netzeitung.dePost hängt am Briefmonopol

 Herausgeber: netzeitung.de

Neben Post-Filialen soll es künftig auch Postpoints geben. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Neben Post-Filialen soll es künftig auch Postpoints geben.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Am Grundangebot der Post soll sich zwar nichts ändern, beteuert Konzernchef Zumwinkel. Doch das Unternehmen testet Postpoints: Verkaufsstellen mit abgespeckter Leistung.

Die Deutsche Post
will eine neue Variante von Verkaufsstellen mit abgespecktem Angebot erproben. Vorstandschef Klaus Zumwinkel kündigte am Dienstag in Bonn an, die so genannten Postpoints sollten ab April in Bonn und Dortmund getestet werden. In Kooperation mit dem Einzelhandel wolle die Post dort «die am meisten nachgefragten Produkte anbieten».

Der Test soll ein halbes Jahr lang laufen, wie Vorstandsmitglied Hans-Dieter Petram erläuterte Der Postpoint solle gängige Post- Dienstleistungen bieten, aber beispielsweise «nicht das Einschreiben mit Rückschein nach Nigeria». Die neue Variante solle als zusätzliches Angebot zu den bestehenden mehr als 12.000 Postfilialen und Postagenturen vor allem Privatkunden ansprechen. Zumwinkel sicherte aber zu, dass die Post ihr Grundangebot für die Bevölkerung etwa mit Filialen, Briefkästen und der Samstagszustellung auch weiterhin «flächendeckend» mit dem «heutigen Standard» gewährleisten werde.

Die Deutsche Post rechnet in diesem Jahr mit einem Rückgang beim Briefgeschäft in Deutschland. Einbußen hierzulande hat der Konzern mit einer Ausweitung seines Briefgeschäfts und Expansion ins Ausland vorgebaut. «Schon heute erwirtschaften wir rund 60 Prozent unserer Umsätze im Ausland und mehr als die Hälfte des operativen Gewinns mit Dienstleistungen außerhalb des Unternehmensbereichs Brief», sagte Zumwinkel.

Post will Briefmonopol über 2007 hinaus behalten
Erstmals sei 2006 auch mehr als die Hälfte des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) außerhalb des Briefsegments erwirtschaftet worden. Zumwinkel forderte die Bundesregierung auf, das Rest-Briefmonopol seines Unternehmens über das Jahresende hinaus gelten zu lassen. Gleiche Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb in Europa seien offenbar vorerst nicht zu erreichen, sagte der Post-Chef.

In Deutschland läuft das noch für Briefe unter 50 Gramm bestehende Monopol der Post nach geltender Rechtslage am 31. Dezember 2007 aus. Zumwinkel betonte, die Deutsche Post befürworte den freien Wettbewerb. Allerdings sei ein europäischer Gleichklang nötig, der nicht absehbar sei. Es gebe inzwischen «deutliche Vorzeichen», dass die Nachbarländer im Westen und Süden eine vollständige Marktöffnung gar nicht wollten.

Kritik an Dumping-Konkurrenz
Erneut kritisierte er einen unfairen Wettbewerb mit inländischen Konkurrenten, die Dumpinglöhne zahlten. Entgegen den Vorgaben des Postgesetzes hielten die Wettbewerber zum Teil die sozialen Mindeststandards nicht ein, rügte Zumwinkel.

Die Entwicklung sei absurd, meinte Zumwinkel: Einige Wettbewerber zahlten so wenig, dass ihre Mitarbeiter auf zusätzliche Transferleistungen des Staates angewiesen seien, bekräftigte Aussagen aus einem Interview auf Netzeitung.de. Behörden gäben solchen Unternehmen wegen der niedrigen Preise den Vorzug. Die Öffentliche Hand spare also bei den Transportkosten, zahle den Zustellern der Dumping-Anbieter zugleich aber Sozialleistungen.

20 Prozent weniger Arbeit?
«Wir werden um jeden einzelnen Brief bis zum letzten Blutstropfen kämpfen», rief Zumwinkel aus. Er warnte, der Post könnte ein Umsatzrückgang beim Brief von etwa 20 Prozent drohen. Dann stünden rund 32.000 Arbeitsplätze im Konzern auf dem Spiel. «Das entspricht der Anzahl aller in Deutschland im Steinkohlebergbau Beschäftigten», versuchte Zumwinkel die Dimension zu verdeutlichen.

Bisher habe die Post betriebsbedingte Kündigungen vermeiden können. Das könnte sich ändern: «Wenn wir 20 Prozent Marktanteil durch Lohndumping verlieren, haben wir 20 Prozent weniger Arbeit für unsere 160.000 Mitarbeiter beim Brief.» Zumwinkel rügte die Bundesnetzagentur und das Bundeswirtschaftsministerium, die nicht gegen Dumpinglöhne bei der Post-Konkurrenz vorgingen. (nz)