netzeitung.deDie Bahn kommt - in diesem Jahr oft später

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Bahn-Vorstand Stefan Garber (Foto: bahn.de<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bahn-Vorstand Stefan Garber
Foto: bahn.de
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Bahn-Fahrer sind an ihn gewöhnt: Max Maulwurf. 2007 wird er häufig auf Baustellen hinweisen - von einem maroden Netz will die Bahn aber nichts wissen, berichtet Marcus Gatzke .

Die Bahn wird 2007 ihr Schienennetz «umfassend» modernisieren. Am Freitag stellte der Konzern sein Konzept «Pro-Netz» der Öffentlichkeit vor und trat dabei dem Vorwurf entgegen, die Infrastruktur der Bahn sein in einem schlechten Zustand: «Unser Netz ist nicht marode», sagte der zuständige Infrastruktur- Vorstand Stefan Garber.

Trotzdem muss die Bahn in diesem Jahr gerade an einigen wichtigen Hauptstrecken Reparaturen vornehmen. Dabei wird es «zu bundesweiten Einschränkungen im Personen- und Güterverkehr» kommen. Gebaut werden soll hauptsächlich zwischen März und Oktober – auf welchen Strecken es zu Teilsperrungen am Wochenende oder in manchen Fällen auch für einige Wochen kommen wird, wollte Garber nicht verraten. Dazu soll es in den im März Regional- Veranstaltungen geben, auf denen die Bahn detailliert Auskunft geben will.
Rechnungshof kritisiert Netz- Zustand
In den vergangenen Wochen hatte ein Berichts-Entwurf des Bundesrechnungshofes, der Netzeitung.de vorliegt, für rege Diskussionen gesorgt. Darin wird der Bahn vorgeworfen, zu wenig für die Instandhaltung des Netzes ausgegeben und so rund ein Fünftel des notwendigen Investitions- Volumens gespart zu haben.

Davon will das Bahn-Management nichts wissen und verweist auf die gute Auslastung des Netzes: Die hohe Qualität und Menge könne mit einem schlecht Netz «gar nicht gefahren werden», argumentiert Bahn-Vorstand Garber. Der Verkehr auf der Schiene sei in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen und die Güterzüge aufgrund guter Auslastung schwerer geworden. «Das nutzt das Netz natürlich stärker ab», gesteht Garber aber gleichzeitig ein.

Gerade dieser Umstand zusammen mit den optimistischen Wachstums- Erwartungen über den künftigen Verkehr auf der Schiene könnte aber zum Problem für die Bahn werden – wenn es das nicht schon ist. So beträgt die Auslastung zum Beispiel auf der Strecke zwischen Hamburg und Hannover schon jetzt 121 Prozent der vorgesehen Kapazität - Tendenz steigend. Die Ausgaben für Instandhaltung und Wartung des Netzes werden in den kommenden Jahren aber nicht wesentlich steigen.

Taktung verkürzen, Maximalleistung steigern
Und für die meisten Erweiterungs- Investitionen deren Ausführung Jahre dauern ist die Finanzierung zwischen Bund und Bahn noch nicht geklärt. Statt dessen soll die «theoretische Maximalleistung» weiter erhöht werden - unter anderem durch eine kürzere Taktung. Zudem wird das Netz teilweise sieben Tage in der Woche und 24 Stunden am Tag genutzt. «Wir halten das schon eine ganze Weile gut durch», sagt Garber.

Die Bahn tritt auch dem Vorwurf entgegen, «Pro-Netz» wäre eine überstürzte Antwort auf die Kritik des Rechnungshofes. «Wir arbeiten schon seit Monaten an dem Programm», antwortet Garber auf entsprechende Fragen. Ganz von der Hand zu weisen ist der Vorwurf aber nicht, steht doch die Bahn gleichzeitig kurz vor einer möglichen Teil-Privatisierung. Und ein Knackpunkt ist dabei, wer künftig die Verantwortung für die Schienen- Infrastruktur hat - die Bahn oder doch der Bund.

Wie wichtig das Urteil über den Zustand des Netzes ist, zeigt, dass das Management auch die Verkehrspolitiker im Bundestag über «Pro-Netz» informiert hat – nur wenige Stunden vor der Presse. Die Kritik hat die Bahn aber nicht entkräften können: Die grundsätzlichen Vorwürfe seien berechtigt, sagte CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer. «Das wertvolle Infrastruktureigentum des Bundes wurde in den vergangenen Jahren nicht sorgsam gepflegt», rügte er. Eine Sondersitzung des Verkehrsausschusses in der kommenden Woche soll für mehr Klarheit sorgen.

Pünktlichkeit nicht betroffen
Die Auswirkungen auf die Kunden will die Bahn so gering wie möglich halten – unter anderen mit einer ausführlichen Informationspolitik. So sollen die erwartbaren Baustellen in den Fahrplan einfließen, damit Bahn-Kunden schon bei Reise-Antritt wissen: Die Fahrt wird länger dauern als sonst üblich. Die Pünktlichkeit wird auch - rein statistisch - weiter hoch bleiben: Da die längeren Fahrzeiten im Fahrplan stehen, gelten die Züge weiterhin als pünktlich.

Außerdem wird versucht, mehr an Wochenenden und nachts zu bauen. Bei insgesamt 130 großen Vorhaben allein in diesem Jahr wird das aber nicht immer möglich sein. Deshalb soll für «ausgewählte Bauprojekte» mit «individuellen Großplakaten» um Verständnis geworben werden. Max Maulwurf grüßt.