netzeitung.deGewerkschaften erklären Airbus den Krieg

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Den Verkauf von Airbus-Werken wollen die französischen Gewerkschaften nicht hinnehmen. Die Koordinierung von möglichen Kampf- Maßnahmen hat schon begonnen. Thema: Airbus in der Krise Airbus verkauft zwei Werke in Deutschland EADS-Verwaltungsrat billigt Airbus-Sparpaket «Keine harten Entlassungen» bei Airbus Airbus-Sanierung trifft vor allem Niedersachsen EADS handelt nicht im Auftrag der Politik

Die Gewerkschaften in Frankreich haben einen massiven Widerstand angekündigt, sollte Airbus Werke in Frankreich zum Verkauf stellen. Wenn die Standorte in Saint-Nazaire oder Meaulte geschlossen oder verkauft würden, werde dies «als Kriegserklärung» aufgefasst, teilte die französische Gewerkschaft «Force Ouvriere» mit. Sie führe bereits Gespräche mit Gewerkschaften anderer europäischer Länder, in denen Airbus vertreten ist.

Die deutschen Arbeitnehmer-Vertreter hingegen wollten sich im Vorfeld der Bekanntgabe nicht äußern. Am Donnerstag berate der Gesamtbetriebsrat auf einer Sondersitzung in Hamburg über das weitere Vorgehen, teilte die IG Metall mit.

In Brüssel trafen unterdessen Arbeitnehmervertreter auf einer Konferenz des Europäischen Metallgewerkschaftsbundes (EMB) zusammen. Daran nahmen auch der Co-Chef des Airbus-Gesamtbetriebsrates, Jean-François Knepper, und der Betriebsratschef des Hamburger Werks, Horst Niehus, teil. «Wir haben Signale erhalten, dass bis zu 10.000 Stellen abgebaut werden könnten», sagte EMB-Generalsekretär Peter Scherrer. In den nächsten zwei bis drei Wochen werde es einen europaweiten Aktionstag geben.

Mit «Power 8» aus der Krise
Lieferverzögerungen aufgrund von technischen Problemen beim A380 haben Airbus in eine tiefe Krise gestürzt. Zudem musste das Mittelstrecken- Modell A350 fast komplett neue überarbeitet werden. Das Sparprogramm «Power 8» soll den Konzern nach eigenen Angaben besser auf die Herausforderungen der Dollar-Schwäche, der finanziellen Auswirkungen der A380-Verspätungen und des zukünftigen Investitionsbedarfs vorbereiten.

Dem Vernehmen nach ist geplant, in Frankreich und Deutschland jeweils zwei Werke zu verkaufen – in den vergangenen Wochen waren zeitweise sogar acht Standorte im Gespräch. In Deutschland sollen die beiden Werke in Varel und Nordenham verkauft werden, in Frankreich die Standorte Meaulte and Saint-Nazaire. Die Sprecher von Airbus Deutschland und EADS wollten die Berichte nicht kommentieren.

1000 Stellen in Hamburg
Allein am Standort Hamburg ist geplant, in den kommenden Jahren 1000 Arbeitsplätze abzubauen. Kündigungen will das Unternehmen dabei jedoch verhindern. Offiziell sollen die Details zum Sparprogramm am Mittwoch Vertretern der Belegschaft mitgeteilt werden – die Öffentlichkeit soll im Anschluss informiert werden.

Knackpunkt der Verhandlungen war die künftige Aufteilung der Produktion. Das Prestige-Modell A380 wird demnach weiterhin sowohl in Frankreich als auch Deutschland gebaut. Der neue A350 XWB wandert dagegen zum größten Teil in französische Hände.

Der Rumpf des Mittelstreckenflugzeugs sowie Höhenleitwerke werden jedoch in Deutschland hergestellt. Damit habe Deutschland Anteil an der zukunftsweisenden Kohlefaser-Technologie CFK. Deutschland wird zudem den technologisch weniger aufwändigen aber in deutlich höheren Stückzahlen produzierten A320 erhalten. (nz)