01. Mrz 2007 10:58, ergänzt 11:46
Die «persönliche und soziale Vernetzung» will die Telekom mobilisieren. Künftig wird es nur noch zwei Marken geben – einen raschen Aufschwung erwartet aber selbst das Management nicht.
Um die ausufernden Probleme des Unternehmens in den Griff zu bekommen, hat sich das Management eine General-Überholung der gesamten Organisation und des Auftritts nach außen vorgenommen. «Mobilisierung der persönlichen und sozialen Vernetzung» lautet die neue Strategie. Oder in den Worten Obermanns: «Breitband überall».Mit nur noch zwei Marken und einer neuen Medienplattform wird der ehemalige Staatskonzern ab Sommer 2007 in Deutschland präsent sein: T-Home und T-Mobile. Eine «langfristig stabile positive Entwicklung des Konzerns» soll damit erreicht werden. Die Telekom will ihren Kunden «Zugang zu attraktiven Inhalten» geben und nicht mehr nur einfache Dienste anbieten.
«Communities» und «Web 2.0» lauten die Zauberworte: Die Telekom will vermehrt spezielle Angebote für Familien und Freunde und andere Interessensgruppen schaffen – sogar «mobiles Blogging» soll mit dem Unternehmen möglich werden. Für die Telekom bedeutet Web 2.0 die «aktive Mitgestaltung des Internets» durch die Nutzer - und dabei will das Unternehmen helfen. Neben eigenen Entwicklungen soll es auch Partnerschaften mit anderen Anbietern «zur Integration populärer Internet- Angebote geben». Konkret wurde Obermann auf der Jahres-Pressekonferenz jedoch nicht.Zurzeit läuft es beim Konzern alles anders als positiv - die Kunden verlassen das Unternehmen in Scharen, das Ergebnis ist eingebrochen. Das weiß auch der Vorstandsvorsitzende, der im vergangenen Jahr den eher glücklos agierenden Kai-Uwe Ricke an der Spitze abgelöst hat. Obermann betonte auf der Bilanz-Pressekonferenz am Donnerstag in Bonn mehrfach: «Der Realität muss in die Augen geschaut werden». Konkret heißt das: Der Kundenschwund wird im laufenden Jahr nicht gestoppt – Obermann spricht lediglich von einer möglichen «Stabilisierung» in einigen Bereichen. Und die Kosten sind viel zu hoch.
Die Ursachen für die Probleme sind schnell gefunden: Das traditionelle Geschäft mit Telekom-Dienstleistungen ist rückläufig – der Markt weit gehend gesättigt. Das rasante Wachstum im DSL-Markt kann den Rückgang im Festnetz nicht auffangen. Zudem ist der Markt für breitbandige Internet-Anschlüsse extrem hart umkämpft – Kunden werden hauptsächlich über den Preis gewonnen. Auch Obermann will «um jeden Kunden kämpfen» – und möglicherweise auch um fast jeden Preis. Der im vergangenen Jahr noch mehrfach geäußerte Satz, «wir wollen nicht zum billigen Jakob werden», scheint vergessen. Das Unternehmen plant jetzt eine eigene Billig-Marke für Breitbandanschlüsse und Mobilfunk: Die «unabhängige Zweitmarke» soll «mit einem eigenen Auftritt» und zu äußerst wettbewerbsfähigen Preisen sehr preisbewusste Kundengruppen ansprechen, heißt es aus Bonn. Die Konkurrenz im Mobilfunk und auch im Internet hat diesen Schritt schon vor langer Zeit vorgenommen.
Zugleich kündigte das Unternehmen ein neues Angebot zum Internet-Fernsehen IPTV an. Zusätzlich zu dem zunächst für 50 Städte vorgesehenen VDSL-Netz-Ausbau soll IPTV auch per ADSL+ in rund 750 Städten angeboten werden. Unterschied ist im Wesentlichen, dass bei ADSL+ wegen der geringeren Übertragungsbandbreite kein hoch auflösendes Fernsehen möglich ist. Bis 2010 hofft der Konzern 1,5 Millionen Kunden für das internetbasierte Fernsehen zu gewinnen.Auch auf der Kostenseite plant die Telekom drastische Maßnahmen. Bis Ende des Jahres werden 32.000 Stellen abgebaut – weitere rund 50.000 sollen in die neue Gesellschaft T-Service ausgelagert werden, um die Arbeitszeit zu verlängern und die Löhne zu drücken. Bis 2010 sollen die Kosten so um 4,2 bis 4,7 Milliarden Euro gegenüber 2005 gesenkt werden.
Bis die Telekom die möglichen Früchte des Umbaus ernten kann, wird jedoch noch einige Zeit vergehen. Die Börse konnte Obermann auch noch nicht überzeugen - die Aktien verloren am Donnerstag gegen den Trend.