netzeitung.deGoogle warb für Film-Piraten im Netz

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Suchbegriff bei Google: 'download harry potter movie' (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Suchbegriff bei Google: 'download harry potter movie'
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Einfach bei Google «bootleg movie download» eingeben und den neuesten Film aus dem Netz ziehen - das ging bis 2005. Damit hat die Suchmaschine zum Verstoß gegen Urheberrechte beigetragen, meint die US-Filmindustrie.

Vor dem Kadi stehen zwar andere, peinlich für Google ist es aber allemal: Große US-Medienhäuser wie Viacom, Time Warner, Walt Disney und NBC Universal werfen der Internet-Suchmaschine vor, Werbe-Anzeigen geschaltet zu haben, die zu Websites für das illegale Herunterladen von Kinofilmen führten. Wie das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Kreise berichtet, hat Google von 2003 bis 2005 auf zwei solche US-Websites geführt, wenn etwa «bootleg movie download» oder «download harry potter movie» als Suchbegriffe eingegeben wurden.
Google-Ads statt Spam-Mails
Insgesamt habe Google dafür Werbeeinnahmen von 809.000 Dollar erzielt, hieß es. Die beiden Seiten existieren dem Bericht zufolge inzwischen nicht mehr. Ihre Betreiber, zwei 26-jährige Männer aus dem US-Bundesstaat Missouri, stehen dafür nun vor Gericht. Sie haben nach Ansicht der Kläger – die großen Hollywood-Studios und der US-Filmverband MPAA – zwar nicht selbst illegal Filmmaterial angeboten, aber für 29,95 Dollar pro Jahr einen «Download Manager» angeboten, über den User Tauschbörsen wie Kazaa oder Grokster nach gesuchten Filmen abgrasen und dort herunterladen konnten.

Die Angeklagten weisen den Vorwurf zurück, anderen bei der Verletzung von Urheberrechten geholfen zu haben. Laut «WSJ» setzten die beiden Männer als Werbung für ihr Produkt nicht – wie bei solchen zwielichtigen Angeboten eher üblich – auf Spam-Mails, sondern auf Google-Ads. Die Betreiber der Sites haben dem Bericht zufolge ausgesagt, angesichts der hohen Klickraten habe Google ihnen sogar Marketing-Vertreter zugeteilt, die ihnen Keywords vorgeschlagen hätten, um die Klickraten weiter zu steigern.

Google kannte angeblich Geschäftsmodell
Ein Google-Mitarbeiter habe die Aussagen der Angeklagten bekräftigt, so die Zeitung weiter. Demnach sollen die Beziehungen zwischen dem Suchmaschinenbetreiber und den beiden Männern eng gewesen sein. Google sei die Art des Geschäfts durchaus bewusst gewesen, zitierte das Wirtschaftsblatt Kreise, denen die eidesstattliche Aussage des Google-Beschäftigten bekannt sei.

Auch wenn Google selbst von der Filmbranche wegen der Sache nicht angeklagt ist, bereitet es dem Unternehmen zusätzlichen Ärger. Die Einnahmen, die Google mit den Werbe-Ads für die beiden strittigen Websites gemacht hat, sind zwar nicht besonders hoch - aber die Studios ziehen die Wirksamkeit der internen Kontrollen bei Google in Zweifel. Am Freitag habe Google den Filmfirmen zugesichert, bestimmte Werbung von seinen Seiten zu entfernen und die internen Regelungen zu verbessern, berichtete das «Wall Street Journal».

Zahlreiche Urheberrechtsverstöße
Mit Filmstudios und TV-Produktionsfirmen muss sich Google derzeit ohnehin wegen seiner Tochter Youtube herumschlagen: Ein Großteil der Youtube-Clips – Experten schätzen den Anteil auf bis zu 90 Prozent – sind Ausschnitte aus Filmen oder TV-Shows, deren Hochladen auf Youtube gegen Urheberrecht verstößt, beispielsweise Ausschnitte aus der Trickfilmserie «South Park».

Seit längerem verhandelt die Film- und TV-Branche mit Youtube und dessen Mutter über Lizenzabkommen, doch bislang mit wenig Erfolg. Der US-Medienkonzern Viacom hatte erst Anfang dieses Monats Youtube aufgefordert, mehr als 100.000 Clips zu entfernen. Dabei handelt es sich um Mitschnitte von Sendungen der Viacom-Sender, die von Nutzern auf Youtube hochgeladen wurden. Google hatte Youtube im Oktober vorigen Jahres gekauft.


Für das Web ediert von Matthias Breitinger