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Google greift Kerngeschäft von Microsoft an

22. Feb 2007 11:35, ergänzt 16:43
Anwendungen in Google Apps
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Analysten sprechen von einer direkten Attacke auf Microsoft: Google bietet jetzt webbasierte Anwendungen, die den Microsoft-Klassikern Excel oder Outlook Konkurrenz machen.

Schon längst ist Google mehr als nur eine Suchmaschine: Mit Google News ist das Unternehmen als Nachrichtendienst am Markt, Google Earth ist eine Art interaktiver Online-Atlas – und nun greift Google den Softwarekonzern Microsoft bei Business-Anwendungen an. Am Donnerstag startete Google ein neues Office-Paket aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, E-Mail und Terminverwaltung.

Zwar gibt es das Angebot schon seit Sommer vorigen Jahres als kostenlose Palette für Privatanwender namens «Google Apps», das nach Angaben von Google bislang von mehr als 100.000 kleinen Betrieben sowie mehreren hundert Hochschulen eingesetzt wird. Bei der so genannten «Premier Edition» gibt es jetzt aber für eine Jahresgebühr von 50 Dollar pro User zusätzlich eine Mailbox-Kapazität von zehn Gigabyte mit einer zugesagten Verfügbarkeits- Garantie von 99,9 Prozent sowie eine 24-Stunden-Hotline.

GE als erster Großkunde

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Außerdem zählt zur Premier Edition der Instant-Messaging-Client Google Talk mit einer Funktion für Internet-Telefonie sowie die Übertragung von Mails aufs Handy. Mit dem Textprogramm sollen bis zu 50 Personen gemeinsam ein Dokument erstellen und bearbeiten können. Das Unternehmen stellte in Aussicht, weitere Anwendungen und Dienstleistungen hinzuzufügen.

Vorstandschef Eric Schmidt sprach von einem großen Schritt für Google. Das Angebot werde bewusst zu geringen Kosten eingeführt, um möglichst viele Unternehmen dazu zu bringen, Google Apps Premier auszuprobieren. Zu den ersten Großkunden zählen den Angaben zufolge die US-Konzerne General Electric und Procter & Gamble.

Webbasierte Anwendungen

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Im Gegensatz zu Microsoft Office, das als Software auf den Rechnern beziehungsweise Servern der Unternehmen installiert ist, funktioniert Google Apps als webbasiertes so genanntes gehostetes Angebot. Text oder Tabellen werden also im Webbrowser erstellt und bearbeitet. Der Vorteil für Unternehmen: Sie müssen nicht mehr Software selbst installieren und updaten, sondern verlassen sich auf einen externen Dienstleister, in diesem Fall Google.

Allerdings hat Google Apps damit auch handfeste Nachteile. Die Firmendaten – also auch sensibles Material – sind auf Rechnern außerhalb des Unternehmens gespeichert, was für manche Unternehmen Sicherheitsfragen aufwerfen könnte. Außerdem kann nicht an Dokumenten gearbeitet werden, wenn kein Internet-Zugang besteht, etwa im Flugzeug während einer Geschäftsreise.

Friedliche Koexistenz

Dennoch sehen Analysten das neue Google-Angebot als klaren Angriff auf das angestammte Geschäft des Marktführers. Der Zeitpunkt der Einführung nur drei Wochen nach Microsoft Office 2007 sei für den US-Softwarekonzern «ein Schuss vor den Bug», sagte Rebecca Wettemann von Nucleus Research. Google setzt mit seinen Internet-Applikationen offenbar darauf, dass viele Menschen Alternativen zu teuren Softwarepaketen mit oft zu umfangreichen Funktionspaletten suchen - zumal die Anwendungen miteinander kompatibel sind.

Microsoft gibt sich hingegen betont ruhig: Der Konzern begrüße den Wettbewerb, sagte der für Office zuständige Manager Kirk Gregersen. «Das hilft uns, auf den Zehenspitzen zu bleiben.» Auch Google selbst will das neue Angebot nicht als Attacke auf Microsoft verstanden wissen. Er trete «solchem Geschwätz» entgegen, sagte Google-Chef Schmidt. «Die beiden Welten werden eine Zeit lang nebeneinander bestehen», da vor allem große Unternehmen Veränderungen langsam angingen.

 
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