft eine Mehrheit von 75 Prozent der Stimmen. Das Ergebnis soll am Donnerstagmittag bekannt gegeben werden.
Wird der G8-Gipfel bestreikt?Verdi hatte bereits vor wenigen Tagen angekündigt, dass die flächendeckenden Streiks vor allem die Geschäftskunden der Telekom treffen sollen. Privatkunden will die Gewerkschaft ausklammern, um die Solidarität mit der Bevölkerung nicht zu gefährden. Ein Bestreiken des G8-Gipfels in Heiligendamm schloss er nicht aus: «Der Konzern fürchtet natürlich um sein internationales Ansehen. Doch das ist nicht unser Problem», sagte Verdi-Vertreter Wilhelm bereits am Wochenende.
Auch die Konkurrenten der Telekom fürchten sich vor einem Arbeitskampf beim ehemaligen Monopolisten: «Ein Streik hätte massive Auswirkungen auf uns», sagt Peer Knauer, der Präsident des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (Breko), laut einem Vorab-Bericht der «Zeit». Im Breko sind 40 Unternehmen organisiert, darunter Arcor, Versatel oder Alice.
Sie alle verfügen über eigene Leitungen, sind aber auf der so genannten letzten Meile in die Häuser auf die Telekom angewiesen. Hat ein Anbieter einen Kunden vom Ex-Monopolisten abgeworben, müssen dessen Techniker den Anschluss für die Konkurrenz erst freischalten. Streikten diese Mitarbeiter, wird «unser Wachstum gebremst», befürchtet Knauer.
Telekom in tiefer KriseDie Deutsche Telekom steckt in Deutschland wohl in ihrer tiefsten Krise seit der Privatisierung. Der enorme Preiskampf hat der Telekom massiv zugesetzt Billigmarken und ein besserer Service sollen Abhilfe schaffen.
Gerade im traditionellen Festnetzgeschäft kehren die Kunden dem Unternehmen in Scharen den Rücken. Bisher konnte das Unternehmen den Trend nicht umkehren. Die Analysten von SES Research gehen davon aus, dass das Unternehmen im laufenden Jahr 2,4 Millionen Kunden an die Konkurrenz abgeben wird. Bei den DSL-Kunden sind die Experten dagegen optimistischer. Sie schätzen, dass 43 Prozent der Neukunden 2007 bei der Telekom landen werden. (nz)