netzeitung.deNeuer Skandal erschüttert Siemens-Spitze

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Lupe Neuer Skandal erschüttert Siemens-Spitze

Aus einer Schmiergeld-Affäre bei Siemens sind zwei geworden. Die Staatsanwaltschaft nahm Zentralvorstand Feldmayer bei einer Durchsuchung verschiedener Standorte in Haft.

Die Staatsanwaltschaft München hat den Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer in Untersuchungshaft genommen. Der Manager sei am Dienstag in München im Zuge einer neuen Razzia verhaftet worden, bestätigte ein Siemens-Sprecher einen Bericht des «Handelsblatts».

Damit muss sich Siemens mittlerweile in zwei Schmiergeld-Affären zur Wehr setzen. Erstmals wurde dabei auch ein aktiver Zentralvorstand verhaftet. «Wir sind weiter an einer umfassenden Aufklärung interessiert und kooperieren voll mit der Staatsanwaltschaft», ließ Siemens mitteilen.

Feldmayer ist im Vorstand unter anderem für die Bereiche Siemens IT Solutions and Services, Siemens Building Technologies AG (SBT), Siemens Real Estate (SRE), Corporate Information Office (CIO) und Global Shared Services (GSS) Europa, einschließlich Regionalorganisation Deutschland (RD) verantwortlich.

AUB-Chef Schelsky zurückgetreten
Die Verhaftung Feldmayers steht im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen den früheren Siemens-Betriebsrat Wilhelm Schelsky, der ebenfalls verhaftet worden war. Siemens soll mehr als 14 Millionen Euro an Beratungsfirmen des Bundesvorsitzenden der als Arbeitgeber freundlich geltenden Unabhängigen Arbeitnehmervertretung (AUB) gezahlt haben. Es bestehen aber laut dem Unternehmen Zweifel daran, ob dem entsprechende Gegenleistungen gegenüberstanden. Der Vertrag mit Schelsky war laut früheren Siemens-Angaben von Feldmayer unterschrieben worden.

Schelsky trat am Dienstag von seinem Amt als AUB-Chef zurück. «Vor dem Hintergrund der Entwicklung der letzten Wochen wird sich die AUB neu ausrichten», teilte die stellvertretende AUB-Bundesvorsitzende Ingrid Brandt-Hückstädt, am Abend in Nürnberg mit.

Nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» wird auch gegen den ehemaligen Finanzvorstand und Aufsichtsratsvorsitzenden Karl-Hermann Baumann ermittelt. Siemens-Vorstand Feldmayer, Baumann und weitere Führungskräfte sollen nach weiteren Informationen der Zeitung dafür verantwortlich sein, dass Schelsky seit 2001 fast 34 Millionen Euro Beraterhonorare erhalten haben, ohne angemessene Gegenleistungen zu erbringen.

IG-Metall-Konkurrent AUB im Visier
Über mehrere gut dotierte Beraterverträge sollen Millionensummen an einen früheren Leitenden Angestellten geflossen sein, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) ist.

Die AUB ist in vielen Betriebsräten des Konzerns vertreten und hat auch einen Vertreter in den Aufsichtsrat entsandt. Dort konkurriert sie mit von der IG Metall entsandten Mitgliedern.

Davon unabhängig ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen ehemalige Siemens-Manager. Laut bisherigen Ermittlungen soll eine Gruppe von teils hochrangigen Siemens-Mitarbeitern mindestens 200 Millionen Euro unterschlagen und im Ausland als Schmiergeld eingesetzt haben. Siemens selbst geht sogar verdächtigen Zahlungen von bis zu 420 Millionen Euro nach. (nz)