Zetsche bestätigt lediglich «Gespräche»
04. Apr 2007 11:12
DaimlerChrysler-Chef Zetsche bittet die Aktionäre um Geduld, was die Zukunft von Chrysler betrifft. Die ist jedoch bei einigen schon längst am Ende.
Einen «Ruck» haben sich verschiedene Aktionäre gewünscht, als sie Dieter Zetsche im Jahr 2006 auf der Hauptversammlung begrüßten. Dass der «Ruck» nur ein Jahr später einen möglichen Verkauf der Chrysler-Group beinhalten könnte, hat damals wohl niemand gedacht.
Ob es wirklich dazu kommen wird, ist noch offen: Zetsche bestätigte am Dienstag in Berlin erstmals, dass Gespräche mit Interessenten geführt werden. Das war aber auch schon alles, was der Konzern-Chef den Aktionären an Neuem präsentierte. Das Unternehmen wolle die «beste Lösung». Ob dies einen kompletten Verkauf oder nur ein Teilverkauf beinhaltet, bleibt offen.Zetsche betonte lediglich, dass die Kooperation von Chrysler mit Mercedes in jedem Fall fortgeführt werden soll. Das Management halte sich nach wie vor alle Optionen offen, um den «größtmöglichen Handlungsspielraum» zu haben, sagte er.
Die Aktionäre hatten sich im Vorfeld mehr erhofft und den Druck auf Zetsche erhöht: «Zetsches Sanierungspolitik ist kläglich gescheitert», heißt es von den kritischen Aktionären. Sie machen ihn für die misslungene Integration von Chrysler, eine verfehlte Modellpolitik und mangelndes ökologisches Denken persönlich verantwortlich.
Die xte Restrukturierung
Ein Komplettverkauf von Chrysler käme auch einer Niederlage für Zetsche gleich. Hat er doch jahrelang als Chef von Chrysler daran gearbeitet, den amerikanischen Arm des Konzerns profitabel zu machen. Das im Februar angekündigte Restrukturierungs- Programm ist der letzte in einer lange Reihe von Versuchen, die Wende bei Chrysler zu schaffen. Zetsche ist überzeugt, das es diesmal möglich ist.Als Interessenten für Chrysler gelten der kanadische Zulieferer Magna sowie die Finanzinvestoren Cerberus und Blackstone. Als möglicher Verkaufspreis werden bis zu neun Milliarden Dollar genannt.
Grundbedingung bei allen möglichen Optionen sei die Umsetzung des Sanierungsplans, sagte Zetsche. Das Sparprogramm, das unter anderem den Abbau von 13.000 Arbeitsplätzen bis 2009 vorsieht, soll Chrysler wieder profitabel machen, nachdem im vergangenen Jahr ein Milliardenverlust angefallen war. Darüber hinaus gelte es, die Finanzkraft des Konzerns zu stärken, für eine klare strategische Ausrichtung zu sorgen und die beste Lösung für die Mitarbeiter zu finden. «Mit dem Prozess bin ich bislang zufrieden. Alles läuft nach Plan.»
Chrysler schwächelt auch im März
Aber auch im März lief es alles andere als gut bei Chrysler: Die Absatzzahlen der US-Tochter gaben erneut nach. Während Mercedes-Benz auf dem US-Markt leicht zulegte, verkaufte Chrysler weniger Autos. Zetsche bestätigte auch frühere Zielvorgaben des Konzerns. So soll die Mercedes Car Group (Mercedes, Smart, Maybach) in diesem Jahr eine Umsatzrendite von mindestens sieben Prozent erwirtschaften. Gleiches gilt im Schnitt für die Truck Group, hier allerdings sind zyklische Schwankungen eingeplant. In diesem Jahr sei vor allem in den USA und Japan mit einem deutlichen Rückgang des Marktes zu rechnen. Der defizitäre Kleinwagenbauer Smart soll operativ in die schwarzen Zahlen fahren. (nz)