Industrie will Raubkopierer öffentlich machen
29. Mrz 2007 15:45
 |  Werden immer beliebter: MP3-Player | Foto: dpa |
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Zum zehnten Mal in Folge muss die Musikindustrie in Deutschland einen Umsatzrückgang verkraften. Wer daran Schuld trägt, ist für die Branche eindeutig.
Die Talfahrt der deutschen Musikindustrie hat sich im vergangenen Jahr wieder beschleunigt. Der Branchenumsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurück, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Phonoverbände, Peter Zombik, am Donnerstag in Berlin. Der Trend hält bereits seit einem Jahrzehnt an.
Trotz der Tauschbörsen mit ihren kostenlosen Angeboten liegt die Hoffnung der Musikindustrie auf dem Internet. 2006 seien die Umsätze mit heruntergeladener Musik um 40 Prozent auf 42 Millionen Euro gestiegen. Die Zahl der Raubkopien aus dem Internet ging dagegen zurück. Der Schaden wird auf einen dreistellige Millionenbetrag jährlich geschätzt. Die Internet-Piraterie sei binnen Jahresfrist von 412 Millionen auf 384 Millionen Musik-Downloads gesunken. «Auf einen legalen Download kommen aber immer noch 14 illegale», sagte Zombik. Wie der Verband auf die Zahlen kommt, wurde nicht bekannt. Auch das zunehmende Brennen privater CDs mache der Branche zu schaffen. Das Internet sei mit einem Umsatzanteil von fast 18 Prozent nach den Elektrofachmärkten zum zweitwichtigsten Vertriebskanal geworden.
Jede Rechtsverletzung verfolgen
Um das kostenlose Herunterladen künftig zu stoppen, müsse «jede Rechtsverletzung verfolgt» werden. Unternehmen solle dazu erleichtert werden, die Urheber ausfindig zu machen, forderte Zombik. Auf Anfrage eines Musik-Unternehmens müssten Internet-Anbieter Beschuldigte um die Erlaubnis bitten, ihre persönlichen Daten preisgeben zu dürfen. «Wenn er das verweigert, wollen wir vor Gericht ziehen.» Der Vorstandschef der Phonoverbände, Michael Haentjes, rechnet mit Schadenersatzforderungen «im deutlich siebenstelligen Bereich». Der Erlös aus diesen Forderungen solle unter anderem in Musikunterricht an Schulen fließen, in dem auch über die Musikindustrie informiert werden solle. Dieses Jahr seien 15.000 Strafverfahren eingeleitet worden. Haentjes kritisierte erneut die geplante Deckelung von Abmahngebühren für Privatpersonen von 50 Euro.
Bund arbeitet an Gesetzentwurf
Der Verband der Internetwirtschaft (eco) lehnte dagegen eine Herausgabe von Daten Beschuldigter ohne richterlichen Beschluss ab. «Das gewährleistet Rechtssicherheit für die Provider», sagte eco- Vorstandsmitglied Oliver Süme. Der Bund arbeitet zurzeit an einem Gesetzentwurf gegen Produktpiraterie. Die Musikindustrie hat im vergangenen Jahr laut Zombik 85 Prozent der Erlöse mit CDs erzielt. Der Umsatz ging aber um fast vier Prozent auf rund 1,4 Milliarden Euro zurück. Gegen den Trend legte der Absatz von klassischer Musik um sechs Prozent zu. Insgesamt wurden 186 Millionen Tonträger verkauft. Die Phonoverbände haben nach eigenen Angaben rund 350 Mitglieder, die mehr als 90 Prozent des deutschen Musikmarktes abdecken. (dpa)