Durch 9/11 Millionen verdient
07.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
In dem sich immer weiter ausbreitenden Skandal um manipulierte Options- Geschäfte ermittelt die US-Wertpapieraufsicht SEC mittlerweile gegen 140 Unternehmen. 70 Manager wurden bereits gefeuert oder mussten zurücktreten. Optionsgeschäfte geben dem Inhaber das Recht, Aktien zu einem bestimmten festgesetzten Preis zu erwerben meist der Schlusskurs der Aktien, an dem die Option ausgegeben wurde.
So hat beispielsweise der US-Chipmaschinen-Hersteller KLA-Tencor mindestens elf Vorständen am 2. Oktober 2001 Optionen auf mehrere Hunderttausend Aktien gewährt zu einem Zeitpunkt, als die Halbleiterbranche ihren absoluten Tiefpunkt an der Börse erreicht hatte. Eine Aktie von KLA-Tencor kostete am 10. September 2001 noch 44,20 Dollar - am 2. Oktober war sie für nur noch 29,31 Dollar zu haben.
KLA-Tencor räumte dem «WSJ» zufolge kürzlich ein, dass einige der Optionsgeschäfte später abgeschlossen und rückdatiert worden seien. Am meisten profitierte der frühere Konzernchef Kenneth Schroeder: Er hatte Optionen auf 341.000 Aktien erhalten - durch die Manipulation kassierte er zusätzlich fast 5,5 Millionen Dollar. Die unzulässige Datierung ließ das private Vermögen der Begünstigten um insgesamt zwölf Millionen Dollar anschwellen, berichtete das Wirtschaftsblatt. Schroeder trat im Oktober 2005 als CEO zurück - und wurde ein Jahr später auch aus seiner daran anschließenden Beraterposition geworfen.
Der 11. September sei für «Rückdatierer» eine attraktive Zeit gewesen, stellt das «WSJ» fest. Nach den Anschlägen waren die US-Börsen bis 14. September geschlossen. Nach der Wiedereröffnung rutschte der Leitindex Dow Jones um 14 Prozent ab. Die erste Woche nach den Anschlägen war die schlimmste für die US-Standardwerte seit dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich im Jahr 1940.
«Sich einen Vorteil aus einer nationalen Tragödie zu verschaffen, ist eine überaus emotionale Sache und das wird ganz sicher auch bei den Richtern und den Geschworenen mitschwingen», sagte Rechtsanwalt Joel Bernstein, dessen Kanzlei mehrere Vorstände und Direktoren zwei führender US-Unternehmen in dieser Sache verklagt hat. (nz)

