netzeitung.deNapster ruft zum Boykott von Apple auf

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Der Streit um Kopierschutz von Musik-Downloads schlägt Wellen: Napster fordert die Plattenfirmen auf, nicht mit Apple zusammenzuarbeiten. Den Apple-Store iTunes sieht der Online-Dienst ohnehin nicht als Konkurrenz.

Der Chef des Online-Musikdienstes Napster, Chris Gorog, hat die Existenz verschiedener Kopierschutz-Systeme bei Liedern, die im Internet herunterladen werden können – das so genannte Digital Rights Management (DRM) – als «schädlich» für die Plattenindustrie bezeichnet. «Die Plattenfirmen sollten die Lizenzierung ihrer Musik ablehnen für alle diejenigen, die Vertreter eines abgeschlossenen DRM-Systems sind», sagte Gorog mit Blick auf den US-Konzern Apple bei der Vorlage der jüngsten Napster-Quartalszahlen.
Streit um «Fairplay»
In dieser Woche hatte Apple-Chef Steve Jobs für Aufsehen in der Branche gesorgt: In einem offenen Brief schlug er vor, auf einen Kopierschutz komplett zu verzichten, da dieser das Copyright der Lieder ohnehin nicht wirksam schütze. Kritiker warfen ihm vor, damit lediglich von seinen eigenen Problemen abzulenken.

Hintergrund ist, dass der eigene Kopierschutz von Apple namens «Fairplay» mit anderen MP3-Playern als dem iPod nicht kompatibel ist. Damit laufen beim Apple-Onlineladen iTunes erworbene Lieder nicht auf anderen Geräten. Umgekehrt laufen aber auch Stücke, die beispielsweise bei Napster gekauft wurden, nicht auf dem iPod – denn auch Napster stattet seine Lieder mit einem DRM-Kopierschutz aus. Napster-Lieder laufen aber auf so gut wie allen anderen Playern.

Deshalb kritisierten auch die deutschen Phonoverbände den Vorstoß von Jobs als «durchsichtig wie scheinheilig». Apple solle lieber dafür sorgen, dass sein Kopierschutz «seinem Namen auch gerecht wird». Apple lehnt es aber ab, sein DRM-System für andere Anbieter zu öffnen: Wenn Apple die Betriebsgeheimnisse um «Fairplay» mit anderen Firmen teile, würden diese Informationen schnell im Internet landen und die Technologie völlig außer Kraft setzen, argumentierte Jobs.

Napster setzt auf AOL
Napster hatte im vierten Quartal 2006 48.000 neue Abonnenten für seinen Online-Dienst gewonnen, wie das Unternehmen am Donnerstagabend in Los Angeles mitteilte. Damit verfügt der Dienst nun über einen Kunden-Stamm von rund 566.000. Große Hoffnungen setzt Napster auf die Kooperation mit dem Onlinedienst AOL, die vor etwa einem Monat verkündet wurde. Dabei ersetzt AOL seinen eigenen Musikanbieter durch die frühere Tauschbörse. Ende März sollen die 350.000 Kunden von AOLs eigenem Musikdienst von Napster übernommen werden.

Napster schreibt aber nach wie vor rote Zahlen. Im Quartal von Oktober bis Dezember 2006 sank der Nettoverlust allerdings auf 9,5 Millionen Dollar oder 22 Cent je Aktie nach einem Verlust von 17 Millionen Dollar oder 40 Cent je Aktie im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 21 Prozent auf 28,4 Millionen Dollar. Mit den Ergebnissen übertraf Napster die Erwartungen der Analysten.

iTunes kein Konkurrent
Dienste wie Apples Online-Portal iTunes werden bei Napster nicht als Konkurrenz gesehen, gegen die es sich durchzusetzen gilt. «Wir betrachten iTunes nicht als direkten Wettbewerber, da es sich hier um einen reinen Download-Store handelt und Napster ein Musikservice inklusive Music-Flatrate ist», sagte die Marketingchefin von Napster Deutschland, Bettina Maul, dem Nachrichtendienst Pressetext.

Napsters Ziel sei es, «Musikliebhaber anzusprechen», so Maul. Der Vorteil der Plattform liege darin, dass man neue Musik entdecken könne, ohne für jedes Lied einzeln zahlen zu müssen oder sich über 30-sekündige Hörproben ein Bild machen zu müssen.

Napster war einer der Vorreiter beim «Peer-To-Peer»-Datentausch über das Internet, musste aber 2001 nach einer Reihe von Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen schließen. 2002 kaufte der Software-Hersteller Roxio die bankrotte Tauschbörse und betreibt sie seit 2003 als legalen Dienst. (nz)