20. Apr 2007 07:14, ergänzt 09:22
Als ein Schuldeingeständnis sieht Heinrich von Pierer seinen Rückzug nicht. Dennoch überlässt er seinem Nachfolger Gerhard Cromme die Aufklärung der Affäre um Schwarze Kassen und Betriebsrats- Bestechung bei Siemens.
Die möglichen Korruptionsfälle haben sich weit gehend in der Zeit von Pierers als Chef des Siemens-Vorstands abgespielt, dem er 14 Jahre lang vorsaß. Dabei galt von Pierer als so erfolgreich, dass selbst sein direkter Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrates nicht die übliche Kritik von Aktionärsvertretern nach sich zog – sie verliehen ihm sogar eine «eins mit Sternchen». Auf der jüngsten Hauptversammlung ein Jahr später war die Affäre allerdings schon ins Rollen gekommen: Mehrere Anteilseigner griffen von Pierer wegen der Vorgänge in seiner Zeit an der Firmenspitze an.«Alleiniger Anlass und Beweggrund für meine heutige Entscheidung ist das Interesse von Siemens», betonte von Pierer nun in einer Erklärung, die am Donnerstagabend um kurz vor 23 Uhr per Mail versandt wurde. Denn das Unternehmen sei derzeit in einer «prekären Situation», schrieb der Noch-Aufsichtsratschef darin – und zwar «trotz einer hervorragenden wirtschaftlichen Entwicklung»: Grund seien die «teilweise offensichtlichen, teilweise behaupteten Verfehlungen einer Reihe von Führungskräften und Mitarbeitern». Durch seinen Weggang sei «unser Unternehmen allmählich wieder aus den Schlagzeilen und in ruhigeres Fahrwasser zu bringen», hofft der Manager.