Hoffen auf Durchbruch für mobile Datendienste15. Feb 2007 15:38  |  3GSM in Barcelona | Foto: dpa |
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Die Ansage der Mobilfunk-Branche ist klar: Schnelle Datenleitungen fürs Handy und immer mehr Leistung in extrem kompakten Geräten sollen unterwegs alles möglich machen.
Mobiles Internet, Navigation, Fernsehen, Spiele, Bezahlen mit dem Handy - auf der diesjährigen Branchenmesse 3GSM in Barcelona drehte sich alles um Datendienste. Der Mobilfunk werde der wichtigste Vertriebskanal für Musik sein, zeigte sich Warner-Music-Chef Edgar Bronfman Jr. überzeugt.Der Chef des Blackberry-Betreibers RIM, Jim Balsillie, demonstrierte mit leuchtenden Augen, wie sein aktueller Standort mit einem kleinen roten Punkt im Barcelona-Stadtplan auf dem Display seines neuen Mobiltelefons angezeigt wird. Ein Nokia-Gerät lädt direkt Youtube-Videos aus dem Internet, MTV produziert jeden Monat 1000 Mini-Sendungen extra für unterwegs. Wer mit seinem Handy nur telefonieren will, ist aus der Mode.
Über mobile Datendienste wie UMTS wird seit Jahren gesprochen, doch jetzt sollen sie tatsächlich zum Massenmarkt werden. Das hat mehrere Gründe. Zum einen will die Branche, die schätzungsweise eine Billion Euro in deren Aufbau investiert hat, endlich etwas von dem Geld wiedersehen, sagt ein Analyst. Zum anderen sind mit neuen UMTS-Erweiterungen wie HSDPA und HSUPA - nach Jahren von Versprechen - tatsächliche Breitband-Geschwindigkeiten auf dem Handy möglich.
Derzeit sind es bis zu 7,2 MBit pro Sekunde bei Downloads - mehr also als viele auf ihrer DSL-Leitung zu Hause haben. Und schließlich hat der Preiskampf der Anbieter die Tarife für Sprachtelefonie so tief gedrückt, dass für viele von ihnen dringend neue Erlösquellen her müssen. Bisher haben so genannte 3G-Standards wie UMTS aber nur etwa 100 Millionen Nutzer - bei insgesamt mehr als 2,5 Milliarden Handy-Besitzern weltweit.
Die Aussichten für die Zukunft sehen so aus: Bis zum Jahr 2015 werde sich die Zahl der Mobilfunk-Kunden auf fünf Milliarden verdoppeln und der Datenverkehr sich verhundertfachen, prognostizierte der designierte Chef des Netzwerkausrüsters Nokia Siemens Networks, Simon Beresford-Wylie, bei der 3GSM. Da müsse sich die Branche fragen: «Wie in aller Welt bringen wir diese Masse von Daten durch die Netze so, dass es sich rechnet?»Es seien neue Geschäftsmodelle notwendig, zumal 95 Prozent der neuen Handy-Nutzer aus Schwellenländern kommen werden - also Märkten mit niedrigen Preisen und zugleich viel Wettbewerb. Passen sich die Mobilfunk-Betreiber nicht an, sei ihre Existenz bedroht. Als eine der neuen Einnahmequellen gilt Werbung auf dem Handy nach Internet-Muster.
Die Chance wird in der Branche darin gesehen, dem Handy, das man eben immer dabei hat, immer mehr Funktionen zu geben - und mit solchen Diensten schließlich auch Geld zu verdienen. Gerade in Schwellenländern mit ihrer vielerorts schwach entwickelten Infrastruktur könnte man damit Erfolg haben, zum Beispiel mit Bezahldiensten. In westlichen Märkten liegt der Fokus eher auf mobiler Unterhaltung und Navigation.
Begünstigt wird der Trend durch schnelle Fortschritte der Prozessor-Hersteller dabei, immer mehr Funktionen in einem Chip zu integrieren. Das lässt die Geräte immer dünner werden und weniger Strom verbrauchen. Von optimalen Akku-Laufzeiten ist die Branche jedoch noch weit entfernt. So verspricht Apple für sein kommendes iPod-Handy iPhone, das die Branche in Aufregung versetzt, fünf Stunden im Sprach- oder Videobetrieb.Die Batterielaufzeiten seien für die Branche das größte Problem, sagt Hewlett-Packard-Manager Ivica Juresa. AMD versprach in Barcelona immerhin, mit neuen Chips seiner Imageon-Familie, die zum Jahreswechsel auf den Markt kommen sollen, werde man am Handy bis zu acht Stunden am Stück fernsehen können.
Unter anderem wegen des geringeren Stromverbrauchs werde sich Musik auf dem Handy noch am ehesten durchsetzen lassen, glaubt Microsoft-Managerin Suzan DelBene. Doch auch Warner-Music-Chef Bronfman, der seit Jahren auf mobile Musik setzt, wurde wenige Stunden nach seiner Zukunftsrede von der Realität eingeholt - als die Aktie seines Unternehmens um sieben Prozent einbrach, weil der Konkurrent EMI zum zweiten Mal binnen eines Monats wegen sinkender CD-Verkäufe eine Gewinnwarnung aussprechen musste. (dpa)
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