20.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Heinrich von Pierer will seine Posten außerhalb des Siemens-Konzerns behalten
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Für ihn ist es ein «isolierter Vorgang»: Heinrich von Pierer denkt nicht daran, seine anderen Aufsichtratsposten aufzugeben oder den Innovationsrat der Bundesregierung zu verlassen.
Nach seiner Ankündigung, vorzeitig den Vorsitz im Aufsichtsrat des Siemens-Konzerns
niederzulegen, hat Heinrich von Pierer klargestellt, dass er seine übrigen Kontrolleursposten behalten will: «Der Rücktritt bei Siemens ist ein isolierter Vorgang, der mit meinen Aktivitäten in anderen Gremien nichts zu tun hat», sagte er der «Welt». Unter anderem sitzt er in den Kontrollgremien der Deutschen Bank
und der Münchener Rückversicherung
und war erst am Donnerstag unmittelbar vor seinem Abtritt bei Siemens zum Aufseher des Autokonzerns Volkswagen
wiedergewählt worden.
Auch im so genannten Innovationsrat von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will von Pierer weiter in leitender Funktion mitarbeiten: «Ich bin überzeugt, dass ich dieses Gremium noch voranbringen kann, ließ sich von Pierer zitieren. Ein eventueller Rücktritt sei auch bei einem seit längerem geplanten Gespräch mit Merkel am Freitagmorgen kein Thema gewesen, betonte von Pierer. Es sei lediglich um das »Programm des Innovationsrates« gegangen.
Auf Netzeitung.de hatte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Rainer Wend, indirekt Kritik an der Beratertätigkeit von Pierers geübt aber zugleich betont, über seine Mitarbeit müsse die Bundeskanzlerin selbst entscheiden.
Pauschale Vorverurteilungen?Von Pierer hatte am späten Donnerstagabend seinen Rückzug zum kommenden Mittwoch angekündigt. Ihm wird der frühere ThyssenKrupp-Chef Gerhard Cromme nachfolgen. Von Pierer zog offensichtlich die Konsequenzen aus einer Reihe von Korruptionsskandalen, die den Konzern seit Monaten beschäftigen. Er wies zugleich aber persönliche Schuld zurück, obwohl die Bildung Schwarzer Kassen für Bestechungen im Ausland ebenso in seine Zeit als Vorstandsvorsitzender fällt wie die mutmaßliche Zahlung hoher Summen an die Arbeitnehmerorganisation AUB und zu ihr gehörende Betriebsräte.
Zuvor hatte sich von Pierer in einer Mail an die Mitarbeiter des Konzerns verabschiedet und dabei über die angeblichen «pauschalen Vorverurteilungen in der Öffentlichkeit, die oftmals ohne Rücksicht auf die Faktenlage erfolgen», beklagt. Auch das «Vorgehen einzelner Behörden gegenüber verdienten Mitglieder unseres Hauses» erregte den Zorn des scheidenden Managers: Die Verhältnismäßigkeit der Mittel sei nicht immer gewahrt worden, kritisierte er. Mehrere Spitzenmanager des Konzerns waren in Zusammenhang mit der Affäre um Schwarze Kassen vorübergehend inhaftiert gewesen.
Nicht wie im MittelstandIn der «Welt» verteidigte sich von Pierer, weil er nichts von den illegalen Geldsammelstellen mit einem Volumen von bis zu 420 Millionen Euro gewusst habe: Der Konzern sei in 190 Ländern aktiv «da ist es nicht wie bei einem Mittelständler, dass der Chef am Freitagabend weiß, wie viel Geld in der Kasse ist», sagte er. Es sei im Übrigen nicht Aufgabe des Vorstandsvorsitzenden, über alle Buchungen Bescheid zu wissen, und zudem auch gar nicht möglich: Schließlich gebe es bei Siemens täglich zwischen 30 und 50 Millionen einzelner Buchungen, argumentierte von Pierer. (nz)