netzeitung.deDas langsame Sterben der Compact Disc

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Auch Norah Jones leidet (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Auch Norah Jones leidet
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Tage der klassischen CD sind gezählt - im ersten Quartal brachen die US-Verkäufe um 20 Prozent ein. Experten gehen davon aus, dass sie zum schieren Marketing-Instrument verkommt.

Der seit rund sieben Jahren anhaltende Rückgang bei den CD-Verkäufen hat sich Anfang 2007 noch einmal drastisch verschärft: Die Zahl der in den USA verkauften Compact Discs sank nach einem Bericht des «Wall Street Journal» um 20 Prozent auf rund 81 Millionen.

Das langsamen Sterben der CD zeigt sich auch an den Charts: Mittlerweile reichen in den Vereinigten Staaten schon 65.000 verkaufte Scheiben, um auf Platz 1 zu landen. Vor einigen Jahren waren eine halbe Million nichts Ungewöhnliches.

Die Hintergründe sind allseits bekannt: Das Internet ermöglicht es dem Verbraucher, leichter und auch kostengünstiger an Musik zu kommen. Allein der US-Computerkonzern Apple hat mehr als 100 Millionen iPods verkauft. Mit diesen MP3-Playern lässt sich Musik aus dem Internet – genauer: aus Apples Musikladen iTunes – abspielen. Auf der heimischen Stereo-Anlage ist das mit diesen Stücken nur schwer möglich.

Branchen-Kenner gehen deshalb davon aus, dass die Tage der CD gezählt sind. «Die Umsätze sind so stark gefallen, dass ich die CD nur noch als Teil des Marketings sehe», sagt Musik-Produzent Jeff Rabhan dem Wirtschaftsblatt. Hohe Umsätze ließen sich mit ihnen nicht mehr erzielen.

Gewinne brechen ein
Bisher haben die großen Musik-Konzerne noch keine Antwort auf die sinkenden CD-Verkäufe gefunden. Der digitale Absatz wächst zwar rasant, kann den Rückgang bei CDs aber nicht kompensieren. Ein Grund: Ein Großteil der Musik aus dem Netz wird illegal herunter geladen – fast jedes Album oder Musikstück ist auf irgendeinem Tauschnetzwerk kostenlos zu haben. Marktforscher gehen davon aus, dass pro Monat eine Milliarde Lieder illegal im Netz getauscht werden.

Wie schwierig die Situation ist, zeigte der jüngste Streit zwischen Apple und den Musik-Konzerne über eine generelle Abschaffung des Kopier-Schutzes. Die Entwicklung schlägt direkt auf die Ergebnisse der großen Musik-Konzerne durch: Warner Music musste für das vierte Quartal einen Gewinnrückgang um 74 Prozent ausweisen – Besserung ist nicht in Sicht.

Zusätzlich zu den rückläufigen Verkaufszahlen kommt noch ein Preiskampf, der gerade durch die großen Einzelhandels-Ketten wie Wal-Mart vorangetrieben wird. In den USA musste im vergangenen Jahr sogar eine klassische Kette von Musik-Geschäften dicht machen: Tower Records konnte dem Druck der Einzelhändler nicht standhalten und meldete Insolvenz an.

Auch die großen Stars der Musik-Branche haben unter der Entwicklung zu leiden. Das neue Album von Norah Jones «Not to Late» verkaufte sich bisher 1,1 Millionen Mal. Was nach viel klingt, ist jedoch wenig: Vom Vorgängeralbum «Feels like Home» wurden 2004 noch 2,2 Millionen Kopien verkauft. (nz)