Die Bahn kommt - in diesem Jahr oft später
02.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Davon will das Bahn-Management nichts wissen und verweist auf die gute Auslastung des Netzes: Die hohe Qualität und Menge könne mit einem schlecht Netz «gar nicht gefahren werden», argumentiert Bahn-Vorstand Garber. Der Verkehr auf der Schiene sei in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen und die Güterzüge aufgrund guter Auslastung schwerer geworden. «Das nutzt das Netz natürlich stärker ab», gesteht Garber aber gleichzeitig ein.
Gerade dieser Umstand zusammen mit den optimistischen Wachstums- Erwartungen über den künftigen Verkehr auf der Schiene könnte aber zum Problem für die Bahn werden wenn es das nicht schon ist. So beträgt die Auslastung zum Beispiel auf der Strecke zwischen Hamburg und Hannover schon jetzt 121 Prozent der vorgesehen Kapazität - Tendenz steigend. Die Ausgaben für Instandhaltung und Wartung des Netzes werden in den kommenden Jahren aber nicht wesentlich steigen.
Die Bahn tritt auch dem Vorwurf entgegen, «Pro-Netz» wäre eine überstürzte Antwort auf die Kritik des Rechnungshofes. «Wir arbeiten schon seit Monaten an dem Programm», antwortet Garber auf entsprechende Fragen. Ganz von der Hand zu weisen ist der Vorwurf aber nicht, steht doch die Bahn gleichzeitig kurz vor einer möglichen Teil-Privatisierung. Und ein Knackpunkt ist dabei, wer künftig die Verantwortung für die Schienen- Infrastruktur hat - die Bahn oder doch der Bund.
Wie wichtig das Urteil über den Zustand des Netzes ist, zeigt, dass das Management auch die Verkehrspolitiker im Bundestag über «Pro-Netz» informiert hat nur wenige Stunden vor der Presse. Die Kritik hat die Bahn aber nicht entkräften können: Die grundsätzlichen Vorwürfe seien berechtigt, sagte CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer. «Das wertvolle Infrastruktureigentum des Bundes wurde in den vergangenen Jahren nicht sorgsam gepflegt», rügte er. Eine Sondersitzung des Verkehrsausschusses in der kommenden Woche soll für mehr Klarheit sorgen.
Außerdem wird versucht, mehr an Wochenenden und nachts zu bauen. Bei insgesamt 130 großen Vorhaben allein in diesem Jahr wird das aber nicht immer möglich sein. Deshalb soll für «ausgewählte Bauprojekte» mit «individuellen Großplakaten» um Verständnis geworben werden. Max Maulwurf grüßt.

