Playstation-Erfinder gibt auf
27. Apr 2007 14:27
 |  Familienfoto: Ken Kutaragi mit seinem jüngsten Kind | Foto: AP |
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Ken Kutaragi wird keine fünfte Version der Playstation entwickeln – zumindest nicht für Sony. Nicht zuletzt kosteten Streitereien im Management den Eigenbrötler seinen Posten.
Bereits im Dezember 2006 hatte Sony den Erfinder der Playstation und Chef der Sparte Computer-Entertainment weggelobt: Das Tagesgeschäft werde künftig von Kazuo Hirai verantwortet, teilte der japanische Elektronikkonzern damals mit. Nun hat Ken Kutaragi offensichtlich die Nase voll, als eine Art Grußonkel nominell den Chefposten bei Sonys Spielegeschäft innezuhaben – aber keinen wirklichen Einfluss: Am Donnerstagabend (Ortszeit) teilte Sony in Tokio mit, Kutaragi werde sich im Sommer bei der Hauptversammlung der Spiele-Tochter endgültig verabschieden.Dass er weiter technischer Berater von Konzernchef Howard Stringer bleiben soll, ist die übliche Ehrung eines de facto entlassenen Managers. Dazu kommt für Kutaragi noch die merkwürdige Position als Ehrenmitglied im Aufsichtsrat – was genau er dort tun soll, ließ das Unternehmen offen. Insgesamt kommt die Personalrochade einem Rauswurf in zwei Stufen gleich. Sony zeigt sich dem Ingenieur und Manager Kutaragi gegenüber recht undankbar. Denn er hat dem Konzern nicht nur zu enormen zusätzlichen Umsätzen in einem neuen Geschäftsfeld verholfen, sondern auch für kräftige Gewinne gesorgt.
Neueste Technik und höchster Preis
Die sprudelten zuletzt aber nicht mehr so kräftig. Kein Wunder – verursacht eine neue Konsole doch stets hohe Anlaufkosten. Im Geschäft mit Spielekonsolen ist es nicht ungewöhnlich, dass angesichts hohen Entwicklungs- und Herstellungskosten mit den Geräten selbst gar nichts verdient wird. Die Hersteller vertrauen vielmehr darauf, mit dem Verkauf der Spiele Überschuss zu erzielen. Das ist kein Problem, so lange so viel eingenommen wird, dass die Verluste aus dem Hardware-Geschäft wett gemacht werden. Nichts neues also bei der PS3 – nur, dass sich Analysten von der Höhe der möglicherweise durch die neue Generation der Konsole verursachten Kosten von umgerechnet bis zu zwei Milliarden Dollar überrascht zeigten.Der hohe Fehlbetrag geht in der Tat zu einem Gutteil auf das Konto Kutaragis. Wie bereits bei der Vorgängerversion aus dem Jahr 2000 setzte er bei der PS3 auf die neueste Technologie – sowohl bei den Graphikchips der Maschine als auch beim eingebauten Blu-Ray-Player zum Abspielen eines der beiden DVD-Nachfolger. Mit den Problemen der PS3 – gerade fehlende Blu-Ray-Teile sollen einen pünktlichen Marktstart zum Weihnachtsgeschäft 2006 in Europa verhindert haben – wollte er aber nichts zu tun habe.
Manager ohne Hausmacht
Unklug: Für die Verspätung machte er Produktionsprobleme bei Sony verantwortlich, also seine Kollegen im Management. Wenn ihm die Frage gestellt würde, ob die Qualität in der Sony-Fertigung gesunken sei, würde er mit Ja antworten, verteilte er im vergangenen Herbst vor der verblüfften Presse die Verantwortlichkeiten.Das stieß den Managern des weit verzweigten Unternehmens natürlich sauer auf. Eine Hausmacht hatte der 56-Jährige ohnehin nie aufbauen können. Das zeigte sich schon daran, dass ihn sein Stellvertreter Hirai erst aus dem operativen Geschäft und dann ganz vom Chefposten verdrängten. Auch Investoren sollen sich über manch merkwürdige Präsentation des als eigenbrötlerisch bekannten Kutaragi gewundert haben. Und nicht zuletzt wurden ihm eine eher schwierige Beziehungen zu den wichtigsten Sony-Partnern im Konsolengeschäft nachgesagt: den Spiele- Entwicklern außerhalb des Konzerns.
Die Legende des Ken Kutaragi
Wie so viele Erfolgreiche im Computergeschäft hat auch Kutaragi so etwas wie eine Legende. Seine wird so erzählt: Die Idee, eine eigene Konsole für seinen Arbeitgeber, der schon in der 80er Jahren Sony hieß, zu entwickeln, soll ihm demnach gekommen sein, als er seine Tochter begeistert daddeln sah – an einem Gerät von Nintendo. Für den Konkurrenten arbeitete Kutaragi dann heimlich an einem besseren Soundchip.Als Sony Wind davon bekam, setzte Konzern den Techniker nicht etwa schnurstracks vor die Tür, sondern zunächst seine Arbeit zu Ende bringen. Dann ließ sich das Management von ihm auch noch überzeugen, dass mit elektronischen Spielen Geld zu verdienen sei. Kutaragi entwickelte weiter, diesmal aber für Sony. 1994 kam die erste Playstation auf den Markt.
Kampf der Konsolen
 |  Xbox 360, Wii - oder doch lieber PS3? | Foto: dpa |
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Der Erfolg – fortgesetzt mit der PS2 und mit Abstrichen mit der tragbaren Version PSP – verschaffte Kutaragi die Position im Konzern, die er nun endgültig aufgeben musste. Die Playstation zwang den Konkurrenten Sega fast in die Knie. Auch Nintendo musste darben – so stark, dass viele schon das Ende des Unternehmens kommen sahen, als mit Branchengröße Microsoft und der Xbox ein weiterer gewichtiger Konkurrent auf den zwar stark wachsenden, aber genauso umkämpften Konsolenmarkt drängte.Entgegen den Erwartungen hat sich Nintendo indes mit der neuen Wii gefangen – zuletzt sorgte die Konsole dafür, dass sich das Betriebsergebnis glatt verdoppelte. Im Dreikampf der Konsolenhersteller hat Nintendo als schwächster Anbieter seine Nische gefunden: Eine innovative Steuerung und ein günstiger Preis setzen die Wii von Xbox 360 und PS3 ab. Sony hat genau das gegenteilige Problem: Die PS3 ist das teuerste Angebot auf dem Markt, und ob sich die eingebaute Blu-Ray-Technologie tatsächlich der DVD-Nachfolger ist, der sich letztlich durchsetzen wird, ist unentschieden.
Abgesang auf Vater und Kind?
Dennoch wäre es zu früh, mit dem Abschied des Vaters der Playstation gleich einen Abgesang auf sein Kind zu verbinden. Zwar scheint die Xbox ihre starke Stellung auf dem US-Markt vorerst verteidigen zu können. Doch der Marktstart in Europa verlief für Sony trotz Verspätung einigermaßen erfolgreich.Und vielleicht gibt Konzernchef Stringer seinem neuen Berater trotz des Streits, den es zwischen beiden zuletzt gegeben haben soll, doch noch eine Chance: Kutaragi werde nun «Träume» verfolgen, die «über die Playstation hinaus gehen», heißt es in der mit den üblichen Floskeln durchsetzten Erklärung zum Abschied des Managers und Erfinders. Dabei gehe es vor allem um Vernetzung, verriet Sony einsilbig. Vielleicht verdient sich Kutaragi ja das nächste – ehrlich gemeinte – Lob mit Unterstützung für «Home», wie Sony die eigene, in Konkurrenz zu «Second Life» entwickelte virtuelle Parallelwelt nennt.
Für das Web ediert von Kai Makus