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Pierers Abtritt bringt Siemens in «prekäre Situation»

20. Apr 2007 07:14, ergänzt 09:22
Heinrich von Pierer
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Als ein Schuldeingeständnis sieht Heinrich von Pierer seinen Rückzug nicht. Dennoch überlässt er seinem Nachfolger Gerhard Cromme die Aufklärung der Affäre um Schwarze Kassen und Betriebsrats- Bestechung bei Siemens.

Was genau der Auslöser für seinen vorzeitigen Abtritt war, wird wohl das Geheimnis Heinrich von Pierers bleiben: Der langjährige Vorstandsvorsitzende des Siemens-Konzerns gibt sein Amt als Chef des Aufsichtsrats schon kommenden Mittwoch vorzeitig auf – weil «die Pflicht gegenüber dem Unternehmen und seinen weit mehr als 400.000 Mitarbeitern in aller Welt Vorrang vor eigenen Interessen haben muss», wie der 66-Jährige seinen Abschied erklärte. Er betonte zugleich: «Eine persönliche Verantwortlichkeit mit Blick auf die laufenden Ermittlungen war nicht Grundlage meiner Entscheidung.»

Corporate-Governance-Experte folgt

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Zur Aufklärung der Affären bei Siemens soll nun Gerhard Cromme an die Spitze des Kontrollgremiums gewählt werden. Der frühere Chef von ThyssenKrupp gilt als Experte für die auch Corporate Governance genannte gute Unternehmensführung und hat einen Empfehlungskatalog dafür im Auftrag der Bundesregierung erarbeitet. Auf ihn wartet viel Arbeit: Bei Siemens soll es nicht nur Kassen im Volumen von bis zu 420 Millionen Euro gegeben haben, um durch Bestechung Aufträge aus dem Ausland an Land zu ziehen. Auch steht der Verdacht im Raum, das Management habe mit Millionenbeträgen die Arbeitnehmervereinigung AUB gefördert oder gar aufgebaut, um so Betriebsräte auf Kurs zu bringen und dort Opposition zur IG Metall zu installieren.

Eins mit Sternchen

Corporate-Governance-Experte Gerhard Cromme Foto: dpa
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Die möglichen Korruptionsfälle haben sich weit gehend in der Zeit von Pierers als Chef des Siemens-Vorstands abgespielt, dem er 14 Jahre lang vorsaß. Dabei galt von Pierer als so erfolgreich, dass selbst sein direkter Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrates nicht die übliche Kritik von Aktionärsvertretern nach sich zog – sie verliehen ihm sogar eine «eins mit Sternchen». Auf der jüngsten Hauptversammlung ein Jahr später war die Affäre allerdings schon ins Rollen gekommen: Mehrere Anteilseigner griffen von Pierer wegen der Vorgänge in seiner Zeit an der Firmenspitze an.

«Alleiniger Anlass und Beweggrund für meine heutige Entscheidung ist das Interesse von Siemens», betonte von Pierer nun in einer Erklärung, die am Donnerstagabend um kurz vor 23 Uhr per Mail versandt wurde. Denn das Unternehmen sei derzeit in einer «prekären Situation», schrieb der Noch-Aufsichtsratschef darin – und zwar «trotz einer hervorragenden wirtschaftlichen Entwicklung»: Grund seien die «teilweise offensichtlichen, teilweise behaupteten Verfehlungen einer Reihe von Führungskräften und Mitarbeitern». Durch seinen Weggang sei «unser Unternehmen allmählich wieder aus den Schlagzeilen und in ruhigeres Fahrwasser zu bringen», hofft der Manager.

«Rechtschaffenheit und Verbindlichkeit»

Hintergrund:
Sein Stellvertreter Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank , erklärte, der Aufsichtsrat habe die Entscheidung «mit großen Bedauern und Respekt zur Kenntnis». Nachfolger Cromme stellte fest, von Pierer habe «die Interessen des Unternehmens, seiner Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter über seine persönlichen gestellt» – das verdient «höchste Anerkennung». Vorstandschef Klaus Kleinfeld sagte, er habe mit seinem Vorgänger «immer Rechtschaffenheit und Verbindlichkeit verbunden. Das war so, und das gilt gerade in diesem schwierigen Zeiten.» Wodurch genau der Druck auf von Pierer so groß wurde, dass er zurücktrat, obwohl er diese Forderung bislang stets zurückwiesen hatte, bleibt indes offen. (nz)
 
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