netzeitung.deApple-Chef verlangt Aus für Kopierschutz

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Steve Jobs (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Steve Jobs
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Als gescheitert betrachtet Apple den Kampf gegen Raubkopierer. Darum könne auf einen Kopierschutz verzichtet werden, meint Steve Jobs. Die möglichen Konsequenzen muss der Konzern auch nicht fürchten.

Einen scheinbar konsumenten-freundlichen Vorstoß hat Apple-Chef Steve Jobs gewagt. In einem offenen Brief spricht er sich dafür aus, auf Kopierschutz bei Online verkaufter Musik komplett zu verzichten.

Die gängigen Anti-Piraterie- Systeme der Onlineshops könnten illegales Kopieren ohnehin nicht verhindern, heißt es in dem Schreiben, das in der Nacht zum Mittwoch auf der Web-Site von Apple veröffentlicht wurde. Außerdem verkaufe die Musikindustrie den Großteil ihrer Produkte ohne Kopierschutz auf CD.

Ganz uneigennützig ist Jobs' Vorstoß natürlich nicht. So beginnt sein Brief mit den Worten: Der «atemberaubenden weltweite» Erfolg des iPod und des Online-Geschäfts iTunes habe Forderungen nach sich gezogen, den Kopierschutz - in diesem Fall das so genannten Digital Rights Management (DRM) - so zu öffnen, dass die erworbene Musik auch auf den MP3-Geräten anderer Hersteller abgespielt werden kann. Bisher kann die über iTunes gekaufte Musik lediglich auf einem iPod genutzt werden.

In einer Welt ohne DRM könne jeder Player Songs aus jedem Laden abspielen, und jedes Online-Geschäft könne Musik verkaufen, die auf jedem Player liefe, fabuliert Jobs. «Das ist sicherlich die beste Alternative für die Verbraucher. Und Apple würde dies sofort begeistert annehmen.»

iPod braucht der Kunde in jedem Fall
Ob die Musik-Industrie Jobs' Vorstellungen folgen wird, ist jedoch mehr als ungewiss. Macht doch die Branche gerade das illegale Kopieren von Musik für den Umsatzrückgang in den vergangenen Jahren verantwortlich. Beispiel USA: Wurde dort 1999 noch Musik im Wert von 14,5 Milliarden Dollar verkauft, so waren es 2005 nur noch 12,2 Milliarden. Um die Entwicklung aufzuhalten, wurde der Kopierschutz bei online verkaufter Musik deutlich verschärft.

Für Apple ist es jedoch letztlich egal, ob die Musik geschützt ist oder nicht, denn ein Abspielgerät - wie den iPod - braucht der Kunde in jedem Fall. Der Umsatz mit online verkaufter Musik ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Die Wachstumsrate hat aber mittlerweile nachgelassen und konnte den Rückgang bei der Zahl verkaufter CDs nicht ausgleichen.

«Gedanken über Musik»
Jobs reagierte mit seinem Brief auch auf die anhaltende Kritik von Verbraucherschützern an dem im iTunes-Store von Apple eingesetzten Kopierschutzsystem «Fairplay». Sein Unternehmen müsse die Musik schützen, da insbesondere die großen Vier der Musikindustrie - Universal, SonyBMG, Warner und EMI - dies in ihren Lizenzbestimmungen für den Online-Vertrieb verlangten, verteidigte sich Jobs.

In dem 1800 Wörter langen Essay «Gedanken über Musik» wendet sich Jobs gegen den Vorschlag, den Apple-Kopierschutz an andere Hersteller von Musikplayern zu lizenzieren: Wenn Apple die Betriebsgeheimnisse rund um «Fairplay» mit anderen Firmen teile, würden diese Geheimnisse schnell im Internet landen und die Technologie völlig außer Kraft setzen.

Jobs forderte die Europäer auf, den Wunsch nach einer Öffnung des Online-Musikmarktes an die Musikfirmen heranzutragen: Der größte der vier Majors, Universal, wird durch die französische Vivendi kontrolliert, EMI ist britisch und SonyBMG gehört zur Hälfte dem deutschen Bertelsmann-Konzern. «Wenn (die Musikfirmen) überzeugt werden, ihre Musik an Apple und andere ohne DRM zu lizenzieren, wird einen wirklich freien und vollständig kompatiblen Marktplatz schaffen.» (nz)