Siemens verschiebt VDO-Abspaltung
11. Apr 2007 22:30
 |  Bremsscheiben von Siemens VDO | Foto: dpa |
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Siemens löst sich erst später von der Zulieferer-Sparte VDO. Mit der Schmiergeldaffäre habe das aber ebensowenig zu tun wie mit Widerstand der Belegschaft, bekräftigt der Konzern.
Der krisengeschüttelte Elektrokonzern Siemens
muss nach den Verzögerungen beim Joint Venture mit Nokia nun auch die Ausgliederung des Automobil-Zulieferers VDO verschieben. Statt wie bisher vorgesehen zum 1. Mai solle die Abspaltung des Geschäftsfeldes zum 1. Juni erfolgen, sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwochabend in München.Er bestätigte damit einen Bericht der «Süddeutschen Zeitung». Grund seien steuerliche Angelegenheiten. Die Verzögerungen hätten jedoch keinen Einfluss auf die weitere Planung des Teil-Börsenganges von VDO. «Daran wird weiter mit Hochdruck gearbeitet», sagte der Sprecher.
Zur VDO-Abspaltung hieß es in der Zeitung unter anderem, offenbar sei Siemens auch wegen Verzögerungen bei den Gesprächen zwischen Management und Arbeitnehmervertretern gezwungen gewesen, den Zeitplan für die VDO-Ausgliederung aufzugeben. Dies wies der Siemens-Sprecher jedoch zurück. «Die Gründe stimmen nicht», sagte er. Die Abspaltung des Geschäftsbereichs lasse sich theoretisch auch ohne die Zustimmung der Arbeitnehmervertreter durchführen.Es gehe vielmehr darum, dass VDO bisher noch stark mit dem Konzern verwoben sei und «steuerlich hochkomplexe Angelegenheiten» geklärt werden müssten. Der Siemens-Aufsichtsrat hatte Ende Januar entschieden, VDO als nicht zum Kernbereich zählende Sparte wieder aus der Siemens AG auszugliedern und einen Teil-Börsengang vorzubereiten.
Siemens: Kein Zusammenhang mit Affäre
Siemens strebt nach bisherigen Angaben einen Verkauf von bis zu 49 Prozent des Geschäftsbereichs über die Börse an. Auch ein Verkauf des Geschäftsfeldes sei aber offenbar noch nicht vom Tisch, hieß es in dem Bericht. Erst kürzlich hatte die IG Metall angesichts der Skandalserie bei Siemens um Schwarze Kassen und dubiose Zahlungen an den früheren Siemens-Betriebsrat Wilhelm Schelsky eine Atempause beim Konzernumbau gefordert und dabei ausdrücklich auf VDO verwiesen.Konzernchef Klaus Kleinfeld sei nicht gut beraten, wenn er trotz aller Turbulenzen die Ausgliederung des Autozulieferers gegen den Widerstand der Beschäftigten vorantreibe, hatte der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer erklärt. Mit diesen Forderungen und mit der Schmiergeldaffäre generell stünden die Verzögerungen aber in keinerlei Zusammenhang, sagte der Siemens-Sprecher. Wegen der Affäre um schwarze Kassen war das Joint Venture von Nokia und Siemens in der Telekomausrüstung mit Verspätung an den Start gegangen.
Cromme will Aufsichtsrat nicht führen
Wie die «Süddeutsche Zeitung» zudem berichtete, will der frühere ThyssenKrupp-Chef Gerhard Cromme nicht Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens werden. «Cromme steht nicht zur Verfügung», sagte eine mit dem Unternehmen vertraute Person dem Blatt. Die Führung des Kontrollgremiums bei Siemens sei ein Vollzeit-Job. Cromme habe als Chef des Aufsichtsrates von ThyssenKrupp und als Vorsitzender der Regierungskommission Corporate Governance aber bereits genug zu tun.Wegen der Schmiergeldaffäre wächst der Druck auf Siemens-Aufsichtsrats-Chef Heinrich von Pierer. Bisher hat Pierer einen Rücktritt abgelehnt. Cromme war als Nachfolger ins Gespräch gebracht worden. Er gehört seit 2003 dem Siemens-Aufsichtsrat an und leitet den Prüfungsausschuss, der die Aufklärung der Korruptionsaffäre steuert. (nz/dpa)