Pierer soll von Bestechungsverdacht gewusst haben
Ein Sprecher von Siemens wies diese Darstellung jedoch zurück: «Von Zahlungen an die AUB war von Pierer nichts bekannt», sagte Sprecher Peik von Bestenbostel am Samstag in München der nachrichtenagentur AP. Berichte, von Pierer habe sein Amt nicht freiwillig geräumt, sondern starkem Druck nachgeben müssen, wollte von Bestenbostel nicht kommentieren.
Pierer hatte in der Nacht zum Freitag seinen Rücktritt als Aufsichtsratschef angekündigt. Das System schwarzer Kassen bei Siemens und die Zahlungen an die Arbeitnehmerorganisation AUB, deretwegen Konzernvorstand Johannes Feldmayer und andere hohe Manager verhaftet worden waren, fiel in Pierers Zeit als Siemens-Chef von 1992 bis 2005.
Die Gewerkschaft habe von Pierer vor allem wegen des jüngsten Skandals um die Bestechung des unabhängigen Betriebsrats in Nürnberg das Vertrauen entzogen und seinen Rückzug verlangt. Von Pierer habe damit die Unterstützung der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, die vor allem aus den Reihen der IG Metall kommen, verloren.
Die FDP kritisierte unterdessen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel weiter die Beraterdienste von Pierers in Anspruch nehmen will. Dieser sei als Aufsichtsratschef auch zurückgetreten, um seine Firma vor weiteren schädlichen Debatten zu bewahren, sagte der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle der «Berliner Zeitung». Deshalb hätten sicher viele Verständnis, «wenn er aus gleichen Motiven seine Beratertätigkeit für die Bundeskanzlerin ruhen lassen würde». (AP, nz)

