Playstation-Erfinder gibt auf
27.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Dass er weiter technischer Berater von Konzernchef Howard Stringer bleiben soll, ist die übliche Ehrung eines de facto entlassenen Managers. Dazu kommt für Kutaragi noch die merkwürdige Position als Ehrenmitglied im Aufsichtsrat was genau er dort tun soll, ließ das Unternehmen offen. Insgesamt kommt die Personalrochade einem Rauswurf in zwei Stufen gleich. Sony zeigt sich dem Ingenieur und Manager Kutaragi gegenüber recht undankbar. Denn er hat dem Konzern nicht nur zu enormen zusätzlichen Umsätzen in einem neuen Geschäftsfeld verholfen, sondern auch für kräftige Gewinne gesorgt.
Der hohe Fehlbetrag geht in der Tat zu einem Gutteil auf das Konto Kutaragis. Wie bereits bei der Vorgängerversion aus dem Jahr 2000 setzte er bei der PS3 auf die neueste Technologie sowohl bei den Graphikchips der Maschine als auch beim eingebauten Blu-Ray-Player zum Abspielen eines der beiden DVD-Nachfolger. Mit den Problemen der PS3 gerade fehlende Blu-Ray-Teile sollen einen pünktlichen Marktstart zum Weihnachtsgeschäft 2006 in Europa verhindert haben wollte er aber nichts zu tun habe.
Das stieß den Managern des weit verzweigten Unternehmens natürlich sauer auf. Eine Hausmacht hatte der 56-Jährige ohnehin nie aufbauen können. Das zeigte sich schon daran, dass ihn sein Stellvertreter Hirai erst aus dem operativen Geschäft und dann ganz vom Chefposten verdrängten. Auch Investoren sollen sich über manch merkwürdige Präsentation des als eigenbrötlerisch bekannten Kutaragi gewundert haben. Und nicht zuletzt wurden ihm eine eher schwierige Beziehungen zu den wichtigsten Sony-Partnern im Konsolengeschäft nachgesagt: den Spiele- Entwicklern außerhalb des Konzerns.
Als Sony Wind davon bekam, setzte Konzern den Techniker nicht etwa schnurstracks vor die Tür, sondern zunächst seine Arbeit zu Ende bringen. Dann ließ sich das Management von ihm auch noch überzeugen, dass mit elektronischen Spielen Geld zu verdienen sei. Kutaragi entwickelte weiter, diesmal aber für Sony. 1994 kam die erste Playstation auf den Markt.
Entgegen den Erwartungen hat sich Nintendo indes mit der neuen Wii gefangen zuletzt sorgte die Konsole dafür, dass sich das Betriebsergebnis glatt verdoppelte. Im Dreikampf der Konsolenhersteller hat Nintendo als schwächster Anbieter seine Nische gefunden: Eine innovative Steuerung und ein günstiger Preis setzen die Wii von Xbox 360 und PS3 ab. Sony hat genau das gegenteilige Problem: Die PS3 ist das teuerste Angebot auf dem Markt, und ob sich die eingebaute Blu-Ray-Technologie tatsächlich der DVD-Nachfolger ist, der sich letztlich durchsetzen wird, ist unentschieden.
Und vielleicht gibt Konzernchef Stringer seinem neuen Berater trotz des Streits, den es zwischen beiden zuletzt gegeben haben soll, doch noch eine Chance: Kutaragi werde nun «Träume» verfolgen, die «über die Playstation hinaus gehen», heißt es in der mit den üblichen Floskeln durchsetzten Erklärung zum Abschied des Managers und Erfinders. Dabei gehe es vor allem um Vernetzung, verriet Sony einsilbig. Vielleicht verdient sich Kutaragi ja das nächste ehrlich gemeinte Lob mit Unterstützung für «Home», wie Sony die eigene, in Konkurrenz zu «Second Life» entwickelte virtuelle Parallelwelt nennt.
Für das Web ediert von Kai Makus

