Das Interesse an Chrysler erlahmt schnell21. Feb 2007 10:10  |  Schwer verkäuflich: Dodge-Modelle parken beim Händler | Foto: AP |
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Die Möglichkeit, dass Daimler und Chrysler wieder getrennte Weg gehen, hat den Aktienkurs kräftig befeuert. Nun werden die Gerüchte sortiert, und siehe da: Kaum jemand hat tatsächlich Interesse an einem Kauf.
Für Aktionäre von DaimlerChrysler
war es wie eine Erlösung: Bei Vorlage der Jahresbilanz stellte sich Konzernchef Dieter Zetsche vor die versammelte Weltpresse und schloss «keine Option» für den US-Zweig Chrysler aus. Das las sich dann natürlich so: Daimler-Benz und Chrysler, 1998 in einem Konzern aufgegangen, könnten wieder getrennte Wege gehen. Der Konzern sei auf der Suche nach eine Käufer – vielleicht auch einem Partner.Kandidaten waren angesichts der Schwierigkeiten der Branche, insbesondere in den USA, schnell zur Hand. Kein Wunder: Hatten sich doch die beiden anderen der Großen Drei US-Hersteller, General Motors und Ford, angesichts der eigenen Probleme bereits lautstark nach einem Partner umgesehen. Gefunden wurde allerdings bislang niemand, der ernsthaft an einer Zusammenarbeit oder gar einer Übernahme interessiert gewesen wäre – wer hätte auch der Käufer sein sollen?
Wer mit wem?
Aber halt, gab es da nicht die Gespräche zwischen GM und Renault-Nissan, dem Detroiter Management aufgezwungen vom damaligen Großaktionär Kirk Kerkorian? Ausgebremst von Konzernchef Rick Wagoner – der wohl nicht nur um die wirtschaftliche Logik eines solchen globalen Zusammenschlusses fürchtete, sondern auch um die eigene Machtposition beim (noch) größten Hersteller weltweit. Und Ford: Mehrfach rief Aufsichtsratschef Bill Ford öffentlich zur Partnersuche auf, bevor er sich vom Posten des Vorstandsvorsitzenden verabschiedete. Nur leider wollte niemand antworten.Diese Vorgänge und die Krise der US-Autoindustrie bietet selbstverständlich breiten Raum für Spekulationen. Und so war es nicht nur zu erwarten, sondern auch billig, dass sofort Gespräche zwischen GM und DaimlerChrysler über Chrysler kolportiert wurden. Zu den üblichen Verdächtigen – in diesem Fall Renault-Nissan – traten rasch auch Exoten wie der südkoreanische Hyundai-Konzern. Der Bericht stammt – nicht weiter verwunderlich – aus der Sonntagsausgabe der altehrwürdigen britischen «Times» – die will sich schließlich auch verkaufen.
Renault-Nissan winkt ab
Nun ist der erste Interessent – zumindest einer, den Journalisten dazu gemacht haben – schon wieder abgesprungen. Und das ziemlich rasch, glaubt man dem «Wall Street Journal»: bereits in der vergangenen Woche habe der Finanzvorstand des französisch-japanischen Konzerns, Thierry Moulonguet, bei einem lange vorher angesetzten Treffen mit Investoren klargestellt, dass das Unternehmen nicht die Absicht habe, sich bei Chrysler einzukaufen – und schon gar nicht, den US-Hersteller ganz zu übernehmen.Renault-Nissan wird kaum der letzte Interessent bleiben, der abspringt, bevor er überhaupt öffentlich Absichten anmeldet. GM hat noch zwar nichts von sich hören lassen. DaimlerChrysler-Chef Zetsche wird aber Probleme haben, überhaupt einen Partner zu finden, wenn die Berechnungen von Analysten stimmen. Demnach wäre Chrysler zwar billig zu haben - tatsächlich aber unglaublich teuer.
Fünf statt 35 Milliarden
Die Expertenschätzungen, wie sie das «WSJ» auflistet: Zwischen fünf und sieben Milliarden Euro soll Chrysler wert sein – katastrophal für einen Hersteller, der bei der «Fusion unter Gleichen» vor knapp einem Jahrzehnt mit satten 35 Milliarden Dollar bewertet worden war. Den Preis drücken vor allem Verpflichtungen, die Chrysler den Mitarbeitern gegenüber eingegangen ist: Auf 52,5 Milliarden Dollar taxieren Fachleute die Kosten allein für die Zuschüsse zur Krankenversicherung und die Pensionen für ausgeschiedene Beschäftigte.Noch schlimmer sieht es mit dem aus, was einen Autohersteller eigentlich ausmacht. Den Autos nämlich: Chrysler hat wenige interessante Modelle auf dem Markt, große Spritfresser werden selbst in den USA nicht mehr bedenkenlos gekauft, die schlechte Qualität verschafft dem Unternehmen den schlechtesten Wiederverkaufswert der ganzen Branche. So ist denn Chrysler beim Neuwagenverkauf auch gezwungen, mit durchschnittlich 3575 Dollar gut 1200 Dollar mehr Rabatt zu gewähren als die Branche insgesamt. Das alles hat allein in den letzten drei Monaten 2006 zu einem Verlust von 1,5 Milliarden Dollar geführt.
Toyota bleibt außen vor
 |  Ein Luxus-Hybrid der Toyota-Marke Lexus Foto: press-inform |
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Wer also sollte Chrysler tatsächlich kaufen? Einige Modelle haben zwar nach wie vor ein starkes Image – es sind aber vor allem jene Pick-Ups und Geländewagen der Marke Dodge, deren Verbrauch als deutlich überhöht gilt und die zuletzt vor allem auf den Parkplätze der Händler stehen blieben. Gefragt sind vielmehr kleinere Wagen mit geringeren Verbrauchswerten. Die kann aber der derzeitige deutsche Schwesterhersteller Daimler nicht liefern – ebenso wenig wie die anderen US-Hersteller. Führend ist hier Toyota mit neuen Hybrid-Modelle.Durch einen Einstieg bei Chrysler würden die Japaner zwar sofort – und nicht erst im Laufe des Jahres – an GM vorbeiziehen und weltgrößter Autohersteller werden. Dass aber ein so hoch profitabler Konzern wie der japanische ein Klitsche wie Chrysler kaufen könnte, ist so unwahrscheinlich, dass es noch nicht einmal in der Presse spekuliert wurde.
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