«Learning by doing» im Daimler-Management
04. Apr 2007 14:50
 |  Musste sich kritischen Fragen stellen: Dieter Zetsche | Foto: dpa |
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Chrysler wurde von den steigenden Spritpreisen in den USA überrascht, verteidigt Konzernchef Zetsche die Krise. Aktionäre widersprechen - doch ihre Kritik gilt insgesamt einem anderen.
Der Mann, gegen den sich die scharfe Kritik der Aktionärsvertreter in erster Linie richtete, war auf der Hauptversammlung von DaimlerChrysler
überhaupt nicht anwesend: Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK) nutzte das Aktionärstreffen des Autokonzerns zu einer Generalabrechnung mit dem früheren Management um den damaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp.
Das Zusammengehen von Daimler-Benz mit Chrysler im Jahr 1998 sei «von vorne bis hinten eine einzige Fehlentscheidung» gewesen, rügte SDK-Vertreter Lars Labryga in der Berliner Messehalle. Der Vorstand um Schrempp habe sich viele Fehler zuschulden kommen lassen und sei nach dem Prinzip «Learning by Doing» vorgegangen. «Was die 'Welt AG' angeht, stehen wir vor einem Scherbenhaufen, wie er größer nicht sein könnte», sagte Labryga mit Bezug auf eine frühere Äußerung Schrempps.Ähnlich kritisch äußerte sich Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Chrysler Group hänge «seit Jahren wie ein Mühlstein am Hals des Konzerns» und habe den Aktienkurs von DaimlerChrysler «gemessen an den verschiedensten Indizes eher dümpeln lassen». Dabei verwies Schmitz auf das bei der Sparte Mercedes deutlich besser laufende Geschäft.
Spritpreis-Auftrieb vorherzusehen?
 |  Jürgen Schrempp | Foto: dpa |
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Darauf hatte schon der heutige Vorstandschef, Dieter Zetsche, in seiner Rede vor den Aktionären hingewiesen. Mercedes hatte seinen Verlust von einer halben Milliarde Euro im Jahr 2005 im vergangenen Jahr in einen operativen Gewinn von 2,4 Milliarden Euro verwandelt. Zur jüngsten Krise bei Chrysler sagte Zetsche, die Nachfrage in den USA habe sich wegen steigender Spritpreise «unvorhersehbar» hin zu kleineren und sparsamen Autos verschoben – dies habe Chrysler mit seinen vielen Jeep- und Pick-up-Modell besonders hart getroffen.Dem widersprach der Repräsentant der Fondsgesellschaft DWS, Henning Gebhardt. Die Entwicklung sei durchaus absehbar gewesen, meinte Gebhardt. Er forderte – wie andere Aktionärsvertreter – ein Ende der Ehe von Daimler und Chrysler. Obwohl es zwischenzeitlich nach einer Erholung bei der US-Sparte ausgesehen habe, sei mittlerweile der Eindruck entstanden, «dass Chrysler dauerhaft den Anschluss zu verlieren droht».
Gebhardt nahm auch die Kursentwicklung der DaimlerChrysler-Aktie aufs Korn. Die «erfreuliche Ankündigung» Zetsches im Februar, für die US-Sparte alle Optionen prüfen zu wollen, habe zwar zu der jüngsten Kursrally geführt. Tatsächlich sei der Kurs seit der Fusion mit Chrysler im Jahr 1998 um fast 30 Prozent gefallen – eine «traurige Bilanz», so der DWS-Vertreter.
Aktionäre haben schon entschieden
Auch die DSW nahm Bezug auf den deutlichen Kursanstieg der vergangenen Wochen. Damit sei das Votum der Aktionäre im Hinblick auf die Chrysler-Zukunft längst abgegeben, kommentierte DSW-Vertreter Schmitz. «Was nun eigentlich noch fehlt, ist die Exekution der Entscheidung durch das Management.»Hier zaudere der Vorstand aber noch, was nicht nachvollziehbar sei, ergänzte Schmitz. «Ein Verbleib von Chrysler im Konzern ist nach den Reaktionen des Marktes keine Option mehr. Sie haben nur noch die Möglichkeit, die Trennung selber durchzuführen oder ein Finanzinvestor kommt und macht diesen Job – dann aber ohne Sie», sagte Schmitz in Zetsches Richtung.
Nullsummenspiel
Der Konzernchef hatte zuvor die Aktionäre um Geduld gebeten. Er bestätigte lediglich, dass das Unternehmen «mit einigen der potenziellen Partner, die klares Interesse bekundet haben», Gespräche führe. Nähere Angaben machte er nicht. Das Management halte sich nach wie vor alle Optionen offen, um den «größtmöglichen Handlungsspielraum» zu haben.In Medienberichten wurden der kanadische Zulieferer Magna sowie die Finanzinvestoren Cerberus und Blackstone als Interessenten genannt. Dem Vernehmen nach soll es auch Gespräche zwischen Chrysler und General Motors gegeben haben. Der mögliche Verkaufspreis wird auf bis zu neun Milliarden Dollar taxiert. Gregor Claussen, Analyst der SEB-Bank, sprach allerdings – angesichts von milliardenschweren Gesundheits- und Pensionsverpflichtungen – von einem Nullsummenspiel: «Wenn man sich Chrysler genau anguckt, stellt man fest, dass das Unternehmen an sich nichts wert ist», sagte Claussen der Agentur AP.
Die Kritischen Aktionäre von DaimlerChrysler (KADC) warnten indes vor übereilten Entscheidungen. Es gehe nicht um einen möglichst schnellen Verkauf, es müssten auch die Interessen der Chrysler-Beschäftigten berücksichtigt werden, sagte KADC-Sprecher Alexander Dauensteiner dem WDR.
Für das Web ediert von Matthias Breitinger