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Googles Römisches Reich

17. Apr 2007 12:43
Nach Youtube schnappt sich Google nun Doubleclick
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Nach Youtube nun Doubleclick: Googles Einkaufstour beschert dem Internet-Kraken einen weiteren Arm. Doch tatsächlich verteidigt sich der Suchmaschinenbetreiber nur gegen Microsoft, meint Kai Makus.

Dass in Deutschland nur wenige Menschen je von Doubleclick gehört haben, mag daran liegen, dass die Kunden des Online- Werbevermarkters vor allem in den USA zu suchen sind. Erst die geplante Übernahme durch Google macht das Unternehmen auch hierzulande bekannter – die gebotenen 3,1 Milliarden Dollar sind nicht wenig für eine Firma, deren Jahresumsatz auf höchstens 300 Millionen Dollar geschätzt wird.

Doch mit einer neuen Internet-Blase, die einige schon bei der Übernahme des Videoportals Youtube durch den Suchmaschinenbetreiber heraufziehen sahen, hat dieser Kauf nichts zu tun. Vielmehr ist das Geschäft – auch zu diesem Preis – eine ganz rationale Entscheidung des Managements um Vorstandschef Eric Schmidt. Google hält so nämlich den gefährlichste Konkurrenten zumindest für einige Monate im Kerngeschäft Online-Werbung auf Distanz: Microsoft.

Häme für Microsoft Wettbewerbssorgen

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Das erklärt vielleicht auch die merkwürdige Reaktion des weltgrößten Softwarehersteller: Unter hämischen Kommentaren der Presse rannte nämlich ausgerechnet Microsoft sofort nach Bekanntgabe der Doubleclick-Pläne zum US-Kartellamt – mit dem der Konzern bekanntlich selbst jahrelang Schwierigkeiten hatte. Gleich auf 80 Prozent setzten die Microsoft-Anwälte die neue Marktmacht von Google auf dem Online-Werbemarkt an. Das gleicht aber nicht einmal annähernd dem Marktanteil, den Windows weltweit unter den Betriebssystemen für sich beansprucht.

Dennoch sollen die Wettbewerbshüter hier einschreiten, lautet die Forderung aus Redmond, Washington. Denn der Wettbewerb im Online-Geschäft mit Reklame sei in Gefahr, warnt Microsoft. Wäre der Konzern nicht bei einem Gebot von etwa zwei Milliarden Dollar aus dem Bieterwettbewerb um Doubleclick ausgestiegen, hätte das sicher anders geklungen. Denn Microsoft wollte so die Strategie fortführen, sich ins Internetgeschäft einzukaufen - nachdem der damals noch für das operative Geschäft zuständige Gründer Bill Gates den Trend ins Netz lange verschlafen hatte.

Was will Google mit Doubleclick?

Eric Schmidt sichert die Jobs der Mircrosoft-Programmierer Foto: Google
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Nun müssen die Microsoft-Techniker also selbst ran – ähnlich wie bei anderen Internet-Technologien, etwa Such-Algorithmen oder einem System, das Werbung auf bestimmten Web-Sites einblendet. Bei beidem ist Google derzeit so führend, dass weder Microsoft noch Yahoo auch nur daran denken, den Marktführer einzuholen: Im Februar kam die Zahl der Suchanfragen bei Yahoo und Microsoft zusammen genommen nicht einmal auf ein Drittel der knapp 15 Milliarden, von denen Google zu berichten wusste.

Stellt sich also die Frage, was Google mit Doubleclick will – wenn die Kartellbehörde das Geschäft denn freigibt. Bislang war der Suchmaschinenbetreiber darauf spezialisiert, textbasierte Reklame passend zu den jeweiligen Anfragen anzuzeigen. Mit Doubleclick sollen nun grafische Anzeigen hinzukommen, auf die die Firma spezialisiert ist – und gleich noch die Geschäftskontakte zu den Agenturen. Denen gibt Doubleclick Software an die Hand gibt, mit denen der Erfolg solcher Display-Werbung nachvollziehbar wird.

Microsoft im Hinterhof

Hintergrund:
Für die Kartellbehörden – möglicherweise auch die in Brüssel, sollte das Microsoft-Ansinnen in den USA durchfallen – wird entscheidend sein, ob sie diese beiden Teil- Werbemärkte gemeinsam betrachten. Dann könnte der in Redmond errechnete Wert von 80 Prozent Marktmacht nämlich hinkommen und die Wettbewerbshüter zum Eingreifen zwingen.

Dass dem nicht so sein muss, zeigen die gelassenen Reaktionen aus der Werbebrache selbst: Von Panik, künftig nur noch über einen Anbieter Reklame im Netz platzieren zu können, ist dort nicht zu spüren. Schließlich habe es bislang noch keinen gegeben, der eine wirkliche Konsolidierung unter den Werbern geschafft habe – oder diese Position halten konnte, zitierte die «Financial Times» den Chef des Doubleclick-Konkurrenten 24/7 Media, Dave Moore.

Tatsächlich dürften die Bäume für Google nicht in den Himmel wachsen, wenn die Übernahme schließlich gelingt. Das zeigt schon allein der Aktienkurs, der sich von dem geplanten Geschäft kaum bewegt zeigte. Letztlich gehe es nicht darum, ob für Doubleclick zu viel bezahlt werde, meint etwa Analyst David Bradshaw von der Beratungsfirma Ovum: Google gehe es vor allem darum, «Microsoft aus dem eigenen Hinterhof fernzuhalten», urteilt der Experte – auch wenn ihm die Ansicht, dass Microsoft damit das Online- Werbegeschäft gänzlich abschreiben können, für zu weit gehend hält.

Google-«Römer» gegen «Myspace»-Murdoch

Rupert Murdoch schnappte sich Myspace Foto: dpa
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Das Geschäftsmodell, das sich hinter dem Google-Angebot für Doubleclick verbirgt, könnte daher nicht viel besser sein als jenes, welches den Suchmaschinenbetreiber zum Kauf von Youtube steckte: besser gleich zuschlagen, egal zu welchem Preis, bevor es ein anderer (im Fall der Videoplattform: Rupert «Myspace» Murdoch) tut. Dann hätte Google eben ein paar von den vielen Milliarden, die der Konzern durch den Börsengang angesammelt hat, ausgegeben, um seine Position zu festigen.

Damit hat Google Erfahrung bei anderen Angeboten, etwa kostenlos abgegebenen Büro- oder Bildersoftware oder Kostenlos-Diensten wie Gmail oder Google Earth. Die Online-Werber jedenfalls nehmen es gelassener als Microsoft: Mit dem Doubleclick-Kauf fahre Google lediglich damit fort, «ein Römisches Reich aufzubauen», scherzt 24/7-Chef Moore. «Wir wissen alle, was mit dem passiert ist.»

 
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